America's CupNeuer Cup, neues Spiel

Lars Bolle

 · 04.07.2007

Das Protokoll für den 33. America's Cup wurde veröffentlicht – es enthält Überraschungen und sorgt für Verwirrung

Die Spekulationen treiben Blüten. Neue Boote, neuer Modus, mehr Crewmitglieder – vielleicht auch ein neuer Austragungsort und der nächste Cup schon in zwei Jahren. Sicher jedoch ist gar nichts. Das Protokoll hält sich in fast allen Punkten vage, legt kaum etwas wirklich fest.

Das Protokoll für den jeweiligen Cup nichts weiter als eine Absichtserklärung zwischen dem Verteidiger, wieder Alinghi, und dem ersten Herausforderer, für die 33. Herausforderung ist dies der spanische Yachtclub Nautico Espanol de Vela, wieder um den Cup segeln zu wollen. Es legt zudem grob die Rahmenbedingungen der Verteidigung/Herausforderung fest.

Wann und wo der nächste Cup ausgetragen wird, soll bis zum 31. Dezember bekannt gegeben werden. Es kann aber auch früher bekannt gegeben werden, dass der Termin später bekannt gegeben wird, vorausgesetzt, dass der 33. Cup nicht vor 2009 und nicht nach 2011 stattfindet und die Ausscheidung der Herausforderer nicht früher als 16 Monate vom Bekanntgabedatum an beginnt.

An dieser kruden Formulierung ist schön deutlich zu sehen, dass sich die Parteien im Protokoll vor allem für jegliche Eventualitäten absichern. Das America's Cup Management (ACM), die Organisationsfirma des Cups, ist offenbar noch nicht mit Valencia einig, wahrscheinlich geht es ums Geld, offiziell sei man wegen einer geplanten Erweiterung des Containerhafens, der direkt neben dem Cup-Hafen liegt, noch in Verhandlungen. Es gebe auch weitere Bewerberstädte, hieß es.

Auf einer Pressekonferenz zu der Protokollveröffentlichung wurde gesagt, dass angestrebt werde, den Cup schon in zwei Jahren wieder auszutragen, die Vorregatten oder Qualifikationsregatten (dazu unten mehr) noch mit den bisherigen Booten der Version 5 zu segeln und die Ausscheidungen der Herausforderer und das Cup-Match auf neuen Booten. Das Cup-Match soll wieder nach dem Modus gesegelt werden: Wer zuerst fünf Mal gewinnt, hat die Kanne.

Ein neuer Bootstyp wurde schon im Vorfeld am heftig diskutiert und von eigentlich allen Beteiligten gefordert. Auch Vertreter des ACM sowie von Alinghi bestätigten, dass er auch gewollt wird. "Alle haben es gefordert, wir haben es jetzt gemacht", sagte Alinghi-Skipper Brad Butterworth.

Dass der neue Bootstyp kommt und wesentlich schneller und spektakulärer sein wird, ist jedoch nicht sicher, jedenfalls hat sich niemand dazu verpflichtet. Der entsprechende Passus im Protokoll ist im Konjunktiv gehalten, wie fast das gesamte Protokoll. Es wird zwar festgelegt, dass das ACM die bisherige Konstruktionsregel überarbeiten und die neue Version bis zum 31. Dezember 2007, spätestens aber 18 Monate vor der ersten Regatta mit den nach dieser Regel gebauten Booten, vorstellen soll. Diese neue Regel soll Yachten hervorbringen, die maximal (wohlgemerkt maximal, kürzer können sie auch sein) 90 Fuß über alles messen und einen Tiefgang zwischen 4,1 und 6,5 Metern haben. In diese Vorgabe fallen aber auch die jetzigen Yachten der Version 5, die neue Regel könnte also auch nur eine Überarbeitung der Regel 5 werden. Zumal schon die Boote nach Version 4 in der Länger über alles mit fast 27 Metern dicht an die 90 Fuß heranragten. Die aktuellen Yachten sind nur etwas kürzer, da auf lange Überhänge zugunsten von mehr Volumen verzichtet wurde.

Alinghi-Konstrukteur Rolf Vrolijk, der im Auftrag des ACM mit der Überarbeitung der Regel beauftragt ist, bestätigt gegenüber YACHT online: "Das ist eine Kann-Regelung, nirgends steht, dass es so kommt."

Auch die Begrenzung auf 6,5 Meter Tiefgang, verbunden mit der Möglichkeit eines Liftkiels zur Verringerung auf bis zu 4,1 Meter zum Ein- und Auskranen, sei nur aufgenommen worden, um einem alten Passus in der Stiftungsurkunde zu entsprechen, der den Tiefgang bei 6,5 Metern begrenzt. Welchen Maximaltiefgang die neue Regel vorsehen wird, sei noch nicht sicher. Die Begrenzung des Minimum-Tiefgangs auf 4,1 Meter lässt jedoch auch wieder die Möglichkeit einer Beibehaltung des Version 5 Boote zu, denn deren Maximaltiefgang beträgt genau 4,1 Meter.

Rolf Vrolijk dazu: "Wir wollten uns schon vor zwei Jahren mit allen Herausforderern zusammensetzen und die Eckdaten einer neuen Klasse erarbeiten. Da war aber keine Zusammenarbeit möglich und das Projekt wurde wieder auf Eis gelegt. Da der Verteidiger die Bedingungen der Verteidigung bestimmen kann, haben wir jetzt einfach bestimmt, dass es eine neue Regel geben wird."

Das Argument, dass der Zeitraum von zwei Jahren bis zum nächsten Cup zu knapp sei, um einen völlig neuen Bootstyp einzuführen, dies vor allem für neue oder schlechter finanzierte Teams, lässt Vrolijk nicht gelten: "Wenn wir es jetzt nicht machen und der 34. Cup auch wieder zwei Jahre nach dem 33. Stattfindet, stehen wir in zwei Jahren vor demselben Problem wie heute. Irgendwann müssen wir es machen."

Auch eine, in einigen Berichten von der Bootsgröße abgeleitete Erhöhung der Anzahl der Crewmitglieder sei zwar möglich, ebenso aber eine Verringerung. Das wird über das Crew-Gewichtslimit der neuen Regel festgelegt, auch dieses Limit stehe aber noch nicht fest. Größere Boote bedeuten nicht automatisch eine größere Crew - wenn es denn größere Boote werden.

So ist das Protokoll auch in diesem Punkt nichts weiter als eine Verpflichtung, die Raum nach allen Seiten lässt, auch den Raum, alles beim Alten zu lassen. Alle anderen Äußerungen sind mehr oder weniger wahrscheinliche Absichtserklärungen. Erkennbar ist der Wille, eine neue, schnellere, spektakulärere Klasse einzuführen. Da jedoch die Rahmenbedingungen des nächsten Cups, der Termin, Austragungsort, die Anzahl der Teams und die Möglichkeiten der Herausforderer noch nicht klar sind, hält man sich alle Türen offen. Es könnte ja schlicht sein, dass man sich mit Valencia zu spät oder gar nicht einigt, der neue Gastgeber eine schnelle Wiederauflage möchte und die Zeit dann nicht mehr reicht, um eine komplett neue Klasse einzuführen. Dann könnte auf Version 5 zurückgegriffen und diese in version 6 umbenannt werden, vielleicht mit kleineren Änderungen.

Eine echte Neuerung ist die Möglichkeit, die Zahl der Teilnehmer an der Ausscheidung der Herausforderer zu begrenzen. Das Protokoll sieht die Möglichkeit vor, in Qualifikationsregatten die Teilnehmer an dieser Runde zu selektieren.

Dieser Passus ist offenbar aufgenommen worden für den Fall, dass mehr als 20 Teams melden und der Cup wieder in Valencia stattfindet. Dann böte der America's-Cup-Hafen nicht genug Platz. Er kann aber auch so interpretiert werden, dass die bisherigen Vorregatten, Acts genannt, insofern aufgewertet werden sollen, dass sie eine echte Vorselektion und damit vor-entscheidend für das Weiterkommen sind. Sie wären also kein Schaulaufen in verschiedenen Arenen, sondern echte, harte Wettkämpfe.

Bezüglich der Anzahl der neu zu bauenden Boote pro Team wurde festgelegt, dass keine Yacht mehr nach Version 5 gebaut werden darf, die in den Qualifikationsregatten eingesetzt wird. Bereits gebaute Yachten dürfen nur bis zu 50 Prozent der Original Rumpfoberfläche verändert werden. Für neue Teams bedeutet das, dass sie nur auf bestehendes Material anderer Teams zurückgreifen können. Wenn diese jedoch nichts verkaufen, sieht es schlecht aus. Auch dieser Passus ist jedoch mit den Worten "soll enthalten" eingeleitet. Wie hart hier das englische "shall" zu interpretieren ist, bleibt abzuwarten. Ein Ausschluss oder eine Verringerung der Chancen neuer Teams über diese Regel kann ja nicht gewollt sein.

Insofern war es ein schlauer Schachzug des deutschen Teams, noch schnell eine Version 5 Yacht aufzulegen, die GER 101, und diese für den 32. Cup zu melden. Dieser, bisher nur aus einer Lage Carbonfaser bestehende Rumpf gilt als alte Yacht, ist quasi aber eine neue.

Wieder einmal hat sich gezeigt, dass der Cup auch ein Spiel der großen Winkelzüge ist. Das Protokoll für die kommende Auflage, das gerade jungen Teams, die jetzt durchstarten wollten, mehr Sicherheit bieten sollte, schafft vor allem eines: Unsicherheit.

Aber war das nicht schon immer so und der große Vorteil des Verteidigers?

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