America’s CupNeuseelands „Taihoro“ fliegt wieder!

Lars Bolle

 · 13.03.2026

"Taihoro" ist wieder auf den Foils.
Foto: emiratesteamnz
​510 Tage nach dem Triumph von Barcelona ist es so weit: Der America’s Cup-Sieger Emirates Team New Zealand ist zurück auf dem Wasser. Mit der „Taihoro“ läutet der Defender eine neue Ära des Segelns ein und setzt damit ein Zeichen, das die Konkurrenz unter Druck setzt. Was hinter dem ersten Flug der modifizierten High-Tech-Yacht steckt.

Erster Flug auf heimischen Gewässern

Bei nordöstlichen Winden zwischen 12 und 16 Knoten hob sich die „Taihoro“ bereits am ersten Tag erfolgreich auf ihre Foils. Skipper Nathan Outteridge zeigte sich hochzufrieden: „Es braucht eine ganze Armee, um einen AC75 wieder aufs Wasser zu bringen. Dass wir am ersten Tag direkt das volle Testprogramm durchlaufen konnten, ist ein Zeugnis für die harte Arbeit des gesamten Teams. Das Boot fühlt sich großartig an.“

Mit Jo Aleh befand sich erstmals eine Frau in der aktiven Crew eines AC75. In der Position des 5. Seglers sammelte sie erste Eindrücke von der „rohen Kraft und Geschwindigkeit“ des Boliden.

Evolution statt Revolution: Strategie hinter der Rückkehr

Die aktuelle „Taihoro“ kein kompletter Neubau, sondern eine aufwendig modifizierte Version der erfolgreichen Plattform des letzten Cups. Dies ist eine direkte Folge des neuen Regelwerks, das darauf abzielt, Kosten zu senken und die Entwicklung stärker in den Bereich der Details zu verlagern.

Wesentliche Neuerungen der „Taihoro“ umfassen:

  • System-Integration: Vollständiger Refit der internen Kontrollsysteme gemäß der aktualisierten AC75-Class-Rule.
  • Ende der „Cyclors“: Die markanten Radfahrer, die früher den hydraulischen Druck erzeugten, wurden durch ein standardisiertes Batteriesystem ersetzt. Dies verändert die Aufgabenverteilung an Bord grundlegend.
  • Aerodynamik & Cockpit: Das Layout wurde angepasst, um die Effizienz zu steigern und die Zusammenarbeit der nun fünfköpfigen Kerncrew zu optimieren.

Der Faktor Zeit: Warum jeder Tag zählt

Der eigentlich für den Wochenanfang geplante erste Testtag fiel zu viel Wind zum Opfer. Da die Anzahl der Segeltage bis Januar 2027 streng auf 45 limitiert ist, wiegt jeder Tag schwer. Ein technischer Defekt durch zu riskante Tests bei Starkwind könnte wertvolle Entwicklungszeit kosten.

„Wir befinden uns in einem gnadenlosen Optimierungswettlauf“, so das Team. Die Daten des ersten Tages fließen nun direkt zurück in die Design- und Simulationsschleifen. Ziel ist es, den Vorsprung gegenüber der Konkurrenz zu verteidigen, während die „Taihoro“ durch verbesserte Foils und Segel trotz des Gewichts der neuen Batteriesysteme ihre Rekordgeschwindigkeiten halten oder sogar übertreffen soll.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

Meistgelesen in der Rubrik Regatta