America's Cup„Unsere Niederlagen waren gut für alle“

YACHT Online

 · 04.10.2005

Alinghis Sportdirektor Jochen Schümann über Doppel-Dämpfer, italienische Fans und das deutsche Team

Bis gestern schienen die Schweizer Cup-Verteidiger vom Team Alinghi unbesiegbar. Vor dem Finaltag im Louis Vuitton Act 8 hatte Alinghi 2005 31 Mal in Folge gewonnen. Dann der Doppel-Dämpfer. Schümann aber kann sogar zwei Niederlagen Positives abgewinnen.

Yacht: Herr Schümann, Ihr Team hat 2005 31 Matchrace-Duelle in Folge gewonnen, galt als unbesiegbar. Wie haben zwei Niederlagen an nur einem Tag geschmeckt?

Jochen Schümann: Es war nach den beiden Rennen etwas ruhiger an Bord als sonst. Ist ja auch klar, wenn man BMW Oracle Racing so lange hinterherfahren muss. Aber dann hat unser Boss Ernesto Bertarelli eine Tasche mit Mojitos aufgemacht und eine Runde geschmissen. Und abends haben wir unseren Sieg in Act 8 mit einer richtig guten Party gefeiert. Wer hart arbeitet, muss auch gut feiern können.

Yacht: Die doppelte Niederlage kam zu einem Moment als alle dachten, dass Alinghi unschlagbar ist. Was denken Sie?

Jochen Schümann: Wir wollten gewinnen, wie wir jedes Rennen gewinnen wollen. Unsere Party am Abend hat nicht übertüncht, dass es Anlass zu Verbesserungen gibt. In jedem Fall sind die Niederlagen ein guter Grund für alle zu sehen, dass wir nicht drei Klassen über den Herausforderern segeln. Wir waren gestern gut, aber nicht so gut wie K-Challenge und BMW Oracle Racing. Die waren einfach besser.

Yacht: Sie haben die Querelen im deutschen Team aus der Ferne beobachten können. Wie geht es Ihnen dabei?

Jochen Schümann: Es tut weh, das mitanzusehen, obwohl solche Turbulenzen wie zur Zeit im deutschen Team nichts Ungewöhnliches im America´s Cup sind. Segeln ist von hoher Komplexität. Da muss man die Egos stark zurücknehmen. Eine Kultur, die man erst entwickeln muss und die — so denke ich — einen Teil des Erfolges in unserem Team Alinghi ausmacht. Wir versuchen, es mit einer flachen Hierarchie besser zu machen.

Yacht: Wie erleben Sie Trapani als gastgebende Stadt dieser Vorregatten zum America´s Cup?

Yacht: Trapani war für uns alle eine große Überraschung. Hinter diesem Event steht ein riesiges Momentum. Wie Brad Butterworth es schon gesagt hat: Wenn wir den Cup noch einmal gewinnen sollten, wäre Trapani als Austragungsort durchaus eine Möglichkeit. Das Interesse der Menschen hier ist riesig. Die Begeisterung auch. Unser Merchandising-Shop war nach zwei Tagen ausverkauft. Und wir müssten eigentlich noch einen auf dem Wasser dazu haben. Wenn wir zum Sonnenuntergang von den Kursen zurück in den Hafen kommen, dann stehen am Hafeneingang immer hunderte Menschen, die schreien und winken. Es ist wirklich schön!

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