America’s CupIn der Höhle der Löwen – Cup-Auftakt in Cagliari

Tatjana Pokorny

 · 09.02.2026

Das italienische Team Luna Rossa hat seinen Hauptsitz in Cagliari
Foto: Carlo Borlenghi/Team Luna Rossa
Rund 150.000 Einwohner hat die Hauptstadt der italienischen Insel Sardinien. In diesem Jahr könnte sie schon im Mai und nicht nicht erst im Hochsommer aus allen Nähten platzen. Die erste Vorregatta zum 38. America’s Cup findet vor der sardischen Küste statt.

Der Auftakt zum 38. America’s Cup steigt bereits in gut drei Monaten von 21. bis zum 24 Mai in Cagliari. Mit der Revierwahl kreuzen die Cup-Teams gleich mit der ersten Vorregatta in der Höhle der italienischen Löwen auf: In Cagliari ist Patrizio Bertellis Team Luna Rossa am Ichnusa Dock zuhause. Ihre sagenhafte siebte Herausforderung bestreiten Bertelli und die Azzurri unter der Flagge des 1889 gegründeten neapolitanischen Vereins Circolo del Remo e della Vela Italia. Doch ihr Hauptquartier ist in Cagliari beheimatet.

38. America’s Cup: der erste Test

Erstmals seit dem letzten Cup-Finale im Herbst 2024 in Barcelona werden die aktuellen Cup-Teams wieder zu einer Regatta antreten. Dabei wird vor allem das Segelleistungsvermögen der Aktiven geprüft, denn es geht auf den kleinen AC40-One-Designs der Rennställe zur Sache. Nach der Eröffnungsfeier am 21. Mai sind am 22. und 23. Mai jeweils vier Fleetraces angesetzt. Am Finaltag (24. Mai) folgen noch drei weitere Fleetraces, bevor die beiden besten Teams in einem K.o.-Duell um den Event-Sieg kämpfen.

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Die Besonderheit: Jedes der Teams, das am 38. Louis Vuitton America's Cup teilnimmt, darf zwei AC40er ins Rennen schicken. Eines der Boote ist mit dem Kern des Cup-Kaders besetzt, das zweite mit einem Mix aus Jugendseglern und Frauen aus ihren Mannschaften. Spannend wird zu beobachten sein, wie gut sich der Nachwuchs im Vergleich zur Elite schlägt und ob der Foiling-Nachwuchs dem Establishment auf den Bugspitzen herumtanzen kann.

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Zum erwarteten dynamischen Sporteinstieg in den neuen Cup-Zyklus passt das quirlige Cagliari mit viel Lebensfreude und prächtiger Kulisse. Zuletzt haben dort die olympischen Skiff- und Nacra-17-Segler im Herbst 2025 vor Cagliaris fast karibisch anmutendem Hauptstrand Poetto Beach ihre Weltmeister ermittelt. Nicht nur die Olympioniken haben das Revier als bildschön, aber auch wechselhaft und fordernd erlebt.

Alte Cup-Rivalitäten neu belebt

​Die Rennen der ersten Vorregatta zum 38. America’s Cup finden in zwei alternativen Kursbereichen mit einem Radius von etwa zwei Kilometern in Ufernähe statt. So sollen die Zuschauer entlang der Küste und bis zu den Landzungen beste Aussichten haben. An Land wird es ein Race Village mit einer Hauptbühne, großen Jumbotron-Bildschirmen, Ausstellungen, einem offiziellen Merchandising-Shop und einer Reihe von Gastronomieangeboten geben.

Von der Stadt und entlang der gesamten Uferpromenade bis zum Lazaretto di Cagliari wird sich die “AC Viewing Promenade” mit Blick auf das Regattarevier und einer Großbildleinwand erstrecken. Dazu sind Segeleinsteiger-Aktivitäten und Aktionen der Teams und ihrer Partner geplant. Erwartet werden die Cup-Teams auf Sardinien bereits ab 5. Mai. Ihre “Boxengasse” wird im Militärhafen von Cagliari mit temporären Teamcamps aufgebaut.

Die inoffizielle Trainingsphase läuft vom 16. bis zum 20. Mai. Für den Tag der Eröffnungsfeier am 21. Mai ist zunächst eine Pressekonferenz geplant, bevor der offizielle Trainingstag stattfindet. Am Abend stellen sich alle Teams auf der Hauptbühne im Race Village vor. Dann werden von Freitag bis Sonntag vor Cagliari alte America’s-Cup-Rivalitäten auf dem Wasser neu belebt. Hier ein Überblick über den weiteren Event-Weg nach Neapel, wo der die Herausfordererrunde und das 38. Duell um den America’s (ab 10. Juli 2027) stattfinden.

Welche Nachwuchssterne werden aufgehen?

Wenn am 10. Juli 2027 das 38. Duell um den America’s Cup vor Neapel steigt, wird die Premiere der bekanntesten Regatta der Segelwelt 175 Jahre, 10 Monate und 19 Tage zurückliegen. Kein internationales und bis heute regelmäßig ausgetragenes Sportereignis kann auf eine so lange Historie zurückblicken. Wer es diesmal ins Finale schafft? Die Kandidaten dafür fangen im Mai in Cagliari damit an, sich in Position zu bringen.

Die Ergebnisse der Vorregatten fließen nicht in die Wertung der Herausfordererrunde zum 38. America’s Cup ein. Und doch werden sie zeigen, auf welche Akteure die Teams zu diesem frühen Zeitpunkt setzen, welche Segler gut drauf sind, wer seine sportlichen Hausaufgaben am besten macht und wo vielleicht der eine oder andere Nachwuchsstern aufgeht.

Bislang sind im aktuellen Zyklus fünf Teams aktiv. Sie alle sind “Wiederholungstäter”: Als Verteidiger steigen die viermaligen Cup-Sieger vom Emirates Team New Zealand in den Ring. Challenger of Record ist Sir Ben Ainslies gerade in Team GB1 umbenannter britischer Rennstall. Zu den weiteren Herausforderern zählt Parizio Bertellis Team Luna Rossa, das vor allem Italiens segelaffine Fans siegen sehen wollen.

Beinahe gescheitert, dann bestätigt: die neue America’s Cup Partnership

Dazu kommen zwei weitere europäische Herausforderer: Zum einen das Tudor Team Alinghi von Ernsto Bertarelli, der den Cup 2003 und 2007 mit seinem Schweizer Rennstall Alinghi als bislang einziges europäisches Team sogar zweimal gewinnen konnte. Und die französische K-Challenge mit den ehrgeizigen Cup-Jägern und Co-CEOs Stephan Kandler und Bruno Dubois. Sie alle sind Teil der neu gegründeten America’s Cup Partnership (ACP), in der künftig demokratisch über Cup-Belange entschieden wird.

Der Weg zu dieser revolutionären Cup-Entwicklung war kein leichter. “Ungefähr zehn Male waren wir nahe dran am Scheitern”, räumte Neuseelands Dirigent und Co-Vater der neuen Cup-Ordnung gerade nochmals ein. Grant Dalton sagte im Interview mit Niall Myant-Best für die neue Serie “Inside America’s Cup”: “Im Juli (Red.: 2025) sind wir nahezu komplett gescheitert.”

​Gerettet hatten den Cup in seiner neuen Form Mitte des vergangenen Jahres aus Daltons Sicht die beiden Club-Vorsitzenden der beteiligten Vereine, der Royal New Zealand Yacht Squadron und der britischen Royal Yacht Squadron mit dem Ruf nach Realitätssinn. Im August war dann das Protokoll unterzeichnet worden, bis Ende Dezember hat der Aufbau der gemeinschaftlichen ACP-Führungsstruktur gedauert. Das “Gemeinschaftsmodell” wird nun im 38. America’s Cup erstmals auf die Probe gestellt.

Künftig nur noch “Friede, Freude, Eierkuchen” im America’s Cup?

Den von allen Beteiligten bestätigten Kurswechsel erklärte Dalton auch vor dem Hintergrund der eigenen Cup-Erfahrungen: “Der Cup ist 175 Jahre alt. Das Spiel war es immer, die anderen zu hassen. Und nun ist alles Friede, Freude, Eierkuchen. Man könnte argumentieren, dass es für uns eigentlich schon falsch ist, im selben Raum zu sein, den traditionell mögen wir uns nicht. Und sie mögen auch mich alle nicht. Daran gibt es keinen Zweifel.”

Jetzt also müssen wir unsere ‘Erwachsenenhosen’ anziehen. Sonst sind wir die falsche Generation für den neuen America’s Cup.” Grant Dalton

Grant Dalton weiß aber trotz des mühsam erreichten und 700 Seiten starken Protokolls und der der nun gemeinsamen Cup-“Regierung” aller ACP-Teams : “Wir könnten das hier binnen einer Woche komplett vermasseln, wenn wir uns nur streiten und uns in nichts einigen. Wir mussten (Red.: als Verteidiger) viel aufgeben. Ich glaube aber: Wenn wir das nicht gemacht hätten, wäre der Cup angesichts seiner langen Historie vielleicht nicht tot, aber definitiv in großen Schwierigkeiten gewesen.” Stattdessen soll ab der ersten Vorregatta im Mai vor Cagliari ein neuer moderner Wind den America’s Cup in die Zukunft tragen.

Die neue Serie “Inside America’s Cup” führt Cup-Fans mit dem auch aus dem Ocean Race bekannten Moderator Niall Myant-Best und seinem Team hinter die Cup-Kulissen:

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