RegattaSpionage im America's Cup künftig weniger bedeutsam

Regatta: Spionage im America's Cup künftig weniger bedeutsamFoto: INEOS TEAM UK/C GREGORY

Spionage hat beim America's Cup Tradition, obwohl sie eigentlich strengstens verboten ist. Eine neue Regel macht sie jetzt fast obsolet

Bei fast jeder Auflage des Cups wurde heimliche Spionage beobachtet und dokumentiert. Extra-Teams wurden mit dieser Aufgabe betraut. Mittlerweile hat das Ausspionieren der Kontrahenten jedoch ein vollkommen neues Ausmaß erreicht und stellt zudem einen erheblichen Kostenfaktor dar.

Man munkelt, dass neben den bekannten Verfolgungsbooten auch Drohnen, Tracker und sogar Tauchboote eingesetzt wurden, um an die entscheidenden Daten und Bilder zu gelangen.

"Zu verstehen und zu wissen, in welche Richtung sich die Gegner bewegen, ist entscheidend. Je mehr Informationen man hat, desto mehr Simulationen kann man intern durchführen und ein Gefühl dafür bekommen, wo man im Vergleich zu seinen Konkurrenten steht", erklärt Matteo Plazzi vom Team Luna Rossa Prada Pirelli.

  Luna Rossa Prada Pirelli und INEOS Britannia beim Prada Cup im vergangenen JahrFoto: INEOS Britannia
Luna Rossa Prada Pirelli und INEOS Britannia beim Prada Cup im vergangenen Jahr

Beim vergangenen 36. America's Cup in Auckland war die Situation auf dem Wasser zeitweise sogar gefährlich, da mehrere Spionageboote der Teams die einzelnen AC75-Boote auf ihrem Trainingsrevier verfolgten. Es kam zu Beinahe-Zusammenstößen, und alle Teams waren sich einig, dass es so nicht weitergehen kann.

Mit all dem soll jetzt Schluss sein, denn es gibt eine neue, fast schon revolutionäre Regel. Diese zielt darauf ab, die Ausgaben einzudämmen, die Frustration der Teams über die Bespitzelung zu verringern und den Zuschauern einen möglichst transparenten Blick auf die Entwicklungen und Techniken zu ermöglichen.

Dan Bernasconi, Chefdesigner des siegreichen Emirates Team New Zealand, wünschte sich schon seit einiger Zeit Änderungen in diesem Bereich und setzt diese nun gemeinsam mit den Herausforderern von INEOS Britannia in die Tat um: "Wir hatten das Gefühl, dass es der richtige Zeitpunkt ist, den Sport zu öffnen. Dieses Mal werden die Fans hautnah dabei sein, wenn die AC40-Foiler starten, bevor die AC75-Cupper 2024 an den Start gehen."

Das Publikum soll mit Bildern, Videos und Analysen, die auf www.americascup.com öffentlich zugänglich sind, mitten ins Geschehen gebracht werden. Neben der Steigerung der Attraktivität des Events für die Zuschauer bietet die neue Regelung vor allem einen wertvollen, kostensparenden Service für alle Teams.

  Aktuell im Bau sind die AC40-Foiler, hier eine AnimationFoto: Facebook/America's Cup
Aktuell im Bau sind die AC40-Foiler, hier eine Animation

Jede Wende und jeder Kurswechsel bei jeder Trainingseinheit, sowohl lang als auch kurz, wird auf dem Wasser verfolgt werden. Die Daten und Bilder werden in eine Cloud hochgeladen und können von allen Teams eingesehen und analysiert werden. Außerdem sollen täglich Interviews mit den wichtigsten Steuerleuten, Crews und Konstrukteuren geführt werden. Entscheidend ist, dass diese Inhalte eben auch den Fans und Anhängern zur Verfügung gestellt werden. So kann jeder schon bald auf den 37. America’s Cup in Barcelona hinfiebern.

"Der größte Vorteil dieses Programms ist die Begeisterung, die es bei den Fans auslösen wird“, so Ben Cornish vom britischen Team. "Die Inhalte, die von den Teams aufgenommen werden, bleiben normalerweise intern, aber dieses Mal werden die Medien und die Öffentlichkeit in das Training und die Entwicklung der Teams einbezogen."

Das Verbesserungspotenzial der Boote sei längst noch nicht ausgeschöpft, bei jeder Episode kommen die besten Designer der Welt mit Einflüssen aus der Luft- und Raumfahrtindustrie und der Formel 1 zusammen. Alle Augen werden auf die gewonnenen Erkenntnisse gerichtet sein, wenn die Boote wieder segeln.

  Ein Blick ins Cockpit der neuen AC40-TestbooteFoto: Facebook/America's Cup
Ein Blick ins Cockpit der neuen AC40-Testboote

Lange wird es nicht mehr dauern, bis die Teams die gerade gebauten AC40-Trainings- und -Testboote als wirksame Designmodule einsetzen, um Komponenten und Ideen zu testen, die derzeit auf den Entwürfen der weltbesten Schiffsarchitekten und Ingenieure stehen.

Cornish ist sich über die Vorzüge einer effektiven Aufklärung im Klaren: "Natürlich schaut man sich immer an, in welche Richtung andere Teams gehen." Beim America’s Cup 2024, der eine Weiterentwicklung der vorherigen Ausgabe sein wird, könne man erwarten, dass die Teams in Bezug auf die Bootsleistung noch näher zusammenrücken und Details den Unterschied ausmachen werden.

Auch die Fans werden die spannende Entwicklung nun eng mitverfolgen, und die Spionage sollte damit voraussichtlich ein Ende finden oder zumindest etwas eingedämmt sein. Bernasconi ist sich sicher: "Dies wird der zugänglichste America's Cup für Fans auf der ganzen Welt sein."

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