America’s Cup„Wirtschaftlich nicht lebensfähig“

Lars Bolle

 · 03.10.2010

America’s Cup: „Wirtschaftlich nicht lebensfähig“Foto: Teamorigin

Briten verzichten auf eine Teilnahme an der 34. Auflage

Teamorigin, das Syndikat des britischen Milliardärs Sir Keith Mills, wird nicht für den Cup im Jahr 2013 melden. Die Gründe sind wie ein Schlag ins Gesicht des Verteidigers BMW Oracle Racing.

„Nach drei Jahren des Wartens in den Startlöchern bin ich nun bitter enttäuscht, dass wir nicht antreten werden“, wird Mills in einer Erklärung des Teams zitiert. „Für Teamorigin ist das Format und der Zeitplan einfach nicht tragbar“, so Mills weiter.

Es war eine Kampagne mit hohem Potenzial. Bereits vor drei Jahren gründete Sir Keith Mills Teamorigin, wollte beim 33. Cup-Finale Herausforderer von Alinghi sein. Er hatte dem damaligen Protokoll der Schweizer zugestimmt. Doch es kam anders, zu dem Match der beiden Mehrrumpfer. Mills ging in die Warteschleife, hatte zuletzt Alinghis ehemaligen Design-Koordinator Grant Simmer sowie den dreimaligen Olympia-Goldmedaillengewinner Ben Ainslie unter Vertrag.

Umso mehr ist die Absage eine Ohrfeige für den Verteidiger BMW Oracle Racing. Denn gerade das neue Konzept mit Festflügel-Katamaranen sollte ja vom „Fred-Feuerstein-Zeitalter“ zur „Facebook-Generation“ führen, wie es Russell Coutts, Teamchef von BMW Oracle Racing, so blumig ausdrückte. Diese Modernisierung sieht Mills offenbar als nicht gelungen. Das Cup-Format sei so wie vorgestellt weder wirtschaftlich überlebensfähig noch würde es eine sportlich attraktive Veranstaltung versprechen, heißt es in der Erklärung weiter.

In einem Interview mit der britischen Zeitschrift Yachting World sagt Mills : „Ich mag die Klassenregel nicht, ich glaube, sie hat einige ernsthafte Probleme. Zum Beispiel weiß ich nicht, wie man mit so etwas bei 33 Knoten Wind segeln soll. Als ich Oracle danach fragte, hatten sie keine Antwort.“ Und weiter: „Es gibt auf der Welt sehr wenige Segler, die solche Boote bewegen können und auch nur sehr wenige Konstrukteure, die schon einmal einen 40-Meter-Flügel entworfen haben. Von unserem Startpunkt aus ergaben sich hinsichtlich der Durchführbarkeit viele Fragezeichen. Wir kamen zu dem Schluss, dass nicht genug Zeit bleibt, um zwei Mehrrumpfer zu bauen und zu lernen, wie sie zu segeln sind. Das geht vielleicht, wenn man Oracle und allen anderen zwei Monate voraus ist, für einen Normalsterblichen ist es aber eine große Herausforderung.“

Auch die versprochene Kostensenkung kann Mills nicht nachvollziehen. „Die Kosten sind etwa 20 Prozent höher als bei einer Teilnahme am 32. America’s Cup in Valencia. Aber es sind ja nur noch drei Jahre, nicht vier. Man hat also 20 Prozent mehr Kosten in 25 Prozent weniger Zeit. Im Endeffekt bleiben nur zwei Jahre, um kommerzielle Rechte zu verkaufen.“

Ganz überraschend kommt die Absage indes nicht. Mills hatte sich schon zuvor ablehnend geäußert und angeblich auch entsprechende Kommentare über das Regelwerk und Format an den Verteidiger adressiert. Bemerkenswert ist jedoch der Zeitpunkt. Denn der Austragungsort steht zumindest offiziell noch nicht fest, und in einfachen Worten heißt die Absage dann ja so viel wie: Egal wo, das ist nicht durchführbar.

„Ich musste diese Entscheidung so schnell treffen“, so Mills, „denn wenn wir eine Chance haben wollten, hätten wir mit der Konstruktion jetzt beginnen müssen.“

In den kommenden Monaten will man nun entscheiden, ob das Team an anderen Veranstaltungen teilnehmen wird. Das könnte die Macher des Audi Medcup freuen, hatte sich doch der Sponsor gerade überraschend für drei weitere Jahre verpflichtet.

Für Ben Ainslie könnte nun der Weg zu einer erneuten Olympiakampagne frei sein. Ursprünglich hatte er zweigleisig fahren wollen, der frühe Zeitpunkt des nächsten Cups, 2013 hatte jedoch eine gleichzeitige Vorbereitung auf die Spiele 2012 unmöglich gemacht.

Ab dem 1. November können offiziell Meldungen zum 34. America’s Cup abgegeben werden. Gerade hat die französische Kampagne Aleph Team France Interesse bekundet. Sie wird vom französischen Seglerverband unterstützt und soll als Talentschmiede installiert werden.

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