Spielregeln für den 37. America's Cup veröffentlichtWie in "Drive to Survive": Die Kamera-Augen kommen näher

Tatjana Pokorny

 · 17.11.2021

Spielregeln für den 37. America's Cup veröffentlicht: Wie in "Drive to Survive": Die Kamera-Augen kommen näherFoto: 37. America's Cup
Das Protokoll für den 37. America's Cup ist da, die neue Klassenregel auch. Wo um die Kanne gesegelt werden soll, ist jedoch weiter unbekannt

Ein neuer Look, ein neuer Wettbewerb für Frauen, gläserne Teams: Der America's Cup segelt offensiv in seine Zukunft. Nur der Austragungsort fehlt weiter

Verteidiger und "Challenger of Record" haben bei einer gemeinsamen YouTube-Übertragung aus Auckland und London das neue Protokoll und die Klassenregel für den 37. America’s Cup im Jahr 2024 vorgestellt (hier in der Wiederholung zu sehen, bitte anklicken!). Damit stehen die Grundspielregeln für den kommenden Cup-Gipfel fest. Der Austragungsort allerdings bleibt weiter offen.

Nach der bereits zweiten Verschiebung der Bekanntgabe des künftigen Cup-Reviers soll es die Auflösung im Tauziehen um das wichtige Wo nun bis zum 31. März 2022 geben. "Wir waren da anfangs zu ambitioniert mit der Deadline", räumte Neuseelands Teamchef Grant Dalton ein. Nun sei viel zu klären und die erneute Verschiebung notwendig geworden. Nachdem die Verhandlungen seines Teams und der Royal New Zealand Yacht Squadron mit der neuseeländischen Regierung über die traditionelle Austragung im Heimatrevier mehrfach offensichtlich zäh und unbefriedigend verlaufen und die Chancen auf eine Verteidigung im heimischen Hauraki-Golf auch laut Dalton "nur noch klein" sind, kamen in den vergangenen Monaten immer wieder neue Gerüchte zu möglichen alternativen Austragungsorten wie in Irland, in Valencia oder auch in Dschidda in Saudi-Arabien auf. Doch eine Entscheidung steht weiter aus.

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  Ein Exemplar des neuen Protokolls in der Royal New Zealand Yacht Squadron in AucklandFoto: 37. America's Cup/Emirates Team New Zealand
Ein Exemplar des neuen Protokolls in der Royal New Zealand Yacht Squadron in Auckland

Immerhin stellten das Emirates Team New Zealand und Ineos Britannia am Dienstagabend andere wichtige Eckdaten für die 37. Cup-Edition vor, die sie zuvor miteinander ausgehandelt hatten. Neuseelands Teamchef Grant Dalton kündigte an: "Der America’s Cup wird seine einzigartige Position als älteste internationale Trophäe der Sportwelt wahren, indem wir die Tradition einbeziehen und gleichzeitig die Grenzen für Innovation, Technologie, Bootsdesign, den Event und die TV-Übertragungen weiter verschieben." Ineos Britannias CEO, der viermalige Olympiasieger Sir Ben Ainslie, sagte: "Wir wollen den nächsten America’s Cup gemeinsam mit den Verteidigern weniger teuer und inklusiver gestalten. Das ist die Chance für den Wandel: Wir werden einen Frauen-America’s-Cup und erneut den Jugend-America’s-Cup erleben."

  Der erste grobe Fahrplan für den neuen America's-Cup-ZyklusFoto: 37. America's Cup
Der erste grobe Fahrplan für den neuen America's-Cup-Zyklus

Erlaubt ist nur ein Neubau pro Team

Im Spiel bleibt die aus dem 36. America’s Cup bekannte Bootsklasse der foilenden Einrumpfachten vom Typ AC75 in einer neuen „Version 2“-Weiterentwicklung. Die Teams dürfen in diesem Cup-Zyklus aber nur jeweils eine neue Yacht bauen, die künftig nicht mehr von elf, sondern nur noch von acht Seglern angetrieben wird. Die AC75-Yachten sollen für mindestens zwei weitere Cup-Auflagen die Boote der Wahl sein. Zusätzlich werden kleinere Boote vom Typ AC40 eingeführt, die als Test- und Trainingsboote sowie im Frauen- und Jugend-America’s-Cup eingesetzt werden. Bei vielen dieser Maßnahmen hatten die Vordenker ebenso Kostenreduzierungen im Kopf wie bei der Erhöhung des Anteils von OneDesign-Elementen für die Cup-Boote und der Beschränkung der Anzahl von Foils und weiteren Komponenten. Geplant sind bis zu drei Vorregatten, von denen die ersten beiden auf den AC40-Yachten und die letzte auf den AC75-Cup-Yachten ausgetragen werden sollen. Die Herausfordererserie und das 37. Duell um die Silberkanne steigen 2024.

  So sollen die neuen AC40-Foiler übers Wasser rasenFoto: 37. America's Cup
So sollen die neuen AC40-Foiler übers Wasser rasen
  Die wichtigsten Daten der AC75-Klasse und die ihrer neuen kleinen AC40-Schwester auf einen BlickFoto: 37. America's Cup
Die wichtigsten Daten der AC75-Klasse und die ihrer neuen kleinen AC40-Schwester auf einen Blick

Neu ist auch ein unabhängiges sogenanntes "Team-Aufklärungsprogramm", das die aus bisherigen Cup-Auflagen bekannten Beobachtungs- und Spionageaktivitäten der Mannschaften untereinander künftig auf einen gemeinsamen Nenner bringen und gleichzeitig den Fans ganz neue Einblicke in die Hauptquartiere der Teams verschaffen soll. "Beabsichtigt ist, die ganze Geheimhaltung, die Dramen und die Persönlichkeiten der Teams ins Rampenlicht zu rücken", heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung zur angekündigten Dokumentations-Offensive, die in der ersten Skizzierung sehr an die Netflix-Formel-1-Dokumentation "Drive to Survive" erinnert. Sir Ainslie nennt das neue Protokoll auch deswegen "mutig und fortschrittlich".

Auf die Frage der YACHT, ob andere internationale Regatten Inspiration für diese Art der künftig allgegenwärtig präsenten Kamera-Augen geliefert hätten, sagte Grant Dalton: "Offensichtlich hat der SailGP einen guten Job gemacht. Wir sehen mit unserem Cup auf dem Wasser ziemlich ähnlich aus wie das, was sie tun. Aber mehr noch geht es darum, andere Sportarten und ihre Entwicklung zu beobachten – die vielen kleinen subtilen Veränderungen, mit denen sie ihren Sport alle paar Wochen attraktiver machen. Es geht auch um Reichweite. Die Formel 1 hat mit der Dokumentationsserie 'Drive to Survive" 30 Prozent neue Fans dazugewonnen. Wir müssen durchstarten und anfangen, unsere Fanbasis zu vergrößern. Das kann mit etwas Ähnlichem funktionieren. Aber auch, indem man den Zugang zu dem gibt, was auf dem Wasser abgeht, sobald die Teams im kommenden Jahr anfangen zu segeln."

  Auch sie sind Teil des modernen neuen Programms für den 37. America's Cup: Im Bestreben um mehr Nachhaltigkeit haben die Designer im Emirates Team New Zealand foilende Begleitboote mit Wasserstoffantrieb entwickeltFoto: 37. America's Cup
Auch sie sind Teil des modernen neuen Programms für den 37. America's Cup: Im Bestreben um mehr Nachhaltigkeit haben die Designer im Emirates Team New Zealand foilende Begleitboote mit Wasserstoffantrieb entwickelt

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