America’s CupSchafft Oracle den Neustart?

Lars Bolle

 · 11.09.2013

America’s Cup: Schafft Oracle den Neustart?Foto: ACEA/G. Martin-Raget

Die für heute Nacht angesetzten zwei Races haben das Potenzial einer Vorentscheidung. Ab 22.15 Uhr müssen die Amerikaner eine Antwort geben

Mehr als 80 Prozent der YACHT-online-Leser glauben laut Umfrage schon jetzt nicht mehr an ein Comeback des amerikanischen Teams. Sollte dem Verteidiger heute Nacht nicht der Neustart gelingen, werden sie wohl Recht behalten. Schafft es Oracle Team USA nicht, zwei Siege einzufahren, wird es fast unmöglich, noch zu gewinnen. Die Neuseeländer benötigen noch fünf Siege, Oracle zehn. Selbst jeder unentschieden ausgehende Tag ist ein gewonnener für die Neuseeländer, denn jedes 1:1 bewahrt ihren Vorsprung.

Wie konnte es zu dieser Situation kommen? In vier der bisher fünf Wettfahrten lag Verteidiger Oracle Team USA vorn. Vier der fünf Wettfahrten haben jedoch die Neuseeländer gewonnen. Da kann etwas nicht stimmen. Das dachte sich auch Teamchef Russell Coutts und zog das Boot von der zweiten Wettfahrt am Dienstag zurück. Um sich neu zu gruppieren, hieß es.

Offensichtlich war, dass der Kat eine Amwind-Schwäche hat. Offensichtlich waren auch einige taktische Fehler. Zwar ist es immer leicht, mit einem schnelleren Boot als Taktiker gut auszusehen, dennoch schienen die Fehler aufgrund der Erfahrung von Kostecki unerklärlich. Schnell wurde er als Sündenbock ausgemacht. Er sei der Schnelligkeit der Katamarane und damit der Schnelligkeit der nötigen Entscheidungen nicht gewachsen, meinten einige Fachleute.

Der America’s-Cup-Veteran und Kommentator Gary Jobson hat dagegen eine recht einleuchtende Erklärung gefunden. Und die hat mit Technik zu tun.

  Oracle Team USA beim Training mit Ben Ainslie als Taktiker (2. v. r.)Foto: ACEA/G. Martin-Raget
Oracle Team USA beim Training mit Ben Ainslie als Taktiker (2. v. r.)

Das Boot der Neuseeländer verfügt über eine Selbstwendefock, das Vorsegel des amerikanischen Bootes muss per Hand gewendet und gehalst werden. Damit ist ein Trimmer während des Manövers beschäftigt. Bei den Neuseeländern kann dieser dagegen als vollwertiger Grinder eingesetzt werden, der für Druck auf den Hydrauliksystemen sorgt. Die Neuseeländer haben so vier echte Grinder.

Auf dem amerikanischen Boot sind es derer nur drei, dafür muss der Taktiker mit ran. Kostecki war ständig damit beschäftigt, achtern einen Grinder mit anzutreiben, zusätzlich zu seinen Taktik-Aufgaben. Sein Gegenpart Ray Davies konnte sich dagegen voll auf die Beobachtung des Reviers, auf Böen, Stromkanten und den Gegner konzentrieren – gerade bei den hohen Geschwindigkeiten der Kats ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Zumal Kostecki mit seinen 49 Jahren die hohen körperlichen Belastungen dieser Boote auch nicht mehr eben so wegstecken dürfte.

  Machte bisher eine unglückliche Figur: Taktiker John KosteckiFoto: ACEA/B. Gardi
Machte bisher eine unglückliche Figur: Taktiker John Kostecki

Zu dieser These passt, dass das Oracle-Team am Mittwoch, dem Ruhetag, mit dem Briten Ben Ainslie auf der Taktiker-Position trainierte. Er ist der erfahrenste Olympiasegler überhaupt und als Finn-Dinghy-Recke an körperliche Plackerei, gepaart mit hohen psychischen Anforderungen, gewöhnt.

Ob Ainslie heute Nacht an Bord sein wird, werden wir sehen. Viel entscheidender ist aber die Frage, ob die Team-Konstrukteure den Geschwindigkeits-Nachteil wettmachen können. Ansonsten dürfte die kommende Nacht zur Vorentscheidung im 34. America’s Cup werden.

Die Übertragung beginnt um 22.00 Uhr und kann hier verfolgt werden.

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