America's CupPolitische Gründe?

Carsten Kemmling

 · 08.09.2003

America's Cup Revier: Warum Valencia noch im Rennen ist und Palma draußen

Die Nachricht vom Freitag kam für viele überraschend. Das America's Cup Management ließ verlauten, dass die fünf Bewerber, die gerne den Cup 2007 ausrichten möchten, um einen auf vier reduziert werden.

Ausgerechnet Palma de Mallorca muss die Segel streichen. Dabei war die Balearen Metropole neben Lissabon als vermeintlicher Favorit gehandelt worden.

Über die Gründe ist wenig bekannt. Marcus Hutchinson vom AC Management weist darauf hin, dass es seinem Team wichtig war, für die Endphase der Entscheidung nur eine Stadt pro Land im Topf zu haben: Lissabon für Portugal, Marseille für Frankreich, Neapel für Italien und eben jetzt Valencia für Spanien. Palma hat also im direkten Wettbewerb gegen Valencia verloren.

Laut Hutchinson ist die Enge in Palma ein Problem und die thermische Seebrise sei in Valencia deutlich konstanter, stärker und verlässlicher. Tatsächlich dürften aber politische Gründe eine große Rolle gespielt haben.

Ein Mallorquinischer Charterbasis-Betreiber legt die Situation im Internet Newsletter Scuttlebutt Europe wie folgt dar: "Wir sind sehr überrascht über diese Entscheidung. Valencia hat aber wohl mehr Geld in Aussicht gestellt, als Palma. Es geht schließlich um Politik. Die Levante-Region an der Ostküste von Spanien wird von der Regierungspartei PP regiert. Mallorca dagegen ist politisch eher instabil. Die Sozialisten werden auf den Balearen immer stärker.
Das ist natürlich nicht im Sinne der Regierungspartei. Die möchte Investitionen vorweisen im Einflussbereich ihrer Partei. Die Bucht von Palma ist meiner Ansicht nach deutlich besser für den America's Cup Business, aber jetzt muss ich als Spanier wohl Valencia die Daumen drücken."

Charly Linnemann, Charterunternehmer in Palma, bestätigt die Aussagen des Spaniers hinsichtlich der Finanzen. Hinter den Kulissen werde darüber gesprochen, dass Palma 60 Millionen Euro investieren will, Valencia dagegen 100 Millionen. Ein anderer, scheinbar nebensächlicher Nachteil, sei die geringe Aufnahmekapazität der internationalen Schule in Palma. Die Kinder der America's Cup Teams, müssen untergebracht werden.

In Valencia sei dagegen alles viel weitläufiger. Die Bucht ist wesentlich größer als die von Plama und erlaube mehreren Teams ungestörte Trainingseinheiten. Bei dem vorgesehenen Areal handele es sich um ein Industriegelände, in dem zur Zeit sehr viel in die Verschönerung investiert werde. Ein neuer America's Cup Hafen passe da gut ins Konzept.

Nach der Entscheidung gegen Palma halten jetzt viele Insider Valencia für den neuen Favoriten. Die endgültige Entscheidung erwartet AC Management Sprecher Hutchinson Mitte bis Ende November. Das Ergebnis werde bei einer großen Feier in Genf verkündet.

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