America’s CupWas ist Wasserlinie?

Dieter Loibner

 · 26.11.2009

America’s Cup: Was ist Wasserlinie?Foto: Alinghi

Die Konstruktionswasserlinie ist kürzer als die Schwimmwasserlinie beim Segeln in beladenem Zustand. Doch wie wird gemessen?

Es ist die Gretchenfrage beim Cup. Die Schweizer sagen, die Ruder zählen mit, die Amerikaner sagen „no way“. Es geht dabei um Meter und Millionen. Des Ruders Rätsel kurz erklärt.

Bei der Vermessung der Wasserlinie, so haben es die Schweizer Cupverteidiger in den Regeln festgelegt, gilt die Distanz vom vordersten Punkt des Bootes, der die Wasseroberfläche durchschneidet, bis zum hintersten, Ruder inklusive. Laut Stiftungsurkunde darf dieses Maß 90 Fuß (ca. 27 m) nicht überschreiten.

Der BMW-Oracle-Trimaran interpretiert diese Regel extrem, weil bei der Vermessung nur die Wasserlinie des Mittelrumpfs vollständig im Wasser ist. Und die ist maximal 90 Fuß lang. So weit, so gut.

Die Außenschwimmer (englisch Amas) jedoch sind deutlich länger, bloß berührt deren Wasserlinie bei der Vermessung das Wasser nur im vorderen Teil. Wenn man die Ruderblätter nicht einbezieht, die weit achtern ins Wasser ragen, passt die Wasserlinie der Amas in die Vermessung.

Werden die Ruder aber mitgerechnet, wie dies die Schweizer fordern, ist die maximale Wasserlinie des Bootes deutlich länger als die erlaubten 90 Fuß. Dies hieße, dass BMW Oracle bei der Vermessung disqualifiziert werden müsste, womit Alinghi den Cup kampflos behalten würde.

Es war ein Fall für das New Yorker Gericht, das in der Folge im Sinne BMW Oracles entschieden hat, also für eine Vermessung ohne Ruder. Und dagegen richtet sich u. a. die Berufung Alinghis, über die demnächst entschieden wird.

Beim America’s Cup, bei dem es um Sieg, Prestige und sehr viel Geld geht, sind derartige Spitzfindigkeiten wichtig, weil jeder Material- und Vermessungsvorteil genutzt werden will. Anders als bei Klassenbooten (wie den Zwölfern oder der International America's Cup Class), unterliegen die Regeln bei einem so genannten Deed-of-Gift Match mit ungleichen Booten oft der Interpretation. Und für die Auslegung dieser Regeln werden gegenwärtig die Dienste von Anwälten und Richtern sehr häufig in Anspruch genommen.

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