America's CupTheater um die nächste Cup-Bühne

Tatjana Pokorny

 · 02.02.2014

America's Cup: Theater um die nächste Cup-BühneFoto: americascup.com

Die Bucht von San Francisco war eine ideale Bühne für den 34. America's Cup. Dennoch drohen die Verteidiger mit einem Revierwechsel

  Im 34. America's Cup herrschten in der Bucht von San Francisco fast durchgehend fantastische SegelbedingungenFoto: ACEA / Ricardo Pinto
Im 34. America's Cup herrschten in der Bucht von San Francisco fast durchgehend fantastische Segelbedingungen
  Der America's Cup in San Francisco: Bleibt er oder geht er?Foto: americascup.com
Der America's Cup in San Francisco: Bleibt er oder geht er?

Einen Betrag von 5,5 Millionen US-Dollar soll die Ausrichtung des 34. America's Cup in der Bucht von San Francisco die Steuerzahler gekostet haben – so schreibt es die Tageszeitung "San Francisco Chronicle". Die Stadt San Francisco, heißt es in dem Beitrag weiter, habe insgesamt 20,7 Millionen US-Dollar in die Ausrichtung der berühmtesten Regatta des Planeten gesteckt. Und da seien die mehr als 180 Millionen US-Dollar, die unabhängig von der Regatta in den Ausbau des Hafengebietes gesteckt worden seien, noch gar nicht eingerechnet.

700.000 Menschen hätte die jüngste Cup-Auflage nach San Francisco gelockt. Diese, da zitiert der "San Francisco Chronicle" das Bay Area Council Economic Institute, hätten etwa 364 Millionen US-Dollar ausgegeben. Also deutlich weniger als die einige Monate vor Regattastart noch prognostizierten 902 Millionen US-Dollar. Und sehr viel weniger als die in der Anfangsplanung 2010 erhofften 1,4 Milliarden US-Dollar.

Kein Wunder also, dass San Franciscos Bürgermeister Ed Lee für die Ausrichtung des 35. America's Cup nicht mehr das gleiche gute Angebot wie noch bei der Vorgänger-Auflage machen kann und will. Seit das klar ist, haben öffentlich gestreute Hinweise zugenommen, dass die Verteidiger auch andere Austragungsorte in Betracht ziehen. Ein wenig durchsichtig, soll auf diese Weise offenbar der Druck auf die Heimatstadt von Golden Gate Bridge und Alcatraz erhöht werden.

  Zwei-Boot-Training von Oracle Team USA in der Bucht von San Francisco: Warum ein ideales Cup-Revier verlassen?Foto: G. Grenier / Oracle Team USA
Zwei-Boot-Training von Oracle Team USA in der Bucht von San Francisco: Warum ein ideales Cup-Revier verlassen?

Namentlich tauchen in der internationalen Berichterstattung Newport auf Rhode Island, San Diego und sogar Hawaii auf. Keiner der drei Austragungsorte kann es jedoch mit San Franciscos Attributen aufnehmen. Newport hat zwar das Flair des alten Cup-Glamours und das passende Revier, ist aber als gastgebende Stadt in heutigen Zeiten zu klein für die Ausrichtung eines Weltsportereignisses. San Diego fehlte schon immer der Wind für attraktiven Segelsport, bei früheren Cup-Auflagen dümpelten die Yachten oft weitab vom Hafen in der Flaute. Und Hawaii? Wurde und wird gern ins Spiel gebracht, weil Cup-Verteidiger Larry Ellison hier mit Lanai eine eigene Insel erworben hat. Die Rennen könnten vor Oahu oder Mauí ausgetragen werden. Eine paradiesische, aber nicht sehr wahrscheinliche Vorstellung. Unbestritten ist: San Francisco hat sich aller Anlaufschwierigkeiten und Tragödien zum Trotz als attraktive Cup-Bühne erwiesen.

  Auch als Test- und Trainingsrevier eine Klasse für sich: die Bucht von San FranciscoFoto: Guilain Grenier/Oracle Team USA
Auch als Test- und Trainingsrevier eine Klasse für sich: die Bucht von San Francisco

Das schon aus früheren Cup-Auflagen bekannte Theater um die künftige Cup-Arena dürfte trotzdem noch eine Weile anhalten. So lange eben, bis die Verhandlungen zwischen der Stadt und den Herren des Cups ein für beide Seiten akzeptables Ergebnis produziert haben. In San Francisco hat der Golden Gate Club, der Ellison von Beginn an bei seiner Cup-Jagd unterstützt hat, seinen Sitz. Für Ellison selbst ist San Francisco seine Heimatstadt, in die mit Blick auf den America's Cup in den vergangenen fünf Jahren viel Entwicklungsarbeit und noch mehr Geld gesteckt wurde. Es gibt nicht viele gute Gründe, dieses Cup-Revier nun schon wieder zu verlassen und anderswo von vorn zu beginnen.

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