Regatta-News"Illbruck" sucht Geld für den America’s Cup

Lars Bolle

 · 07.02.2002

Regatta-News: "Illbruck" sucht Geld für den America’s CupFoto: illbruck Challenge

Weltpremiere: Erstmals enthüllt ein Herausforderer vor Beginn der Ausscheidungen das Bootsdesign

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Foto: illbruck Challenge

Die Zeit läuft dem deutschen America’s-Cup-Herausforderer davon. Stichtag ist der 1. April. Wenn bis dahin die Finanzierung nicht steht, könnte das ehrgeizige Projekt am Ende sein. Es fehlt ein Sponsor.

Michael Illbruck, Chef der gleichnamigen Leverkusener Firmengruppe, dessen Volvo-Ocean-Race-Syndikat derzeit im Southern Ocean und in der Gesamtwertung führt, holte gestern zum großen Befreiungsschlag aus. In Bremen-Vegesack auf dem ehemaligen Gelände der Vulkan-Werft wurde das im Bau befindliche Cup-Boot der versammelten Presse präsentiert. Ein Novum in der jüngeren Cup-Geschichte, wo andere Syndikate Unsummen in den Schutz vor Spionage investieren. Doch das deutsche Syndikat braucht Schlagzeilen, positive, und wollte zeigen, wie weit man schon in der Cup-Vorbereitung ist. Und das kann sich sehen lassen, ist, so Michael Illbruck, "eine historische Leistung für Deutschland". Tatsächlich wurde bisher in Deutschland noch nie auf so hohem Niveau im Bootsbau gearbeitet, denn ein America’s-Cupper steht an der Spitze der Yacht-Evolution und verzeiht nur Toleranzen von einem Hundertstel bis einem Tausendstel Prozent.

Wie ein gestrandeter Wal liegt der rund 24 Meter lange und nur 3,50 Meter breite, schwarze Kohlefaserrumpf in einer riesigen Werkhalle. Überall wuseln Leute in weißen T-Shirts mit dem illbruck-Aufdruck herum, fast schon eine kleine Armee. Die ersten Eindrücke: Sehr gerade Bootswände, wie bei den meisten Booten des vergangenen Cups, und der so genannte Zwitterbug der Sieger Team New Zealand, zu erkennen an dem Doppelknick in der Kiellinie. Dass abgekupfert wurde, ist kein Geheimnis: "Wenn man erst einmal in diese Richtung forscht, landet man durch die Vermessungsgrenzen automatisch bei dieser Form", so Torsten Conradi vom Design-Team. 13.000 Bootsbauerstunden sind bisher in den Rumpf investiert worden, am 15. April soll er fertig sein, "egal, was mit der Finanzierung passiert", so Illbruck. Das Boot wird nach den Berechnungen schneller sein als der letzte Cup-Gewinner, jedoch bewegen sich die Speed-Gewinne bei diesen nahezu ausgereizten Racern im Bereich von unter einem Prozent.
Ob das Boot sein Potenzial jedoch beweisen kann, ist fraglich. Das hohe Ziel von Mike Illbruck ist immer noch, "den Cup zu gewinnen". Jedoch nicht den kommenden 31., sondern den 32. Dieser Cup war von Beginn an als Testlauf, als Vorbereitung geplant. Nur fehlt jetzt das Geld. 15 bis 18 Millionen Euro wird die Kampagne insgesamt kosten, die illbruck-Gruppe wird davon nur einen geringen Teil übernehmen. "Die Grenze ist erreicht", so Mike Illbruck, "wir können und wollen das nicht allein finanzieren. Ich habe auch die Verantwortung gegenüber einem Familienunternehmen zu tragen."

Gesucht wird ein Hauptsponsor oder maximal drei Teilsponsoren, auch ein Verkauf des gesamten Projektes sei nicht auszuschließen. Illbruck wolle sich, nach der erfolglosen Suche durch eine Vermarktungsagentur, jetzt "persönlich darum kümmern". Sollte er scheitern, könnte das das Aus für das gesamte Projekt bedeuten.
Auch ohne die Finanznot wäre die diesjährige Ausscheidung für das Team schwer genug. Das Boot basiert einzig auf Computerberechnungen und Schlepptankversuchen, wird erst im Sommer schwimmen und ist nicht, da keine anderen, älteren Schiffe gekauft wurden und auch kein weiteres Boot gebaut wird, nicht durch Vergleichsfahrten auf dem Wasser zu optimieren. Zudem wird die komplette Crew erst nach dem Ende des Volvo Ocean Races und einer anschließenden Ruhepause trainieren können, hat also nur gut zwei Monate Vorbereitung bis zum Start der Ausscheidungen am 1. Oktober. Andere Teams werden dagegen zu diesem Zeitpunkt mit zwei älteren Schiffen und zwei Neubauten ohne Pause seit dem vergangenen Cup und vor allem schon lange auf dem Cup-Revier trainiert haben.

Schlechte Voraussetzungen für eine Ausscheidung, die härter ist denn je. Denn anders als beim vergangenen Cup können sich die Teams nicht allmählich steigern. Bis Ende Oktober werden zwei Runden jeder gegen jeden gesegelt, die beiden punktschlechtesten Teams scheiden aus. Da kann sich niemand eine Startschwäche leisten.
Vorerst ist für das illbruck-Projekt jedoch der Weg nach Auckland das Ziel. "Es darf doch wohl nicht wahr sein, dass Deutschland dieses Ding nicht nach Neuseeland kriegt", so der Chef. Für ihn ist es eine Frage der Ehre geworden: "Es wäre eine große Enttäuschung vor meiner Crew, die einen hervorragenden Job macht und sich Arme und Beine ausreißt."

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