America's CupWohin die Millionen fließen

Carsten Kemmling

 · 26.11.2002

Die "New York Times" hat untersucht, was die America's-Cup-Segler verdienen

"Man kann den Cup nicht kaufen", ist ein geflügeltes Wort in der Szene. Aber seit der US-Milliardär Bill Koch 1992 das Gegenteil bewiesen hat, musste diese Aussage arg relativiert werden. Geld ist keine Garantie für einen America's-Cup-Sieg, aber eine Voraussetzung.

Das zeigt einmal mehr der Verlauf des aktuellen Cups. Die Teams mit den größten Budgets liegen vorn. Zwar gibt kein Syndikat Zahlen über seine genauen Investitionsaufwand heraus, aber es deutet viel darauf hin, dass Oracle BMW, Alinghi, Prada und OneWorld über 100 Millionen Euro ausgeben.

Wofür? Was ist so teuer? Dieser Frage ist die "New York Times" nachgegangen. Da wären zunächst einmal die Boote. Die Kosten für den Bau einer neuen AC-Carbonyacht liegen laut Bill Erkelens, CEO von Oracle BMW, zwischen zwei und drei Millionen Euro. "Die Design- und Entwicklungsarbeiten gehen ins Geld." Sie sollen etwa ein Viertel des Gesamtetats einer Top-Kampagne ausmachen.

Kein Wunder, denn Tanktests kosten etwa 5.000 Euro die Stunde, und die Großen testen der "New York Times" zufolge 150 Stunden. Die kleineren Syndikate, wie etwa die Briten, sollen nur etwa zehn Prozent ihres Budgets für die Entwicklung zur Verfügung haben. Der Unterschied ist auf dem Wasser sichtbar.
Oracle BMW teste mit zwölf verschiedenen Kielen und unzähligen Ruderprofilen. Dazu kommen sechs Masten, das Stück zu fast einer halben Million Euro.

Ein großer Faktor seien auch die Segel. Der Louis Vuitton Cup erlaubt 60. Aber ein Profil könne schon nach sechs Stunden im harten Wetter unbrauchbar sein. Und deshalb werden viele Trainingssegel benötigt. So rechnen Top-Kampagnen mit einem Verbrauch von etwa 150 Segeln.
Das ist kein Pappenstiel, wenn jede Genua etwa 30.000 Euro kostet und ein Großsegel bis zu 80.000 Euro. Die Briten sollen 5,5 Millionen Euro für Tücher ausgegeben haben. Das ist mehr als 15 Prozent ihres Gesamtbudgets - und nur fünf Prozent weniger als das Budget für ihre Tender-Flotte.

Auch Umbauten, wie sie Prada an seinen Schiffen vorgenommen hat, gehen mächtig ins Geld. Die drei neuen Buge kosten pro Stück bis zu 500.000 Euro.
Der größte Kostenfaktor sei aber das Personal. Bei Oracle BMW arbeiten 140 Menschen. "Und um die besten zu kriegen, mussten wir die Konkurrenz-Syndikate überbieten. Das hat die Preise extrem in die Höhe geschraubt", sagt Erkelens . Ein Großschot-Trimmer erhält laut New York Times etwa 250.000 Euro im Jahr, ein guter Grinder immerhin noch etwa 170.000 Euro.

"Es ist Quatsch, sich über die großen Budgets zu beschweren", wird OneWorld Sprecher Bob Ratcliff zitiert. "Der Cup ist die wichtigste Trophäe im Sport, und die Kosten sind nichts im Vergleich zu unseren professionellen US-Sportarten. Da wechselte zuletzt ein Star für 100 Millionen Dollar. Hat sich darüber jemand beschwert?"

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