America's Cup

America's Cup: Kommentar: GermanyOne oder GermanyNone?

Christoph Schumann

 · 10.03.2005

America's Cup: Kommentar: GermanyOne oder GermanyNone?Foto: J. Kopp

YACHT -Redakteur Christoph Schumann über den jüngsten Versuch, einen America's-Cupper unter deutscher Flagge an den Start zu bringen

Es klingt wie ein Witz, aber nach den Vorstellungen der beiden Macher ist es ernst gemeint.Die Eckernförder Firma The Friendship Racing Division von Segler Alexander Bruhn und der zweifache Weltmeister im Tornado, Roland Gäbler, wollen eine rein deutsche Kampagne starten.

Gescheitert sind schon viele, geschafft hat es - noch - keiner. Deshalb sind Zweifel angebracht an den jüngsten Plänen für eine deutsche Herausforderung. Ernste Zweifel.

Nach dem Scheitern von Daimler-Benz mit der Kampagne AeroSail, dem erfolglosen Bemühen von Mike Illbruck und dem Dahindümpeln der nicht mehr ganz frischen Versuche des aktuellen deutschen Syndikats Fresh Seventeen will es jetzt eine Eckernförder Servicefirma in Sachen Segelsport allein wissen.

Die ist schon mal mit großen Ankündigungen aufgefallen. Vor einem Jahr wollte "The Friendship", hinter der sich nicht mehr verbirgt als ein kleiner Dienstleister, ein Grade-1-Matchrace im Rahmen der Swedish-Match-Tour an der Ostsee auflegen. Daraus wurde nichts. Schon nach wenigen Wochen brach das Projekt lautlos in sich zusammen.

Über die noch viel hochfliegenderen Pläne einer AC-Kampagne meinte Initiator Alexander Bruhn jetzt selbstbewusst zur YACHT: "Wir sagen nicht, wie viel Geld wir brauchen, aber jeder weiß, dass es zwischen 25 und 100 Millionen Euro sind."

Angeblich soll die Finanzierung schon zu weiten Teilen stehen. "Wir wollen uns am unteren Ende positionieren, und es stimmt, dass uns nur noch ein einstelliger Millionenbetrag fehlt." Sagt Bruhn. Wer die Geldgeber sein sollen, warum nun angeblich 20 Millionen bereits gesichert sind, während Fresh Seventeen monatelang keine nennenswerten Fortschritte erzielt hat, all das bleibt offen und unbeantwortet.

Und dort, wo Aussagen im Raum stehen, entstehen nur neue Fragen.
Skipper soll nach Vorstellungen Bruhns "der beste Deutsche" werden. Als Club darf sich der größte Sponsor einen aussuchen. Es ist ein bisschen wie bei "Wünsch-Dir-was".

Zwei ältere America's-Cupper sollen gekauft werden, die zunächst in Kiel zum Training zur Verfügung stehen. Bruhn: "Wir sagen aber nicht welche, damit wir nicht den Preis hochtreiben". Vermutlich handelt es sich um Schiffe der englischen Sunsail-Gruppe, die aus einer französischen Kampagne Mitte der 90er stammen und in England für Firmen-Events eingesetzt wurden. Chancen vor Valencia: Nullkommanull. Die Cupper wären nicht einmal einsetzbar, weil sie nicht regelkonform gebaut sind.

Sportlicher Leiter des Projekts soll Roland Gäbler werden, der sich in der Vergangenheit freilich noch nicht als Match-Race-Talent erwiesen und noch nie engen Kontakt zur America's Cup Szene gehabt hat.

Das Erstaunlichste aber: Gäbler wird gesponsert für eine Olympia-Kampagne von T-systems, die wiederum mit dem südafrikanischen Team Shosholoza im Cup engagiert sind. So organisiert das Tornado-Talent Gäbler seinem wohl wichtigsten Geldgeber einen neuen Wettbewerber - wenn denn was daraus werden sollte.

Man kann nicht nur, man muss Bedenken haben angesichts dieser Entwicklung.

Gold-Segler und America's-Cup-Sieger Jochen Schümann ("Alinghi") und andere namhafte Segler sehen das als eine Zersplitterung der Kräfte an, die Deutschland als Teilnehmer am America's Cup nur schaden können. Auch Roland Gäblers Club, der renommierte Norddeutsche Regatta Verein, bei ähnlichen Projekten immer in vorderster Reihe dabei, distanziert sich von GermanyOne.

Die Fakten auf einen Blick:

Es gibt einen blauäugigen Macher, einen schwärmerischen Ex-Weltmeister, aber kein Schiff, keine Segler und keine Infrastruktur. Es gibt viele Fragezeichen, und keinerlei Gewissheit. Es gibt wohlgemeinte Ideen, idealistische Vorstellungen, aber weit und breit neimanden, der auch nur ansatzweise bewiesen hätte, dass er daraus ein großes Ganzes formen kann. So geht America´s Cup leider nicht.

Mast- und Schotbruch, GermanyOne!

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