America's Cup"Todesstoß für den Cup"

Uwe Janßen

 · 02.08.2008

BMW Oracle klagt gegen das Urteil des Berufungsgerichts, der absurde Streit um den America's Cup geht in die nächste Runde. Mit einer Entscheidung wird nach dem Veto der Amerikaner erst in knapp zwei Jahren gerechnet

Nach dem Spruch des New York Supreme Court vom 29. Juli (Wiedereinsetzung des spansichen CNEV als Challenger of Record) schien der Cup wieder auf Kurs zu sein. Erste Planungen für ein Event mit mehreren Herausforderern hatten unmittelbar nach dem Urteil begonnen. Nun legt BMW Oracle wiederum sein Veto ein - und die Zukunft ist ungewisser denn je.

Da das Urteil vom vergangenen Dienstag nicht einstimmig fiel, stand den Amerikanern das Recht zu, Revision gegen die Entscheidung einzulegen. Und das taten sie bereits wenige Tage später. Der spanische Challenger of Record, am Dienstag erneut als federführender Herausforderer installiert, erfülle nicht die Kriterien der Stiftungsurkunde von 1887, argumentiert BMW Oracle. Sprecher Tom Ehman sagt: "Wir glauben, der Challenger of Record muss ein echter Yachtclub sein. Es darf nicht ein Gebilde sein, das mithilfe des Titelveteidigers errichtet wurde, um einen einseitigen Event auszurichten. Eine solche Entscheidung würde einen absurden Präzedenzfall schaffen."

Der spanische Club Nautico Espanol de Vela (CNEV) war eigens für den America's Cup gegründet worden. Der juristische Streit zwischen BMW Oracle und Cupsieger Alinghi dreht sich um eine unklare Formulierung in der Stiftungsurkunde, die das US-Team derart ausgelegt, dass der CNEV ein Kriterium der Deed of Gift nicht erfüllt - der Challenger of Record muss eine jährliche Regatta auf dem Meer durchführen. Die Spanier haben damit nach ihrer Herausforderung begonnen, mit Optis. Das genügt nach Ansicht von BMW Oracle nicht, somit sei das gesamte Protokoll für den 33. America's Cup hinfällig.

Tatsache ist, dass die vor über 120 Jahren niedergeschriebene Formulierung in dem Punkt so vage ist, das sie sich heute in jedweder Hinsicht interpretieren lässt. Richter Herman Cahn hatte sich zuvor der Argumentation der Amerikaner angeschlossen, drei der fünf Berufungsrichter legten den Passus indes so aus wie Alinghi und der CNEV. Eine eindeutige Wahrheit gibt es in dem Fall nicht, nur einen eideutigen Verlierer: den Sport.

Fest steht derzeit nur, dass der Cup den Tiefpunkt in seiner 157-jährigen Geschichte erreicht und sämtlichen Kredit bei Sportlern, Sponsoren und Fans verspielt hat. Das groteske Gezerre vor Gericht ist auch der interessierten Öffentlichkeit nicht mehr vermittelbar. Beobachter erkennen in dem Einspruch der Amerikaner den "Todesstoß" für den Cup - weil mit einem sportlichen Wettkampf in den nächsten Jahren nach den jüngsten Ereignissen nicht zu rechnen ist.

Die weitere Entwicklung bleibt zunächst völlig unklar. Nach dem erstinstanzlichen Urteil (BMW Oracle als einziger Herausforderer) waren die Planungen der meisten Kampagnen zerstört und die Teams aufgelöst worden. Nur BMW Orace und Alinghi bereiteten sich auf ein Duell mit speziell dafür gebauten 90-Fuß-Mehrrumpfern vor, als wahrscheinlicher Termin galt der März kommenden Jahres. Nach Alinghis Sieg in der Revision waren dann jedoch Ende voriger Woche Planungen für einen Cup mit mehreren Herausforderern mit Aussicht auf Regatten im Jahr 2010 oder 2011 angelaufen. Nun aber werde es bis zu einer endgültigen Entscheidung noch "mindestens 22 bis 24 Monate" dauern, wie Alinghi-Anwalt und -Sprecher Lucien Masmejan sagt.

Brad Butterworth, America's-Cup-Veteran in Diensten der Schweizer sagte: "Ich bin enttäuscht, dass BMW Oracle sich entschieden hat, den 33. America's Cup weiter hinauszuzögern, nachdem die Chance für einen Wettkampf mit mehreren Herausforderern nach der Entscheidung des Berufungsgerichts gegeben war."

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