America's CupUITG-Update

Carsten Kemmling

 · 14.12.2005

Deutsches America’s-Cup-Team absolviert erfolgreiches Training mit +39

Das America’s-Cup-Team United Internet Team Germany (UITG) hat ein dreiwöchiges Trainingslager in Valencia abgeschlossen und begibt sich jetzt in die Weihnachtsferien.

Bei Trainingsregatten gegen das italienische +39-Team, gelang ein erfolgreicher Saisonabschluss. „Wir siegten bei 70 Prozent der Rennen“, sagt Technik-Chef Eberhard Magg gegenüber YACHT online.

Die Partnerschaft sei danach aber von den Italienern aufgekündigt worden. 2006 waren weitere gemeinsame Trainings vertraglich zugesichert gewesen. Dieser Rückzug bestätigt Gerüchte, dass es auch den Italienern finanziell nicht besonders gut gehen soll.

Jetzt wolle man sich um Partnerschaften mit anderen Teams bemühen. Gute Beziehungen bestehen nach wie vor zu Mascalzone Latino, von denen das deutsche Boot GER 72 stammt.

Während die deutschen Segler zum Jahresende wohlverdienten Urlaub nehmen, arbeitet die Technikabteilung nach wie vor auf Hochtouren. Besonders beim Riggdesign stehen wichtige Entwicklungsphasen bevor.

Die Mastenbauer beim britischen Hersteller Formula Spars benötigen Daten, um mit der Konstruktion beginnen zu können. Formula hat noch wenig Erfahrung im Mastenbau für Cupyachten, ist aber für das Rigg des Volvo 70 „Ericsson“ verantwortlich, das immerhin schon eine Atlantiketappe durchgehalten hat.

Ein wichtiger Schritt sei mit der Verpflichtung des jungen Neuseeländers Luke McAllum gelungen, der in Hamburg an der Seite von Hasso Hoffmeister für das stehende Gut zuständig ist.

McAllum kommt vom Masthersteller Southern Spars, der beim vergangenen Cup bis auf einen Mast alle für die Cupper herstellte. Deshalb ging der Verpflichtung des Kiwis ein umständliches Jury-Verfahren voraus.

Weil McAllum am Rande mit Arbeit für BMW Oracle und K-Challenge zu tun hatte, musste die Jury die Verpflichtung erlauben. Da beide Teams keine Bedenken hatten, wurde dem Transfer zugestimmt. Die Kosten für die außerplanmäßige Zusammenkunft der Jury betrug 5.000 Euro.

Abschlägig wurde dagegen die Anfrage beschieden, ob die Deutschen gebrauchte Segel von anderen Teams nutzen dürften. Dabei handele es sich um unrechtmäßigen Designtransfer.

An anderer Front aktiv war Vorschiffsmann Wolf Dietz, der neben seinem Job im Segelteam Kompetenzen als Rechtsberater und Team-Repräsentant erhält. In dieser Funktion nahm er an dem Treffen der Challenger Commission (CC) in San Francisco teil.

Im CC sind alle elf Herausforderer-Teams vertreten. Sie erarbeiten Vorschläge, die der Challenger of Rekord (BMW Oracle) dem America’s-Cup-Management (ACM) unterbreitet, das die Rahmenbedingungen der Cupregatten festlegt.

In San Francisco ging es um die Limitierung der Segel für die nächsten Acts in 2006, um den endgültigen Verzicht auf Schwerter oder bewegliche Kiele, um zusätzliche Werbefläche auf Mast und Spinnakerbaum, um den Unmut über die schlechte TV-Politik des ACM sowie um die Frage, ob Matchrace-Gegner im Rennen die GPS-Daten des Kontrahenten übermittelt bekommen sollen. Dann könne man auf Laserpistolen verzichten, so der Vorschlag von Alinghi.

„Heftig wurde über die Pump-Regel diskutiert“, sagt Dietz. Alinghi habe vorgeschlagen, die Regel 42 (unerlaubter Vortrieb) deutlich zu lockern, um die Schiedsrichter zu entlasten. „Aber das wollten die kleinen Teams eher nicht.“ Man müsse dann neue Winschen entwickeln und noch mehr Kraft ins Boot holen. Beide Faktoren kommen eher den Großen zugute.

Beim Act in Trapani fiel Alinghi dadurch auf, wie das Team bei Starkwind jenseits von 20 Knoten heftig an den Spinnakerschoten riss und viel Boden gutmachte.

Das endgültige UITG-Segelteam muss bis Ende des Jahres stehen. Die meisten Verträge sind inzwischen unterschrieben, aber es kann sich noch etwas tun. Denn zurzeit häufen sich die Bewerbungen von anderen Teammitgliedern. Dabei zeichnet sich immer deutlich ein Auseinanderfallen des schwedischen Teams ab. Deren Profis befinden sich auf Jobsuche.

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