America's CupSchweizer Gipfelsturm in deutschen Tageszeitungen

Martin-Sebastian Kreplin

 · 02.03.2003

Mit dem Gewinn des America's Cup sorgt das Schweizer Team Alinghi für eine ungeahnte Medienpräsenz des Segelsports

Noch vor kurzem waren Ergebnisse im Segelsport den meisten Tageszeitungen nicht mehr als eine Randnotiz wert. Die einzige Ausnahme war bis dahin die alljährlich stattfindende Kieler Woche. Doch mit dem 31. America's Cup hat sich das geändert.

Eine 18-Millionen-Euro-Partnerschaft von BMW mit dem amerikanischen Syndikat Oracle ließ die Medien in Deutschland aufhorchen.

Die ARD bemühte sich um die Übertragungsrechte, und alle Segelfans, die sich nicht die Nächte um die Ohren schlagen wollten oder konnten, versorgte die Tagespresse mit Rennberichten. Hier nun ein Pressespiegel vom Tag nach dem Cup-Gewinn:

"Binnenschiffer am Gipfel - Schweizer Sieg beim America's Cup" - verkündet die "Süddeutsche Zeitung". Auf einer halben Seite berichtet Autor Ingo Petz über den Sieg und die Pläne des Schweizer Syndikats. In Anbetracht der erhofften neuen Sponsoren sowie einer Lockerung der Nationalitätenregel prophezeit Petz bereits Rennen zwischen Aldi und VW.

Während "Alinghi" laut "Hamburger Abendblatt" in der Nacht zum Sonntag "Geschichte schreibt", hatten es die Online-Redakteure der Tageszeitung mit dem Schreiben nicht so eilig - noch am Sonntagabend wird man auf der "Abendblatt"-Homepage über das 4:0 vom Freitag informiert. Aber Radiohörer hatten den Blick ins Internet schon nicht mehr nötig. Bereits Sonntagvormittag informierte "Radio Hamburg" die segelbegeisterten Hamburger über den Rennausgang.

"Die Moët-et-Chandon-Korken trafen die Neuseeländer mitten ins Herz. Es schien, als feierten Touristen bar jeder Sensibilität am örtlichen Volkstrauertag wilde Partys", so beschreibt "Die Welt" die Zeit der Siegerehrung im Viaduct Harbour Aucklands. Auf gleich zwei Seiten der Springer-Tageszeitung wird vom Gipfelsturm der "unschlagbaren Debütanten" berichtet, die mit dem Sieg auch gleich die Titelseiten deutscher Tageszeitungen eroberten.

Und immer wieder ist von dem Alinghi-Sportdirektor Jochen Schümann die Rede. "Schümann segelt auf den Sport-Olymp", überschreibt die "Hamburger Morgenpost" ihren doppelseitigen Artikel. In den "Kieler Nachrichten" heißt es: "Schümann krönt sich mit America's Cup", und der "Tagesspiegel" ist "Mit Schümi hart am Wind". Die "Berliner Morgenpost" widmet sich neben einem halbseitigen Rennbericht auf einer weiteren halben Seite ausführlich dem Berliner Strategen. In einem Interview öffnen Schümanns "mächtig stolze Eltern" das Familienalbum und berichten von der Karriere ihres Sohnes, die auf dem Berliner Müggelsee begann.

Verwirrend sind nur die unterschiedlichen Standpunkte zu einer möglichen deutschen Herausforderung, die dem Olympia- und Cup-Gewinner Schümann von verschiedenen Zeitungen angedichtet werden. Heißt es unter anderem noch in der "Financial Times Deutschland", dass er fest mit einem deutschen Herausforderer 2007 rechne, wird er von Klaus Wolf ("Berliner Zeitung") wie folgt zitiert: "Es ist zwar schön, dass zu Hause jetzt so ein Enthusiasmus herrscht. Aber im Moment sieht es nicht so aus, als würde man in Deutschland etwas auf die Beine stellen."

Mehr über den America´s Cup finden Sie in diesen top-aktuellen Heften:

YACHT 6/2003 (ab 7. März bei den Abonnenten, ab 13. März am Kiosk)

- Die große Reportage von der Entscheidung vor Auckland
- plus: Exklusiv-Interview mit Jochen Schümann
- plus: Technik-Analyse der Schäden auf NZL-82
- plus: Hintergrund-Bericht über die unsportliche Seite der Kiwi-Kampagne

YACHT-Spezial America's Cup 2003

Ein Muss für alle Regatta-Segler, ein Genuss für alle Freunde des Segelsports!

Das einmalige Sonderheft zur Entscheidung vor Auckland. Auf ca. 120 Seiten in Farbe alles über die bedeutendste Segel-Trophäe der Welt und über den historischen Sieg von Alinghi. Für 7,50 Euro ab 13. März im Zeitschriftenhandel.

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- Die Inside-Story des 31. America's Cup
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