“Wir sind uns sehr bewusst, was uns bezüglich der Leidenschaft und der Farbe bevorsteht, die die italienischen Fans zeigen werden.” Das sagte Grant Dalton bei der feierlichen America’s-Cup-Präsentation im großen Saal des Palazzo Reale in Neapel. Neuseelands Cup-Dirigent ist auch einer der Co-Archtekten der neuen Cup-Ordnung. Er weiß, dass sich sein Team mit der Titelverteidigung 2027 in die “Höhle des Löwen” begibt.
Gemeinsam mit den Gründungsmitgliedern der neuen America’s Cup Partnership (ACP) und italienischen Politikern, die daran beteiligt waren, den Segelsportgipfel ins Cup-begeisterte Italien zu holen, wurden jetzt in Neapel der neue Cup-Zyklus noch einmal offiziell und feierlich eingeläutet. Dazu gaben die Macher wichtige Daten für die kommende Auflage bekannt.
Der Startschuss zum 38. Duell um die “Auld Mug” soll am 10. Juli 2027 vor Neapel mit zwei Auftaktmatches fallen. Gekämpft wird zwischen dem Sieger der vorgeschalteten Herausfordererrunde und den Verteidigern bis zum Wochenende des 17./18. Juni.
Bislang haben sich mit GB1 (Großbritannien). Luna Rossa (Italien), dem Tudor Team Alinghi (Schweiz) und der K-Challenge (Frankreich) vier offizielle Herausforderer gefunden, die um das Recht ringen wollen, das Emirates Team New Zealand im 38. Duell um die berühmteste Silberkanne des Segelsports fordern zu dürfen. Für seinen vierten Anlauf hat sich der britische Challenger of Record einen neuen Namen gegeben: Sir Ben Ainslies eben noch als Athena Racing bekannte Cup-Jäger gehen als Team GB1 ins Rennen.
Als erster Steuermann der Briten wurde jetzt Dylan Fletcher vorgestellt. Der 49er-Olympiasieger von 2021 und amtierende SailGP-Meister soll die britischen Geschicke im vierten Anlauf des Teams in seine Hände bekommen. Neben dem Teamgründer und viermaligen Olympiasieger Sir Ben Ainslie hatte Fletcher schon im 37. America’s Cup am AC75-Steuer von “Britannia” zum ersten britischen Sieg in einer Cup-Herausfordererrunde beigetragen, bevor das Team im Cup-Duell den Kiwis unterlagen.
Wer neben Dylan Fletcher am zweiten Briten-Steuer in die Cup-Arena von Neapel einsegeln wird, ist noch offen. Ob Sir Ben Ainslie noch einmal selbst antritt, ist unklar. Er selbst hatte einige Male angedeutet, dass er vielleicht nicht mehr als aktiver Segler dabei sein wird. Der 48 Jahre alte Teamchef – auch als “King Ben” oder “Big Ben” bekannt – könnte des Steuern anderen überlassen und sich bei der vierten aufeinanderfolgenden Cup-Herausforderung auf die Führung seines Teams konzentrieren.
Es gibt viel zu tun. Bereits vom 21. bis zum 24. Mai startet die erste Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup. In Cagliari messen sich im Frühjahr die Teams auf den kleineren AC40-Geschossen miteinander. Zur Sache geht es im Golf der Engel vor Poetto Beach, wo stets auch mit kräftigen Mistral-Winden zu rechnen ist.
Cagliari ist das Zuhause der italienischen Herausforderer. Patrizio Bertellis Team Luna Rossa nimmt zum sagenhaften siebten Mal Kurs auf den America’s Cup. Wird es mit Heimvorteil, der Verstärkung durch Neuseelands Ausnahmesteuermann Peter Burling im Team und geballter italienischer Segelleidenschaft im Rücken dieses Mal endlich mit dem Traum vom Cup-Sieg für die Azzurri klappen?
Geplant sind für die erste Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup über vier Tage bis zu zehn Fleetreces am Tag. Die beiden besten Teams werden dann in einem K.-o.-Duell um den Sieg kämpfen. Im Hafen von Cagliari sind für die erste Vorregatta ein frei zugängliches Race Village und eine Fan-Zone mit Blick auf die Regattastrecke geplant, wo große Bildschirme und Live-Übertragungen das Geschehen an Land bringen werden.
America’s-Cup-Event-Chefin Leslie Ryan sagte: “Es wird anders sein als alles, was wir bisher im America’s Cup gesehen haben. Man spürt schon jetzt, wie die Stimmung steigt. Alle Einheimischen und sogar die Taxifahrer reden darüber.”
Grant Dalton erwartet auch sportliche Überraschungen beim ersten Schlagabtausch auf den AC40ern. Der CEO im Emirates Team New Zealand sagte: “Mit Blick auf das, was wir intern sehen, gibt es keine großen Unterschiede zwischen denen, die man als ‘etablierte Segler’ bezeichnen würde, und den Newcomern.”
Dalton wies explizit auf starken Nachwuchs in den Cup-Rennställen hin, sagte: “Wir wissen auch, dass die Teams über unglaublich talentierte Jugend- und Frauenmannschaften verfügen. Daher würde es mich überhaupt nicht überraschen, wenn die Flotte völlig gemischt wäre und einige dieser Talente der nächsten Generation große Erfolge erzielen würden.” Mit Siegen in den Jugend- und Frauen-Wettbewerben 2024 vor Barcelona hatte sich für solche Überraschungen vor allem Italiens Nachwuchs empfohlen, doch auch mit den anderen ist zu rechnen.
Es ist ein sehr spannender Aspekt der Vorregatten, dass Jugend- und Frauen-Teams in einer Regattaflotte mit den senioren Cup-Teams segeln werden. Wird das eine oder andere dem Establishment im Kampf auf den OneDesign-Foilern ein Bein stellen können? Motiviert sein werden Nachwuchs und Frauen bis in die Haarspitzen, denn es geht für sie auch um Aufstiegsmöglichkeiten in die Cup-Kernteams. Die Klassenregeln schreiben vor, dass mindestens eine Frau Teil der fünfköpfigen Crews in der Herausfordererrunde und im Cup selbst ist.
Deutsche Cup-Segler sind bislang nicht in Sicht. Im Spiel aber ist der Deutsch-Franzose Stephan Kandler, dessen Vater einst Mitbegründer der ambitionierten deutschen Kampagne AeroSail war. Der Sohn setzt die Familienleidenschaft für den Cup mit der K-Challenge fort. Das französische Team könnte von der neuen Cup-Ordnung mit gleichberechtigtem Management aller Rennställe profitieren. Gerade beim zum Jahresauftakt erfolgreichen Parallelengagement im SailGP vom neuen Partner DS Automobiles frisch beflügelt, starten Les Bleus hoffnungsfroh in den 38. Cup-Zyklus.
Bei Nutzung bereits bestehender, aber umgebauter AC75-Yachten, gedeckelten Cup-Budgets (die Grenze liegt bei 75 Millionen Euro) und verkürzten Cup-Laufzeiten könnten sich die Chancen kleinerer und weniger betuchter Teams erhöhen. Stephan Kandler sieht die jüngste Cup-Herausforderung für Les Bleus auch als Mission.
Kandler sagte beim Neapel-Gipfel: „Frankreich ist ein historisches Land für den Segelsport und den America's Cup. K-Challenge ist seit 2001 an verschiedenen französischen Herausforderungen beteiligt. Daher wurde es zu einer Mission, als eines der Gründungsmitglieder der neuen America’s Cup Partnerschaft neben legendären Teams wie Emirates Team New Zealand, GB1, Luna Rossa und Tudor Team Alinghi an der Zukunft des America's Cup mitzuwirken.”
Kandler ist überzeugt davon, dass der America’s Cup seiner neuen Ausrichtung auf gutem Kurs in die Zukunft segelt, sieht die jüngsten Entwicklungen als “Stärkung für die Bekanntheit und das Image des America’s Cup”. Seine Prognose: “Es ist eine fantastische Gelegenheit für das Event und die Teams, auf das Niveau anderer führender Sportveranstaltungen zu wachsen.“