America's CupJablonski verhandelt mit Italienern

Carsten Kemmling

 · 23.02.2005

Der Deutsch-Pole Karol Jablonski will zum italienischen America's-Cup-Team +39 wechseln. Interview mit YACHT online

Karol Jablonski ist vorsichtig geworden. Zu oft sah es so aus, als könne er es endlich auf den Segel-Olymp des America's Cup schaffen. Erst gab es vielversprechende Zeichen, dass er in Polen Geldgeber für einen Start 2007 finden könnte. Ein alter Cupper wurde verkauft und ein Trainingscamp in Danzig gegründet. Aber die Verhandlungen mit möglichen großen Sponsoren scheiterten.

Dann kam die Traum-Offerte des italienischen Unternehmers Gualtiero Pantani, der für den Yacht Club Livorno antreten wollte. Das Budget von 90 Millionen Euro war schon so gut wie sicher. Jablonski war Match-Race-Weltmeister geworden und stand an Position 1 der Weltrangliste. 40 Leute sollten bereits auf der Gehaltsliste stehen. "Die Idee ist, ein Team ohne die ganz großen Namen aufzubauen", sagte der sechsmalige Sieger bei der Meisterschaft der Meister damals gegenüber YACHT online. "Pantani will Leute, die noch hungrig sind. Die sind günstiger und haben mehr Potenzial. Für mich und meine vier Männer aus dem Match-Race-Team, die auch verpflichtet werden, ist das eine große Chance. Aber wir müssen hart arbeiten, um uns durchzusetzen."

Danach holte Jablonski sogar Markus Wieser mit ins Boot, der für ihn die Taktik machen sollte. Das erste gemeinsame Grade-1-Match-Race in Marseille gewann das neue Team überlegen. Es hieß, Pantani solle die beiden Cupper von Dennis Conners Stars&Stripes-Syndikat schon gekauft haben und sei mit den Conner-Designern Reichel/Pugh im Gespräch.

Aber dann erschütterte ein großer Banken-Crash Italien, und die Hauptsponsoren von Toscana Challenge, so der Name des Teams, wurden in Mitleidenschaft gezogen. Weitere Versuche, potente Geldgeber zu finden, scheiterten.

Aber nun könnte die Pechsträhne für Jablonski ein Ende haben. Seit Januar trainiert er mit dem italienischen America's-Cup-Herausforderer +39, das 2007 für den Yachtclub Gargnano an den Start geht. Und auf der Website des Teams wird er schon offiziell als Steuermann geführt.

Doch davon will Jablonski noch nichts wissen. "Mein Vertrag ist noch nicht unterschrieben. Und bis dahin ist noch nichts offiziell." Er hält sich auch bedeckt wegen der so genannten 180-Tage-Regel, gegen die Russell Coutts zurzeit klagt. Demnach darf ein Segelprofi, der mehr als 180 Tage für ein Team arbeitet, nicht mehr von einem anderen Syndikat beschäftigt werden.

"Wir arbeiten gerade an den Details des Vertrags. Es sieht ganz gut aus, aber der Vertrag soll schließlich drei Jahre halten. Da muss man vieles bedenken", sagt Jablonski. Unter anderem sähe er es gern, wenn drei Mitglieder seiner polnischen Match-Race-Crew ebenfalls verpflichtet würden. "Das ist keine Bedingung, aber es würde dem ganzen Cup-Team helfen." Die Trainings im +39-Camp von Sizilien seien sehr positiv verlaufen. Er hofft bis Anfang April auf eine Einigung.

+39 ist von dem Finn-Dinghy-Silbermedaillengewinner in Sydney Luca Devoti zusammengestellt worden. Und es hat den Anschein, dass er die gesamte internationale Finn-Spitze engagiert hat. Sechs aktuelle Einhand-Spitzenleute stehen im Segelteam: Der Zweite, Vierte und Sechste aus Athen — Rafael Trujillo (ESP), Karlo Kuret (CRO) und Anthony Nossiter (AUS) —, außerdem die beiden Briten Simpson und Brittle, jeweils einmal WM-Dritte, sowie der Vize-Europameister und dreifacher Olympiateilnehmer Michael Maier (CZE). Aushängeschild ist der Finn-Goldmedaillengewinner Ian Percy (GBR) als Steuermann, der inzwischen erfolgreich den Umstieg ins Starboot vollzogen hat.

"Aber es gibt nicht nur Finnsegler", sagt Jablonski. Im Team stehen auch einige Cup-erfahrene Segler, zum Beispiel von Prada. Das Design-Team leitet Giovanni Ceccarelli, und als Coach firmiert der bekannte italienische Segler Roberto Ferrarese.

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