Im America’s Cup sind die Weichen auf Kurs Zukunft gestellt. Nach der angeschobenen Transformation des Wettbewerbs – weg vom “Winner takes all”-Modus, hin zur Team-Verwaltung durch die neue America’s Cup Partnership (ACP) – läuft nun das Vorjahr der kommenden Auflage in 2027.
Ein Jahr lang hatten die Verhandlungen zwischen Titelverteidiger, Challenger of Record und allen anderen Beteiligten gedauert, bis schließlich die revolutionäre Vereinbarung zur Gründung der America's Cup Partnership (ACP) zustande kam. Ende Dezember 2025 war bekanntgegeben worden, dass sich fünf Gründungsmannschaften „zusammengeschlossen haben, um das Potenzial des America's Cup auszuschöpfen und eine professionelle Struktur und einen stabilen Sportkalender für den 174 Jahre alten Wettbewerb einzuführen“.
Das Cup-Quintett bilden die Verteidiger vom Emirates Team New Zealand, Sir Ben Ainslies britischer Challenger of Record Athena Racing, Patrizio Bertellis Team Luna Rossa, Ernesto Bertarellis Tudor Team Alinghi und die französische K-Challenge. Grant Dalton, CEO der Titelverteidiger aus Neuseeland, warb für die neue ACP und sagte: „Es geht darum, das zu bewahren, was den America's Cup so außergewöhnlich macht, und gleichzeitig ein nachhaltiges Modell aufzubauen, von dem alle profitieren, die unsere Leidenschaft für diesen großartigen Wettbewerb teilen.”
“Dalts” Überzeugung: “Wir sichern die Position des America's Cup an der Spitze der Innovation und des Profisports für die kommenden Jahrzehnte.“ Kern und Ziel der Cup-Neuausrichtung ist es, den Wettbewerb in die moderne Sportära zu führen. Zu den auffälligsten Veränderungen zählt der angekündigte Zwei-Jahres-Rhythmus, der den Cup näher an andere internationale Sportligen heranrückt, ihm aber auch etwas von seiner charakteristischen Einzigartigkeit nehmen könnte.
Während die gemeinschaftliche Nutzung des Events und seiner kommerziellen Werte die Teams künftig stärken soll, wird die Vorstellung des ersten ACP-Vorstandes bald erwartet. Eingebaut in die Zukunftspläne sind Women’s und Youth America’s Cup, für die in den meisten Teams schon vom Nachwuchs trainiert wird.
Testeten und trainierten Teams wie Emirates Team New Zealand, Athena Racing, Luna Rossa und die K-Challenge in der zweiten Jahreshälfte 2025 noch weitgehend unbeobachtet auf ihren AC40-Yachten, weil sie noch nicht den obligatorischen Recon-Anforderungen unterlagen, wird sich das in diesem Jahr durch das Comeback der neutralen Recon-Beobachtung und Berichterstattung wieder ändern. Das im 37. America’s Cup eingeführte Recon-Programm wird auch bei der 38. Edition fortgesetzt.
Das offizielle Beobachten, Fotografieren und Filmen der Segelaktivitäten aller Cup-Teams geht weiter. Es beginnt in dem Moment, in dem die erste AC75-Yacht zu Wasser gelassen wird und segelt. Über die Veröffentlichung auf der Cup-Homepage oder in den Sozialen Netzwerken können Fans überall in der Welt die Entwicklungen detailliert miterleben. Allen Teams werden zweiköpfige Recon-Teams zugewiesen, die die Aktivitäten auf dem Wasser verfolgen und aufzeichnen sowie Interviews an Land führen und “Spionageaufnahmen” aus den Hauptquartieren der Teams liefern.
Sowohl die Neuseeländer als auch die Italiener hatten in Auckland und in Cagliari bereits 2025 mit bemerkenswerter Intensität Zwei-Boote-Trainings und Tests absolviert. Das Athena Pathway-Team des Challengers of Record ließ seine Jugend- und Frauenteams vor Weihnachten im Ex-Cup-Revier von Barcelona segeln. Unterdessen war die K-Challenge im knackig kalten Revier von Lorient auf dem Wasser. Alle Teams dürften ihre Trainings im neuen Jahr sehr bald sehr stark intensivieren.
Hinter verschlossenen Türen haben die Designteams und Bootsbauer parallel zu den anderen Aktivitäten ihre AC75-Yachten gemäß der neuen Regeln vorbereitet. Der erste mögliche AC75-Segeltag ist der 16. Januar 2026. Hübsch für die Kiwis: in Auckland ist Sommer. Die Änderungen in der AC75-Klassenregel für den 38. Louis Vuitton America's Cup sind umfangreich. Zu den auffälligsten Neuerungen zählt die neue Crew-Zusammensetzung mit fünf Personen, die Einführung von mindestens einer Seglerin und einem Gastsegler an Bord.
Beobachter rechnen mit Blick auf die Deckaufbauten mit unterschiedlichsten Interpretationen. Ausgemustert wurden die Radfahrer, deren Kraft künftig durch adaptive Smart-Batterien ersetzt wird. Die Batterien sollen künftig die Leistung der im 37. America’s Cup noch aktiven Radfahrer nachahmen. Damit sind die Segelteams gefordert, ihre Crew-Konstellationen neu zu überdenken und auszurichten.
Viel Zeit bis zu den ersten Vorregatten auf den kleineren Foilern der Einheitsklasse AC40, deren Daten und Austragungsorte allerdings noch offen sind, bleibt den Teams nicht mehr. Bis zu drei Vorregatten werden schon in diesem Jahr ausgetragen, die letzte dann auf AC75ern im Cup-Jahr. Es wird in den kommenden Wochen mit der Bekanntgabe gerechnet.
Gemeldet werden kann neben dem Kernteam für den America’s Cup von jedem Team auch eine zweite AC40 mit Mitgliedern aus den Jugend- und Frauen-Teams. Das bietet nicht nur dem Nachwuchs hochkarätige Regattachancen, sondern bringt auch den Vorregatten selbst zusätzliche Würze: Was, wenn die Jugend und die Frauen das Establishment gar überflügeln? Von dieser Initiative erhoffen sich die America’s-Cup-Antreiber auch eine neu heranwachsende Foiling-Generation für die älteste und immer noch bekannteste Regatta des Segelsports.