America's CupShowdown der Herausforderer

Carsten Kemmling

 · 09.01.2003

Morgen beginnt das Duell zwischen Alinghi und Oracle BMW. Wie die Chancen stehen, Neuigkeiten über „Hula“. Eurosport überträgt das Finale am Wochenende jeweils um 21 Uhr.

Die Kampfansage von Oracle BMW Skipper Chris Dickson ist deutlich:„ Wir haben noch eine Menge Bootspeed auf verschiedenen Gebieten gefunden. Nur die Segelnummer unseres Bootes ist seit dem letzten Duell mit Alinghi gleich geblieben, aber viel mehr auch nicht.“

Massive Änderungen sind allerdings auch nötig, wenn Oracle BMW noch eine Chance haben will. Die Statistik spricht gegen das Team. Alinghi gewann bisher fünf von sechs Duellen. Der Vorsprung betrug im Mittel eine Minute. Auf den insgesamt 99 Rennmeilen machte Alinghi insgesamt 7,13 Minuten auf den Gegner gut. Dem stehen 2,26 Minuten von der Amerikaner gegenüber. Das heißt: Oracle BMW muss fast drei Sekunden pro Meile auf die Schweizer gut machen, um mit ihnen gleich zu ziehen.

Dass ist umso schwerer weil das Alinghi Team in der Zeit nach dem gewonnen Halbfinale hart gearbeitet hat. Design Koordinator Grant Simmer sagt, dass SUI 64 seit dem Stapellauf im Mai 2001 so stark verbessert wurde, dass es den Rennkurs eineinhalb Minuten schneller absegelt. Die letzten 20 bis 30 Sekunden habe man gerade erst in den letzten drei Monaten des Louis Vuitton Cups gefunden.Die Aussagen der beiden Teamsprecher haben viel mit Vorstartgeplänkel zu tun. Wie aber stehen die Chancen wirklich?

Fakt ist, dass Alinghi als Favorit in das Finale geht. Oracle BMW ist in einer schwierigen Position. Das Team musste deutliche Änderungen am Schiff vornehmen, um gegen Alinghi eine Chance zu haben. Änderungen, die vor dem Hoffnungslauf gegen OneWorld sicher noch nicht zum Einsatz kamen. Das heißt, die Amerikaner müssen jetzt einfach ein größeres Risiko eingehen. Das kann so aussehen, dass sie ihr Schiff für ein kleineres Windfenster optimieren und dann hoffen, dass genau dieses Wetter im Finale vorherrscht. Es kann aber auch bedeuten, dass sie viel versprechende Design-Ideen umsetzen, die mangels Zeit noch nicht vollständig getestet werden konnte.

Diese strategische Situation stellt aber auch Alinghi vor keine leichte Aufgabe. Sollen sie ebenfalls ein größeres Risiko eingehen, um auf einen vermeintlich dramatisch verbesserten Gegner zu reagieren, oder bleiben sie auf dem vermeintlich sicheren konservativen Weg? Beides kann nach hinten losgehen. Morgen werden wir mehr wissen.Derweil wird weiter heiß über den innovativen Unterwasseranhang „Hula“ der Neuseeländer diskutiert.

Während viele Beobachter ungeniert von Betrug reden, weil der Sinn der Regeln unterlaufen werde, sind aus dem Lager der Herausforderer erstaunlich moderate Töne zu hören. Das liegt daran, dass das für sie zur Zeit ein Nebenkriegschauplatz ist, aber offensichtlich scheint sie die Entwicklung der Neuseeländer nicht besonders zu schrecken. Chris Dickson gab sogar bekannt, dass die vertrauliche Anfrage an die Vermesser vor 18 Monaten von Oracle BMW und nicht von den Neuseeländern stamme. Offensichtlich haben sich die Amerikaner also sehr intensiv mit dem Design beschäftigt. Und wenn es so viel bringen würde, wie viele Beobachter vermuten, hätte Oracle den Anhang sicher auch montiert.&apos

Bei Alinghi scheint man das ähnlich zu sehen. Coutts äußerte höfliche Komplimente über das Kiwi Design: „Hula sieht aus wie wir es erwartet haben. Es sieht aus als habe man gute Arbeit geleistet.“ Er machte wie sein Kollege Dickson deutlich, dass man nicht vorhabe, dagegen zu protestieren. Nach Angst hört sich das nicht an.

Allerdings hat auch die Jury inzwischen deutlich gemacht, dass die Herausforderer im Falle eines Protestes schlechte Karten haben. So wies sie dem Protestierenden die Beweislast zu. Strittig ist, ob der nur an wenigen Punkten befestigte Anhang bei heftigen Manövern oder unter Welleneinfluss den Rumpf berührt. Dann wäre er nicht zulässig. „Bevor die Jury tätig werden kann, muss die Protestpartei Beweise vorlegen, dass Hula den Rumpf berührt“, sagt Jury Chef Bryan Willis

Im morgigen Finale wird es zwei Änderungen geben. So haben beide Gegner beschlossen auf die Laser-Pistolen zu verzichten, die alle Cup Teams bisher im Einsatz hatten. Laut einer Jury Entscheidung in der vergangenen Woche sind die Geräte, mit denen der Navigator Informationen über Abstand und Geschwindigkeit des Gegners erhält, allerdings verboten. Außerdem einigten sich die Teams darauf, Schiedsrichter während der Rennen an Bord zu nehmen.

„Das ist eine gute Idee“, sagt Chris Dickson. „Dadurch wird die Qualität der Schiedsrichterentscheidungen besser.“ Die meisten anderen Teilnehmer am Louis Vuitton Cup hatten sich bisher gegen diese Maßnahme gewehrt. Der On Board Schiedsrichter informiert Skipper und Chef-Schiedsrichter über Überlappungs-Situationen und artikuliert laut, wann er die Wende seines Bootes für beendet hält.

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