America's CupMehr Fragen als Antworten

Lars Bolle

 · 31.03.2007

America's Cup: Mehr Fragen als AntwortenFoto: YACHT/N. Krauss

Enthüllung der America’s-Cup-Boote am 1. April: Scherze und ernste Angelegenheiten

Seit dem 1. April ist die Verhüllung der Rümpfe und Anhänge wie Kiel und Ruder beim AC in Valencia verboten. Die Hüllen fielen am Morgen, große Überraschungen blieben aus, Innovationen offenbarten sich im Detail – und vieles bleibt weiterhin geheim.

Seit dem 1. April ist die Verhüllung der Rümpfe und Anhänge wie Kiel und Ruder beim AC in Valencia verboten. Die Hüllen fielen am Morgen, große Überraschungen blieben aus, Innovationen offenbarten sich im Detail — und vieles blieb weiterhin geheim.

So früh wie noch nie und erstmals alle Teams betreffend mussten die Hüllen fallen — mit Ausnahme des Teams Germany, denn das hatte nie verhüllt. 19 Boote wurden den Blicken der konkurrierenden Designer und der Öffentlichkeit preisgegeben. Doch wer große Innovationen erwartet hatte, sah sich getäuscht: Keine Tandem-Kiele, keine Carnard-Ruder oder gar, wie beim 2000er Schweizer Team BeHappy, zwei drehbare Kiele. Alle Teams präsentierten dieselbe Konfiguration unter Wasser, einen Kiel mit Bombe und Trimmklappe an der Hinterkante sowie ein Ruder.

Dennoch waren die Unterschiede innerhalb dieser Konfiguration groß. Lange, schlanke Bomben wechselten sich mit kurzen, kompakten ab, gerade die finanziell gut gestellten Teams zeigt alle jeweils eine der Varianten. Doch auch innerhalb dieser beiden Hauptgruppen gab es Differenzen. Manche Bomben waren an der Unterseite fast eckig, andere dagegen insgesamt eher rund. Manche Finnen eher breit, manche schmal, generell geht der Trend offenbar zu großen Trimmklappen.

Aus den gezeigten Konfigurationen und Formen aber Rückschlüsse auf die Geschwindigkeit der Boote oder besondere Renneigenschaften zu schließen, ist kaum möglich.

Denn das, was enthüllt wurde, ist gerade bei den starken Teams mit großer Wahrscheinlichkeit nicht der letzte Stand der Entwicklungen. Zwar muss mit den gezeigten Anhängen der Act 13 am Dienstag bestritten werden, für die Top-Teams geht es dabei aber um so gut wie nichts. Ob sie nun einen Bonuspunkt mehr oder weniger mit in die Round Robins ab 16. April nehmen dürfte sich auf das Endklassement kaum auswirken.

Dafür dürfen vor jeder Runde die Anhänge ausgewechselt werden, es ist also nur logisch, dass man Verteidiger Alinghi noch nicht allzu viel zeigen wollte. Und auch Alinghi selbst hielt sich bedeckt. Designer Rolf Vrolijk bestätigte gegenüber YACHT online, dass die gezeigten Anhänge nicht der letzte Stand der Entwicklung sind.

Laut Alingi-Sportdirektor Jochen Schümann schaffen es die großen Teams sogar, einen Kiel innerhalb einer Nacht zu wechseln. So soll Team New Zealand noch kurz vor der Enthüllung die Kiele der Yachten von der im Training genutzten Top-Konfiguration zu einer für die Enthüllung und den Act 13 bestimmten Semi-Konfiguration umgebaut haben.

Da stellt sich die Frage, was das Theater eigentlich soll. Ein reiner Mediengag? Mitnichten. Ein ganz profaner Grund ist, dass ab jetzt die Landcrews der Teams wesentlich weniger Arbeit haben, denn das Ver- und Enthüllen der Yachten bei jedem Ein- und Auskranen kostete Zeit und Kraft. Was auch der Grund war, weshalb man sich dies beim deutschen Team ersparte.

Außerdem dürfen die Yachten ab jetzt nicht mehr verhüllt werden, jede Neuerung an einem Boot wird sofort für alle offenbar. Womit auch die Arbeit der Designer schwieriger wird. „Wir müssen ab jetzt jedes Team jeden Tag ganz genau beobachten“, so Rolf Vrolijk.

Die frühe Enthüllung ist damit aber auch ein klarer Vorteil für den Verteidiger Alinghi. Denn mit Fortschreiten der Ausscheidungen werden es sich die Teams nicht mehr leisten können, vorteilhafte Entwicklungen zurück zu halten. Diese werden dann auch für Alinghi offenbar. Der Verteidiger hat so die Möglichkeit zu reagieren, denn er unterliegt bis zum AC-Finale nicht dem Wettkampfdruck. Allzu hoch ist dieser Vorteil aber auch nicht zu bewerten, denn Alinghi kann andersherum auch nichts im Training testen, ohne dass die Konkurrenz es sieht.

Nicht zuletzt war die Enthüllung aber eine wertvolle Standortbestimmung für die Designer. Denn außer den Anhängen wurden ja auch die Rümpfe erstmals gezeigt, und diese sind wesentlich schwieriger zu ändern, so dass bei ihnen davon auszugehen ist, dass sie zumindest die Designphilosophie jedes Teams repräsentieren.

Generell war zu erkennen, dass versucht wird, viel Volumen im vorderen Bereich des Rumpfes zu platzieren, dass die meisten Rümpfe weit nach vorn ausladen, relativ flache Unterwasserschiffe und lange Überhänge achtern haben. Dies alles soll zu langen effektiven Wasserlinien führen und damit einer höheren Rumpfgeschwindigkeit. Erstaunlich dabei war jedoch, wie unterschiedlich die Rümpfe aussehen. Schließlich sind es Boote der fünften Generation, genau 100 wurden bisher gebaut und man sollte meinen, sie seien so weit ausgereizt, dass kaum noch Unterschiede möglich sind.

„Wir dachten, alle Boote würden gleich aussehen“, so Rolf Vrolijk, „und waren überrascht, so viele verschiedene Konfigurationen vorzufinden.“ Die Hauptunterschiede reichen vom schon bekannten Knickbug bis zu optisch gefälligeren, strakenden und sogar negativen Bugsektionen und U-förmigen bis nahezu eckigen Hauptspanten und Achterschiffen. Aus diesen Gestaltungen jedoch Rückschlüsse auf die Eigenschaften der Boote zu ziehen, ist wiederum kaum möglich. Alle Designer waren sich einig, dass die Yachten trotz ihrer Unterschiedlichkeit relativ eng beieinander liegen werden und dass das Gesamtpaket aus Anhängen, Rumpf, Rigg, Segeln und der Crew für den Erfolg ausschlaggebend sei. Die wichtigsten Fortschritte dieses Cups würden mit weit ausgestellten Großsegelköpfen und fast eckig überrundeten Genua-Achterlieks erzielt, nicht aber im Rumpfbereich.

Dass die Einschätzung des relativ ähnlichen Rumpfpotenzials auch für das deutsche Team zutrifft, bleibt zu hoffen. Das Rumpfdesign ist etwa in der Mitte der Spreizung der gezeigten Boote anzusiedeln, auch die Bombe ist weder besonders lang, noch besonders kompakt. Von der Rumpfoptik her ist die „Germany I“ als Allrounder einzustufen. „Ich bin mir sicher es ist ein Boot, das mitsegeln kann“, sagte der für die Entwicklung mitverantwortliche Technik-Vorstand Eberhard Magg. Der Act 13 ab Dienstag, ausgetragen im Fleetrace, wird darüber sicherere Rückschlüsse zulassen.

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