Tatjana Pokorny
· 20.06.2017
Eigentlich war schon alles klar: Nachdem am ersten von zwei Finaltagen im 2. Red Bull Youth America's Cup vor Bermuda das britische Team Land Rover BAR Academy die Flotte dominiert hatte, konnte das NZL Sailing Team das Blatt am zweiten Tag dramatisch wenden. Mit drei Siegen in den Wettfahrten 4, 5 und 6 rasten die Kiwis – ganz wie ihre Vorbilder Peter Burling und das Emirates Team New Zealand – an die Spitze des Feldes. Bis kurz vor Regattaende sah es so aus, als würden die Neuseeländer ihren Titel aus dem Red Bull Youth America's Cup von 2013 verteidigen können. Denn die am Vortag noch so überzeugenden Briten wackelten im Schlussspurt bedenklich.
Doch dann ereignete sich eine folgenschwere Wegerechtsverletzung an der letzten Wendemarke vor dem Zielsprint. Da behinderten die Schweden das an Position drei liegende SVB Team Germany derart, dass die Deutschen die schwere Tonne rammten und auf Platz fünf zurückfielen. Der Penalty gegen die Schweden half Skipper Max Kohlhoff und seiner Crew nicht mehr. Die aus dem Vorfall resultierende chaotische Situation stellte das Renngeschehen auf den Kopf. Die schon abgeschlagenen Briten wichen dem entstandenen Bootsknäuel aus, konnten mehrere Plätze gutmachen und schoben sich in der Gesamtwertung völlig überraschend doch noch an den fast schon gefeierten Beinahe-Siegern aus Neuseeland vorbei.
Die Briten konnten ihr Glück im Ziel selbst kaum fassen, jubelten wie verrückt, beschlossen dann aber umgehend, die Kiwis aufzusuchen und zu ihren drei Wettfahrtsiegen in Folge zu gratulieren. "Wir ziehen den Hut vor ihrer Leistung", sagte einer der britischen Segler fair. Das NZL Sailing Team um Skipper Logan Dunning Beck hatte am Mittwoch alle drei Rennen des Tages souverän gewonnen. Dass es trotzdem nicht zur Verteidigung des vor vier Jahren von Peter Burling und seiner Red-Bull-Youth-America's-Cup-Crew gewonnenen Titels und zur gelungenen Ouvertüre für den möglichen Cup-Triumph des Emirates Team New Zealand am kommenden Wochenende reichte, war einfach nur äußerst ungewöhnlichen Umständen geschuldet. Bei ServusTV sagte Co-Kommentator Roman Hagara während der Live-Übertragung: "So etwas habe ich noch nie gesehen. Das hat mit Segeln nichts mehr zu tun. Das ist das Glück dieser Erde!" Vergessen werden darf darüber allerdings nicht, dass sich die jungen Briten mit ihrem Steuermann und 49er-Segler Chris Taylor am ersten Finaltag mit den Rängen 2, 2 und 1 ebenfalls sehr gut hatten in Szene setzen können und der Gesamtsieg daher auch nicht unverdient kam.
Das SVB Team Germany verabschiedet sich mit Platz sieben im Feld der acht Finalteilnehmer und der Flotte der insgesamt zwölf Teilnehmer aus dem Cup-Archipel Bermuda. Gezeigt haben die jungen Segler aus Norddeutschland und Berlin, dass sie mit den großen Cup-Kampagnen zugehörigen Konkurrenten durchaus mithalten können. Einige kleine Fehler, ein ärgerlicher Frühstart zum Auftakt, ein Penalty, ein defensiver Start im ersten Rennen des zweiten Finaltages und das Malheur, plötzlich zum "Schweden-Happen" zu werden, verhinderten eine deutlich mögliche bessere Platzierung. Und so besetzten am Ende eben doch die Favoriten die Podiumsplätze: das Team der Land Rover BAR Academy vor dem NZL Sailing Team und dem vom zweimaligen Cup-Sieger Ernesto Bertarelli unterstützten Schweizer Team Tilt.

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