America's CupTeam Germany sortiert sich weit hinten ein

Jochen Rieker

 · 12.05.2006

America's Cup: Team Germany sortiert sich weit hinten einFoto: BMOR/Gilles Martin-Raget

Zwei Niederlagen am 3. Renntag für Jesper Bank – Shosholoza dagegen überzeugt mit neuer Afterguard, Alinghi und Team NewZealand verlieren, BMW Oracle bleibt das Maß der DInge

Es war ein schwacher Tag für das deutsche Team. Zwei Mal unterlag die Mannschaft von Skipper Jesper Bank, trotz ordentlicher Starts und phasenweise guter Bootsgeschwindigkeit. Schmerzhaft war besonders das verlorene Match gegen Banks früheres Team Victory Challenge.

Die Schweden, vergangenes Jahr schon drei Mal siegreich gegen die Deutschen, standen nur auf der Startkreuz unter Druck. Danach setzten sie sich deutlich ab und fuhren mit fast 50 Sekunden Vorsprung über die Ziellinie. Es war ihr dritter Sieg in diesem Act.

Nach dem Rennen zeigte sich Bank dennoch zufrieden — wenn auch nicht mit dem Ergebnis, so zumindest mit dem Team: „An meiner Mannschaft liegt es mit Sicherheit nicht, sie hat sehr gut gearbeitet“, sagte er. Eine Erklärung für die Niederlage fand er nicht, jedenfalls nicht öffentlich.

Am späten Nachmittag stand United Internet einem weitaus stärkeren Gegner gegenüber: Luna Rossa, die im ersten Rennen des Tages und mit neuem Boot Seriensieger Alinghi bezwungen hatten.

Erneut startete Jesper Bank solide und ging auf der rechten Seite fast zeitgleich mit den Italienern über die Linie. Die erste Kreuz lief wie schon gegen Victory Challenge gut für die Deutschen. Auf der linken Kursseite konnten sie sich auf der Hälfte der Kreuz sogar leicht vor Luna Rossa schieben, nur um anschließend wieder zurückzufallen. An der Luvmarke fehlten schließlich bereits gut 60 Meter. Auf der anschließenden Vorwindstrecke wuchs der Rückstand rasch bis auf 200 Meter an.

Der Wind schwächelte in dieser Phase und drehte häufig. Bedingungen, mit denen das italienische Team besser zurecht kam, das seinen Status als eines der Großen Vier neben Alinghi, BMW Oracle Racing und Team NewZealand damit eindrucksvoll untermauerte.

Nur einmal kam Team Germany noch heran: Auf der zweiten Kreuz erwischten sie auf der rechten Bahnseite mehr Druck und schlossen wieder bis auf 30 Meter auf. Doch Luna Rossa segelte in der Mitte konservativer — und profitierte von einem Rückdreher, der ihnen am Ende einen deklassierenden Vorsprung von fast einer Seemeile brachte.

Nur Pech an Bord des deutschen Cuppers bei schwierigen Bedingungen - oder Anzeichen für taktische Schwächen in der vergleichsweise unerfahrenen Afterguard, die Jesper Bank um sich geschart hat? Noch ist es zu früh für ein abschließendes Urteil. Doch nach 5 Niederlagen in 6 Rennen zeigt sich, dass die anderen Teams — auch finanziell weit schlechter gestellte — derzeit das bessere Gesamtpaket haben.

Das belegt nicht zu Letzt der phänomenale Turnaround von Team Shosholoza. Die Südafrikaner mit dem Hamburger Profi Tim Kröger als Boat Captain an Bord siegten heute in beiden Tageswettfahrten — zunächst gegen das französische Syndikat Areva, am Nachmittag in einem hoch spannenden Match auch gegen den stark segelnden Lokalmatador Desafio Espaniol.

Das von T-Systems gesponserte Boot ist über die Winterpause schneller und zuverlässiger geworden. Mehr noch aber zeigt offenbar die Personalverstärkung Wirkung. Mit Tomaso Chieffi (Ex-BMW Oracle) und Paolo Cian ist das südafrikanische Syndikat signifikant besser aufgestellt und schöpft erstmals sein Potenzial aus.

An der Spitze regiert derweil BMW Oracle unangefochten. Nachdem Alinghi, mit altem Boot gestartet, einen Punkt gegen Luna Rossa einbüßte und Teeam NewZealand gegen die Amerikaner unterlegen war, ist Chris Dicksons Mannschaft als einzige der Big Four noch ungeschlagen.

Im Match gegen den Tabellenletzten China Team lagen sie am Abend klar in Führung, als das Rennen wegen Überschreitung des Zeitlimits annulliert werden musste. Einer der bislang wenigen wetterbedingten Ausfälle bei den Acts in Valencia.

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