Scheitern gehört zum Segelsport. Doch nur wenige scheiterten so prominent wie Sir Thomas Lipton. Im Lebensmittelgeschäft, später im Teehandel machte der Selfmade-Geschäftsmann ein Vermögen. Im Segelsport aber ging er wegen seiner Niederlagen in die Geschichte ein – und wegen seiner Ausdauer, mit der er immer wieder antrat.
Zwischen 1899 und 1930 forderte er fünfmal als britischer Repräsentant die Amerikaner um den America's Cup heraus. Mit seinen Yachten „Shamrock I" bis „Shamrock V" unterlag Lipton jedes Mal den US-Verteidigern. Selbst großer Aufwand, brennender Ehrgeiz und wechselnde Konstrukteure halfen nicht: Der Triumph über die “auld mug” blieb ihm verwehrt. Dennoch wurde der Schotte in der Segelwelt zum hochgeschätzten Sympathieträger.
Seine Niederlagen waren so bemerkenswert, dass man ihn als „den besten aller Verlierer" in Erinnerung behielt. Nach seinem fünften gescheiterten Versuch überreichten ihm die Amerikaner im Dezember 1930 den sogenannten "Lipton-Cup" – eine 18 Karat Goldtrophäe im Wert von rund einer halben Million Pfund.
Auf dem goldenen Pokal mit zwei Henkeln und quadratischem Silbersockel prangt ein emailliertes Schild: die Darstellung des America's Cup sowie die amerikanische Flagge in Rot, Weiß und Blau. Die Trophäe war eine liebevolle Geste für einen Schotten, der mit seinem Ehrgeiz die Herzen der Amerikaner gewonnen hatte.
Hollywood-Schauspieler und Zeitungskolumnist Will Rogers organisierte gemeinsam mit dem Bürgermeister von New York eine öffentliche Spendenaktion. Tausende Amerikaner beteiligten sich, darunter der spätere US-Präsident Franklin D. Roosevelt.
Zwei Jahre nach Liptons Tod übernahm die Stadt Glasgow die Trophäe und bewahrte sie bis zuletzt im Riverside Museum auf. Dort haben Unbekannte die Trophäe gestohlen.
Allerdings nicht kürzlich, sondern bereits vor sechs Monaten, wie die schottische Polizei nun mitteilt. Die BBC berichtete über den Fall. Demnach schwieg die Polizei über den Raub, weil sie fürchtete, Publicity könnte zur Zerstörung der Goldtrophäe führen. Doch die Ermittlungen blieben erfolglos.
Fest steht: Die Einbrecher schlugen in der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober zu. Einbruchspuren gab es keine. Erst bei der Reinigung am nächsten Morgen fiel auf, dass die Goldtrophäe fehlte. Die Museumsleitung bestätigte der BBC, dass sie den Lipton-Cup bereits im Art Loss Register erfasst hat, der weltweit größten Datenbank gestohlener Kunst. Auktionshäuser prüfen dort angebotene Werke auf Hehlerware.
Ob die Polizei konkrete Hinweise auf den Verbleib der Trophäe hat, ist nicht bekannt. Der Lipton-Cup bleibt nicht nur für die Einwohner von Glasgow, denen der Pokal gewidmet war, ein Verlust. Mit ihm fehlt auch ein wohl unbezahlbares Stück Segelgeschichte.

Redakteur News & Panorama