America's CupHöllisch hochgezüchtet

Dieter Loibner

 · 18.11.2009

America's Cup: Höllisch hochgezüchtetFoto: Carlo Borlenghi/Alinghi

Die Ausschreibung für ein Cup-Match in Valencia im Februar definiert in Punkt 6.7 Wind- und Wellenlimits mit schlappen 15 Knoten und einem Meter.

Es klingt fast wie ein Scherz: Die beiden Monster-Multihulls Alinghi 5 und BMW Oracle 90 sind derzeit das Tollste unter Segeln. Dabei können sie’s nur bei Kaffeewind. Bei Windstärke 4 ist Schluss, also genau dann, wenn Segeln erst so richtig schön wird.

Dies hat natürlich eine Erklärung: Beide Boote sind weiter ausgereizt als alles Dagewesene. Sie sind breit, sie sind leicht, sie haben gigantische Segelflächen. Sie sind reinrassige Renner. Aber das hat seinen Preis in reduzierter Vielseitigkeit. „Bei etwa 8 Knoten Wind hebt der luvseitige Rumpf ab“, sagte Alinghis Design-Koordinator Rolf Vrolijk der YACHT. „In diesem Moment hat das Boot maximale Stabilität.“ Will heißen: Dann ist es am schnellsten. Und schnell heißt auf der Kreuz deutlich mehr als 20 Knoten, auf Raumkursen mehr als 30. Das bedeutet, die Mannschaft ist einem scheinbaren Wind von rund 40 Knoten ausgesetzt, manchmal sogar mehr. Auf der Beaufortskala ist das Windstärke 8.

Dazu kommt, dass der Austragungsort noch nicht gesichert ist. In der Ausschreibung steht zwar Valencia und Februar, weil es das New Yorker Gericht so verfügt hatte, aber durch den jüngsten Einspruch von Alinghi ist das Emirat Ras al-Khaimah hypothetisch weiter im Rennen. Und dort herrschen im Februar gewöhnlich sehr leichte Winde.

Herausforderer BMW Oracle wasserte seinen Monstertrimaran schon vor mehr als einem Jahr, als der Austragungsort von Verteidiger Alinghi noch geheim gehalten worden war. Seitdem wurde das Boot aber radikal auf Leichtwind modifiziert. Der 57 Meter hohe Flügelmast ist nur eine Facette davon. „Als wir begannen, mussten wir ein Boot für ein breites Spektrum von Bedingungen konzipieren,“ sagte BMW-Oracle-Design-Koordinator Ian Burns der YACHT. „Theoretisch hätte Alinghi ja auch Kap Hoorn als Austragungsort wählen können.“

Könnten, so die Frage an beide Teams, die Boote auch bei mehr Wind antreten, und wie sähe das dann aus? Vrolijk: „Segeln kann man immer. Nur muss man fragen, was Regattasegeln denn sein soll: Schnell segeln oder überleben? Beide Boote waren schon bei 20 Knoten unterwegs, doch im Moment liegt die Obergrenze bei 15 bis 16 Knoten, drüber muss man depowern. Wenn man den Mast abschneidet und die Segelfläche halbiert, ginge es aber auch bei mehr.“

Im Klartext: Gigantisch sind diese beiden Boote, auch gigantisch schnell. Und höllisch hochgezüchtet.

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