America’s CupZweite AC75 in Neapel – Team GB1 legt los in Bagnoli

Tatjana Pokorny

 · 22.10.2026

Hier kommt die britische AC75 in Neapel an.
Foto: GB1
Während die am Montag in Neapel vorgestellte AC75 des französischen La Roche-Posay Racing Teams schon ihre 50-Knoten-Runden im Golf von Neapel dreht, ist nun auch die Cup-Yacht von Sir Ben Ainslies Team GB1 in Neapel eingetroffen. Auf der Großbaustelle der Team-Hauptquartiere im Stadtteil Bagnoli nimmt der 38. America’s Cup langsam Form an.

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Nach den Franzosen hat jetzt auch das britische Team GB1 den nächsten Meilenstein auf dem Kurs zum 38. Louis Vuitton America’s Cup gelegt: Ihre AC75 mit dem vorläufigen Kurznamen “RB4” ist im Teamhauptquartier in Bagnoli angekommen. Dort, wo auf einer riesigen Fläche die meisten Teamhauptquartiere gerade entstehen, kam der Foiler nach dreitägigem Straßentransport über 800 Kilometer an.

Von Nord- nach Süditalien: britischer America’s-Cup-Foiler in Neapel angekommen

Begonnen hatte die Reise bei Persico Marine in Norditalien, wo das Boot seinen umfangreichen Refit erhalten hatte. “RB4” ist die AC75, mit der die Briten im 37. America’s Cup die Herausfordererrunde gewonnen und Neuseelands Verteidiger im 37. Match um die bodenlose Kanne gefordert hatten, aber im Duell mit 2:7 unterlagen. So erfolgreich war zuvor 60 Jahre kein britisches Team im America’s Cup gewesen.

Neu konfiguriert für den 38. America’s Cup, für den die Teams nur bereits bestehende AC75-Rümpfe nutzen und nicht neu bauen dürfen, soll die ehemalige “Britannia” auch im Frühjahr und Sommer 2027 wieder punkten. Die bereits bekannten, aber überholten Boote werden sich trotz erneuter Nutzung deutlich von denen unterscheiden, die 2024 in Barcelona zu sehen waren.

Zu den auffälligsten Änderungen zählt der Verzicht auf die vier “Radfahrer”-Positionen an Bord, auf denen die Athleten die Hydrauligkraft für die Boliden erzeugt haben. Im 38. Louis Vuitton America’s Cup werden die Systeme stattdessen über ein spezielles Batteriesystem mit gespeicherter elektischer Energie versorgt. Diese Neuordnung hat Änderungen an der internen Konfiguration, der Hydraulik, der Elektronik und in den Steuerungssystemen zur Folge.

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Boot mit Bedeutung: “RB4” soll auch im 38. America’s Cup glänzen

Die Renncrew wird im kommenden America’s Cup aus fünf Crew-Mitgliedern bestehen. Dabei muss mindestens eine Seglerin im Einsatz sein. Zusätzlich wurde eine Gastsegler-Position geschaffen, die einem Nicht-Mitglied des Teams die Möglichkeit bietet, die Rennen live in in Action an Bord zu erleben.

Nach ihrer Ankunft in Neapel wird “RB4” nun in der GB1-Basis in Bagnoli in die letzte Phase der Ausrüstung und Inbetriebnahme eintreten. Sir Ben Ainslies Team plant, noch vor Ende 2026 mit dem AC75 in der Bucht von Neapel mit Training und Tests zu beginnen. CEO Ian Walker sagte: “Die Ankunft der AC75 hier in Neapel ist ein bedeutender Moment für das Team. Dieses Boot bedeutet uns sehr viel.”

Dieses Boot hat uns geholfen, in Barcelona Geschichte zu schreiben.” Ian Walker

Weiter sagte der zweimalige olympische Silbermedaillengewinner im 470er und im Starboot, der auch das Volvo Ocean Race 2014/2015 als Skipper von “Azzam” gewann und heute das britische Cup-Team GB1 antreibt: „Was nun in Neapel eintrifft, ist aber auch der Ausgangspunkt für das nächste Kapitel. Die Regeln für diesen Cup sehen vor, dass wir denselben Rumpf wiederverwenden, doch am gesamten Boot finden umfangreiche Weiterentwicklungen statt, insbesondere im Bereich der Foils, der Systeme und der Elektronik.”

Bekannte Boote, neuer Look und neues Innenleben

Was bedeutet: Von außen mögen die Boote ähnlich aussehen wie im 37. America’s Cup, auch wenn sie jetzt – so wie es schon das La Roche-Posay Racing zu Beginn der Woche zeigte – andere Farbkleider tragen. Walker ist überzeugt davon, dass sein Team in Zusammenarbeit mit den Spezialisten bei Persico Marine herausragende Arbeit beim Refit geleistet hat.

Weiter geht es in Neapel mit der letzten Phase der Innenausstattung und der Inbetriebnahme. “Das Boot noch vor Jahresende wieder ins Wasser zu bringen, wird ein weiterer wichtiger Meilenstein für unser Team sein und für uns den Beginn einer unglaublich wichtigen Test- und Entwicklungsphase markieren.”

Während die Briten in Neapel alles tun, um mit ihrem Team und mit der AC75 wieder auf Top-Level zu kommen, gibt es daheim in Großbritannien noch keine offiziellen Nachrichten über eine Einigung im Streit um die Eigentumsrechte an der britischen Yacht. Der Streit hatte nach schweren vorausgegangenen Auseinandersetzungen schon während des 37. America’s Cup begonnen und seinen Höhepunkt mit dem öffentlichen Bruch zwischen Ben Ainslie und Jim Ratcliffe im Januar 2025 erlebt.

Worte und Taten: GB1 nimmt Kurs auf den 38. America’s Cup

​Im Januar 2025 hatten sich die Wege der einst gemeinsam zur Jagd auf den America’s Cup aufgebrochenen Männer getrennt, nachdem Sir Jim Ratcliffe Ben Ainslie als CEO der Ineos-Britannia-Organisation ablöste und einen eigenen (inzwischen verworfenen) Plan für den 38. America’s Cup verfolgen wollte. Ainslie hatte sich daraufhin unter anderem von Oakley Capital neue finanzielle Unterstützung gesichert und führt die britische Kampagne als Challenger of Record unter dem Namen GB1 für den 38. America’s Cup weiter.

Das britische Team und sein Anführer Ben Ainslie waren maßgeblich an der Cup-Neuordnung und der Gründung des neuen übergreifenden Managements durch die America’s Cup Partnership (ACP) beteiligt. Gespräche zur Einigung der Streitparteien im Ringen um die EIgentumsverhältnisse innerhalb des Teams haben laut mehrerer Medienberichte im September begonnen.

Ineos-Gründer Sir Jim Ratcliffe hatte als einer der vermögendsten Männer Großbritanniens Ainslies Cup-Kampagne ab 2018 unterstützt, förderte das Team im 36. und im 37. America’s-Cup-Zyklus nach eigenen Angaben mit insgesamt rund 350 Millionen Pfund. Stark unterschiedliche Auffassungen über die inhaltliche Ausrichtung des Teams hatten dann zum Zerwürfnis geführt, an dessen Beilegung hinter den Kulissen gearbeitet wird.

GB1 schafft in Bagnoli Fakten

An Tatkraft lässt es GB1 unter Führung von Sir Ben Ainslie – mit vier Goldmedaillen erfolgreichster Olympiaseglers der Sportgeschichte – nicht mangeln. Während die Bauarbeiten auf dem riesigen Cup-Arenal in Bagnoli voranschreiten, ragt dort unweit des französischen Camps das bereits errichtete neue Team-Hauptquartier schon strahlend hervor, während andere Basiscamps erst noch entstehen.

Zum täglichen Bild zählen in Bagnoli aktuell Wassersprinkler-LKW, die auf dem Gelände gegen den Staub auf der Großbaustelle und um sie herum ankämpfen. Der soll sich als Feind im Umgang mit Hightech-Booten möglichst schnell legen.

Hier ein kurzer Blick auf die Reise und die Ankunft von “RB4” in Neapel:

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Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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