America’s CupRatcliffe gegen Ainslie – wem gehört Ex-„Ineos Britannia“?

Tatjana Pokorny

 · 25.03.2026

Um diese AC75 und weitere Werte wird gestritten. Ineos will rechtlich klären lassen, wem die Ex-"Ineos Britannia" gehört.
Foto: Ricardo Pinto/America's Cup
​Im Mutterland des America’s Cup geht die Auseinandersetzungen zwischen Sir Ben Ainslies Cup-Team und dem ehemaligen Titelpartner Ineos lange nach der Trennung Anfang 2025 weiter. Ineos hat im Kampf um die AC75-Yacht rechtliche Schritte angekündigt.

​Ein Rechtsstreit ist nicht das, was man sich als Team auf Kurs America’s Cup wünscht. Doch genau den hat mit Ineos der ehemalige Titelsponsor des britischen America’s-Cup-Teams jetzt angekündigt. Zwei Kampagnen lang hatten Sir Ben Ainslie und Sir Jim Ratcliffe im 36. und im 37. Cup-Zyklus Seite an Seite um den America’s Cup gekämpft. Doch seit ihrem internen Richtungsstreit gegen Ende des 37. America’s Cup und der Sportscheidung zwischen Ainslies Athena Racing und Titelpartner Ineos Anfang 2025 ist aus dem Miteinander ein Gegeneinander geworden.

America’s Cup: Tauziehen um den Briten-Stolz

Jetzt hat der frühere Titelpartner und Chemieriese Ineos auch rechtliche Schritte gegen Sir Ben Ainslies Team angekündigt. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die erfolgreichste Briten-Yacht der Cup-Geschichte: Die Siegerin der Louis Vuitton Herausfordererrunde zum 37. America’s Cup und Herausfordererin der neuseeländischen Cup-Verteidiger befindet sich im Besitz von Ainslies Rennstall GB1, der nach dem Umbau mit der AC75 in den kommenden Cup einziehen will.

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Die von Ineos angekündigte Klage soll nun den Eigentümer der früheren „Ineos Britannia“, die als erstes britisches Boot in 60 Jahren ein Cup-Finale erreicht hatte, gerichtlich klären lassen. Der nun eskalierende Streit um die Vermögenswerte des Teams hatte schon mit Zwist während des 37. America’s Cups und der offiziellen Trennung bald nach dem Barcelona-Gipfel begonnen.

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In der Auseinandersetzung ist die AC75-Yacht das anfassbare Symbol, doch geht es auch um in gemeinsamen Zeiten erarbeitetes wertvolles geistiges Eigentum, Daten, weitere technologische Entwicklungen. Weil die AC75-Yachten aus dem 37. America’s Cup bei der kommenden Cup-Auflage im Sommer 2027 vor Neapel nach ihren Anpassungen an das neue Reglement erneut eingesetzt werden, wäre eine Herausforderung ohne die Ex-„Ineos Britannia“ und jetzt im Refit befindliche “GB1” nicht möglich.

Schmerzhafte Sportscheidung im Vereinten Königreich

Die seit mehr als einem Jahr währenden Spekulationen darüber, wem die sowohl in der Entwicklung als auch im Bau enorm teure Yacht und weitere Kampagnengüter gehören, könnten mit dem Rechtsstreit eine neue Dimenson erreichen. Hilfreich wird sie für das Ainslie-Team angesichts ohnehin knapper Vorbereitungszeit nicht sein.

Der einstige Titelpartner Ineos hatte nach dem 37. America’s Cup zunächst ebenfalls sein Cup-Engagement als Team Ineos Britannia fortsetzen wollen. Ohne Ainslie, aber mit dem aufgebauten Team. Von diesen Plänen jedoch hatten sich Ratcliffe und sein Team nach aus ihrer Sicht “zu langen Verhandlungen mit Athena Racing” im April 2025 zurückgezogen.

Diese Entscheidung hatte Ratcliffe am 9. April 2025 so begründet: „Nach unseren Teilnahmen an den letzten beiden America’s Cups fiel uns diese Entscheidung sehr schwer. Wir waren der erfolgreichste britische Herausforderer der Neuzeit mit einem außergewöhnlich schnellen Boot. Und dank der äußerst wertvollen Unterstützung durch die Mercedes-F1-Ingenieure hatten wir das Gefühl, beim nächsten Cup eine echte Chance zu haben. Leider ist uns diese Gelegenheit nun entgangen.“

Ineos-Statement: mehr als 400 Millionen Euro Investment über zwei Cup-Kampagnen

Nun folgten fast ein Jahr später der Ineos-Rückschlag und die Rückforderung von Yacht und weiteren Werten. In einem Statement vom 21. März hat Ineos dazu gegenüber britischen Medien erklärt: „Ineos ist überrascht, dass das das Boot, das wir für den letzten America’s Cup (AC37) gebaut haben, von Athena Racing übernommen wurde.”

Unmissverständlich die Ineos-Haltung: “Das Boot gehört Ineos, und es ist unangemessen anzunehmen, dass es ohne unsere Zustimmung für den nächsten Wettbewerb genutzt werden kann.” Weiter heißt es im Ineos-Statement: „Das Boot war das erfolgreichste britische Boot der Geschichte und kostete Ineos 180 Millionen Pfund (Red.: entspricht rund 208 Millionen Euro); es war eine natürliche Weiterentwicklung des ersten Bootes, das weitere 170 Millionen Pfund (Red.: etwa 196 Millionen Euro) gekostet hatte.”

So ordnet Ineos das über zwei Cup-Kampagnen zusammengekommene Gesamtinvestment – nach eigener Aussage in Höhe von mehr als 400 Millionen Euro – den beiden Zyklen und den beiden Booten zu. Dazu gab es diese Ansage: “Ineos unternimmt rechtliche Schritte, um die Rückgabe des Bootes zu erwirken.“ Ainslies Athena-Gruppe hatte noch am selben Tag auf die Ineos-Ankündigung reagiert und ebenfalls ein Statement veröffentlich.

Die Mission bleibt: der Cup-Sieg für Großbritannien

Darin ging das Ainslie-Team auch auf die Entstehungsgeschichte eint: „Athena Racing ist stolz auf seine Erfolge in den letzten 12 Jahren seit der Gründung des britischen America’s-Cup-Teams im Jahr 2014. Großbritannien hat den America’s Cup in seiner 175-jährigen Geschichte, die 1851 vor unseren Küsten begann, noch immer nicht gewonnen. Die Mission der letzten 12 Jahre bleibt die gleiche: die älteste internationale Trophäe des Sports für die Nation zu gewinnen.“

Zur aktuellen Lage notierte der Athena-Rennstall: „Unser America’s-Cup-Team GB1 trainiert derzeit gemeinsam mit unseren Frauen- und Jugend-America’s-Cup-Mannschaften in Cagliari, um sich auf die erste America’s-Cup-Vorauswahlregatta im Mai vorzubereiten. Das 150-köpfige Team mit Sitz in Portsmouth konzentriert sich auf die anstehende Aufgabe, arbeitet mit einigen der besten britischen Technologieunternehmen zusammen und fördert die Fähigkeiten und Karrieren künftiger Generationen.“

Das Athena-Statement enthält sogar Dank für die einst fruchtbare Zusammenarbeit mit Ineos. Es heißt: „Wir werden das Sponsoring und die Unterstützung von Ineos während der letzten beiden Kampagnen stets zu schätzen wissen. Sie gipfelten darin, dass das Team 2024 in Barcelona zum erfolgreichsten britischen Herausforderer seit 60 Jahren wurde.“ Gleichzeitig unterstreicht die Ainslie-Kampagne ihr Recht am Boot und weiteren Vermögenswerten.

Es sollte für Ineos keine Überraschung sein, dass Vermögenswerte, die sich im Besitz von Athena Racing befinden und schon immer dort waren, für den AC38 genutzt werden.“ Athena Sports Group

Ben Ainslie hatte mit vier Goldmedaillen und einmal Silber als erfolgreichster Segler der Olympia-Geschichte zwischen 1996 und 2012 zunächst einen massiven Grundstein für seine Weltkarriere im Segelsport gelegt. Einen America’s-Cup-Sieg hat er als Taktiker mit dem Oracle Team USA 2013 errungen, bevor er sich dem alten Traum Großbritanniens vom Sieg im America’s Cup verschrieb.

38. America’s Cup: im Mai steigt die erste Vorregatta

Heute ist Ainslie der Gründer und CEO der Athena Sports Group mit drei Teams unter ihrem Dach: dem in GB1 umbenanntem britischen Team für den America’s Cup, dem Emirates Team GBR im SailGP und dem Athena Pathway-Entwicklungsprogramm. Seit Ende 2025 ist bekannt, dass die in London ansässige Private-Equity-Gesellschaft Oakley Capital unter Führung von Peter Dubens eine Mehrheitsbeteiligung an Athena Racing erworben hat.

Dubens ist nicht nur ein langjähriger Förderer britischer Cup-Interessen, sondern inzwischen auch der Mann, der den britischen “Challenger of Record” in der neu formierten America’s Cup Partnership (ACP) vertritt. Der nun weiter eskalierende Streit im Mutterland des America’s Cup, wo 1851 erstmals vor der Isle of Wight um die bodenlose Kanne gesegelt wurde und die Silbertrophäe ihren Namen in Folge des Sieges der US-Yacht „America“ erhielt, kommt nicht gänzlich unerwartet.

Es bleibt abzuwarten, in welchem zeitlichen Rahmen und in welche Richtung sich die Auseinandersetzung nun entwickelt. Während an Land der Refit für die britische AC75 „GB1“ voranschreitet, bereitet sich das Ainslie-Team in Cagliari auf die erste Cup-Vorregatta in diesem Jahr vor. Vom 21. bis zum 24. Mai steigt vor Sardinien auf den kleineren AC40-Foilern der erste Schlagabtausch im neuen Cup-Zyklus.

Ärger an Land, Arbeit auf dem Wasser – hier trainieren Briten (und natürlich auch die Hausherren vom Team Luna Rossa) schon im Revier von Cagliari, bereiten sich mit Zwei-Boot-Einsätzen auf AC40-Yachten auf die erste Vorregatta zum 38. America’s Cup im Mai vor:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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