America's CupZuerst die Siegesfeier, dann der Schock

Carsten Kemmling

 · 12.09.2004

America's Cup: Zuerst die Siegesfeier, dann der SchockFoto: Guido Cantini ACM

Alinghi, BMW Oracle und Emirates Team New Zealand sind in einer Sturmbö schwer beschädigt worden

In der Nacht von Samstag auf Sonntag sind die drei Gewinneryachten des Act 1 im Hafen von Marseille schwer beschädigt worden. Eine 67-Knoten-Bö kippte sie auf der Pier aus ihren Gestellen.

Am Schlimmsten traf es die Neuseeländer. Ihre Yacht NZL 82, die ihrem Team auch im America's-Cup-Finale gegen Alinghi nicht gerade viele Glücksmomente bescheren konnte, wurde von einem Container aufgeschlitzt.

"Die Container-Kante steckt noch tief im Rumpf", sagt Kiwi-Chef Grant Dalton. "Es ist fraglich, ob das Schiff überhaupt repariert werden kann." Sicher ist, dass die Neuseeländer beim Act 2 vom 4. bis 12. Oktober in Valencia nicht dabei sein werden. Unser zweites Boot wird gerade in Neuseeland refittet und ist 12.500 Meilen entfernt. Es würde sechs Wochen dauern, es nach Valencia zu schaffen."

Dalton gibt niemandem außer "dem großen Typen da oben im Himmel" die Schuld an dem Unglück. "Wir wussten, dass ein Sturm kommen würde. Deshalb haben wir auch unser Zelt in der Basis abgebaut. Aber unsere Wetterleute meinten, es werde nicht so stark wehen, nur regnen. Aber es muss ein Tornado gewesen sein. Komisch ist nur, dass im Umfeld kaum
etwas kaputtgegangen ist. Der Tornado hat vermutlich nur ganz kurz den Boden berührt, wo unsere Schiffe standen."

Auch die Cup-Gewinneryacht SUI 64 vom Team Alinghi wurde schwer beschädigt. "Wir befürchten, dass es strukturelle Schäden gibt", erklärt Alinghi-Sprecher Grant Simmer. "Wir werden versuchen, das Schiff für den nächsten Act zu reparieren. Es kann aber auch sein, dass wir SUI 75 nutzen müssen."

Für BMW Oracle sagt Chris Dickson: "Es war ein großer Schock, den Kiel unseres Bootes drei Meter von seinem Gestell entfernt zu sehen. Der Rumpf hat ein großes Loch. Diese Yachten sind sehr
zerbrechlich und nicht dafür gebaut, auf ihrem Kiel zu stehen. Deshalb befürchten wir strukturelle Schäden. Aber Gott sei Dank haben wir ein zweites Boot in Valencia, das wir in zehn Tagen fertig haben können."

Die drei anderen America's-Cup-Yachten sind nicht beschädigt worden. Einer inneren Eingabe zufolge hatte das einheimische K-Challenge-Team sogar nach der Regatta den Mast abgebaut.

Angesicht der Sturmschäden gerieten die Ergebnisse der Showregatta fast in den Hintergrund. Das mit Spannung erwartete Rematch des America's-Cup-Finals Alinghi gegen Emirates Team New Zealand gewannen die Kiwis, nachdem Schümann und Co ihre sichere Führung wegen einer zerrissenen Genua hatten abgeben müssen.

Das Rennen der Giganten zwischen BMW Oracle und Alinghi ging diesmal an die Schweizer. Nach einem unspektakulären Start hatte sich Alinghi die linke Seite gesichert und war nach einem Linksdreher in Führung gegangen. Im Ziel betrug Alinghis Vorsprung 15 Sekunden.

Bemerkenswert war auch die Leistung der Le-Défi-Crew um Steuermann Philippe Presti. Nach einem chancenlosen Auftritt bei den Fleet Races, beherrschten sie in den Segelduellen ihre Gegner von K-Challenge und Team Shosholoza und schoben sich noch auf Gesamtrang vier vor.

Team (Fleet Race Points), (Match Race Points), Total Points
1. BMW OracleRacing Team (22), (24), 46 Points
2. Team Alinghi (20), (24), 44 Points
3. Emirates Team New Zealand (18), (24), 42 Points
4. Le Défi (5), (12), 17 Points
5. K-Challenge (11), (6), 17 Points
6. Team Shosholoza (8), (0), 8 Points

Meistgelesene Artikel