Die Herausforderung ist bereits offiziell akzeptiert: Das American Racing Challenger Team USA (kurz: ARCT USA) wurde als offizieller Challenger für den 38. Louis Vuitton America’s Cup bestätigt. Herausfordernder Club ist der Yacht Club Sail Newport. In einem Pressestatement vom 8. April bezeichneten die Cup-Macher das Cup-Comeback als “Meilenstein für den amerikanischen Segelsports auf der internationalen Bühne”.
30 Male haben die Amerikaner den Cup seit der Premiere 1851 gewinnen können. Als historische dominierende Nation verteidigten sie die “bodenlose Silberkanne” nach dem Auftaktsieg bis 1983 satte 132 Jahre. Weitere Siege folgten 1987, 1988, 1992, 2010 und 2013. Seitdem aber kamen sie nicht mehr heran an die Cup-Spitze. Das soll sich wieder ändern.
Das American Racing Challenger Team USA (ARCT USA) wird vom eigenen amerikanischen Team als “eine Vision der Unternehmer Karel Komárek und Chris Welch” beschrieben. Die Teamführung hat Ken Read übernommen. Der international erfolgreiche Segler wuchs zwar in Seekonk in Massachusets auf, verbrachte aber seine Sommer segelnd vor Rhode Island.
Schon im College-Sport glänzte Read. 2000 und 2003 war er als Steuermann für die späten “Stars & Stripes”-Kampagnen von “Mister America’s Cup” Dennis Conner im Einsatz. Die Cup-Editionen 2013, 2017 und 2021 begleitete der heute 64-Jährige Read als TV-Kommentator. Zuvor machte er das Ocean Race um die Welt zu seinem Rennen, kam bei der Auflage 2005/2006 für die letzten vier Etappen ins Team Ericsson und war 2008/2009 Skipper und CEO fürs Puma Ocean Racing Team und dessen “Il Mostro”. 2011 kehrte er zurück und führte das Team Puma Ocean Racing mit “Mar Mostro” erneut um die Welt. Die “Pumas” erreichten mit den Plätzen zwei und drei jedes Mal einen Podiumsplatz.
Bekannt wurde Ken Read 2021 auch als neuer Präsident der North Technology Group. Für North arbeitet der Amerikaner seit 1996, nahm für seine großen Gipfelstürme immer wieder Sabbaticals. Jetzt will er es erneut im Cup wissen. Der Cup-Welt bringt die US-Herausforderung gute Kunde: aus vier Herausforderern für das 38. Duell um den America’s Cup im Jahr 2027 werden fünf.
Ken Read blickt der Großherausforderung mit viel Stolz, einer Portion Realismus und mächtigem Ehrgeiz entgegen, sagte: “Die Gelegenheit zu haben, die Vereinigten Staaten erneut im Cup zu vertreten, ist eine enorme Ehre. Wir machen uns keine Illusionen über die vor uns liegenden Herausforderungen und konzentrieren uns voll und ganz darauf, ein Team aufzubauen, das den Cup gewinnen kann. Wir freuen uns darauf, ein Programm aufzubauen, auf das amerikanische Segler stolz sein können, und ein Vermächtnis zu schaffen, das weit in die Zukunft reicht.“
Marzio Perrelli, gerade erst zum CEO der neuen America’s Cup Partnership (ACP) gewählt, blickt den neuen Herausforderer, deren Aktivitäten hinter den Kulissen in Cup-Zirkeln schon seit einer Weile diskutiert werden, naturgemäß begeistert entgegen: „Ein starkes Team aus den USA zu haben, ist etwas, das wir sehr begrüßen. Das American Racing Challenger Team USA verfügt über ein beeindruckendes Managementteam, das bereits die Vermögenswerte von American Magic erworben hat. Das macht die Herausforderung von Sail Newport zu einem ernsthaften Konkurrenten.”
Das ARCT USA startet seine Herausforderung demnach nicht bei Null. Da die bevorstehende Cup-Edition auf den bereits gebrauchten, aber überarbeiteten AC75-Yachten ausgetragen wird, war der Erwerb eines solchen Foilers unerlässlich. Die neuen amerikanischen Herausforderer haben AC75-Yacht „Patriot“ und die beiden AC40-Plattformen vom Team American Magic übernommen.
Die Ressourcen werden es, so hieß es in der Team-Pressemitteilung, “dem American Racing Challenger Team USA ermöglichen, im Frühjahr 2027 in Neapel an der Startlinie zum 38. America’s Cup aufzukreuzen”. Das Team und Sail Newport freuen sich öffentlich darüber, den nationalen Segelverband US Sailing bei ihrer Initiative an Bord zu haben. Als Ziele der Kampagne wurden zunächst die Nachwuchsförderung und die Schaffung für Chancen von Seglerinnen genannt. Das Team soll helfen, “eine inklusivere und zugänglichere Zukunft für den amerikanischen Segelsport zu gewährleisten”.
Mitbegründer und Vorsitzender des American Racing Challenger Team USA ist mit Karel Komárek ein tschechischer Milliardär. Ihm gehört auch die “Wallycento V”, die im März die North Sound Maxi Regatta gewann. Komárek sagte: „Der America’s Cup steht für den Gipfel von Innovation, Leistung und internationalem Wettbewerb im Segelsport. Wir sind stolz darauf, wieder einen amerikanischen Herausforderer an die Spitze dieses historischen Ereignisses zu bringen. Dies ist eine Entscheidung, die wir mit großer Sorgfalt und klarer Absicht getroffen haben: Wir wollten nur mit den richtigen Partnern voranschreiten.”
Es seien die Tradition und das Engagement von Sail Newport, die Rhode Islands öffentliches Segelzentrum nicht nur für den Spitzensport, sondern auch für die Entwicklung des amerikanischen Segelsports an seiner Basis und die Öffnung zu diesem Sport “zu einem inspirierenden Partner” machen.
Ebenfalls Mitgründer des Teams und stellvertretender Vorsitzender ist Chris Welsh. Er sprach davon, dass “diese Gelegenheit weit über den Wettkampf hinausgeht”. Es gehe darum, eine seltene Chance zu ergreifen und das erste Kapitel in der neuen Ära des America’s Cup mitzugestalten. Für den 38. Cup wurde das Format in Abstimmung zwischen den neuseeländischen Verteidigern und dem britischen Challenger of Record revolutioniert. Die Teams bestimmen in der America’s Cup Partnership gemeinsam über die wichtigsten Themen für Gegenwart und Zukunft.
Chris Welsh erklärte auch eine weitere Motivation hinter der US-Herausforderung zum Cup: “Karel und ich stolz darauf, eine Rolle dabei zu spielen, die erfolgreichste Nation der Welt auf diese ikonische Bühne zurückzubringen – gemeinsam mit einigen der mächtigsten und bekanntesten Marken Amerikas.“
Die anderen vier Herausforderer für das Emirates Team New Zealand sind Sir Ben Ainslies Team GB1, Patrizio Bertellis Team Luna Rossa, Ernesto Bertarellis Tudor Team Alinghi und das französische La Roche-Posay Racing Team. Die erste Vorregatta zum America’s Cup findet vom 21. bis zum 24. Mai auf AC40-Yachten vor Cagliari statt. Die Herausfordererrunde zum 38. Louis Vuitton America’s Cup und das Cup-Match (ab 10. Juli 2027) steigen vor Neapel.

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