America's CupHightechboote auf Kursen von anno dazumal

Tatjana Pokorny

 · 11.02.2010

America's Cup: Hightechboote auf Kursen von anno dazumalFoto: Luca Butto Alinghi

Die unendliche Suche nach guten Bedingungen auf 450 Quadratseemeilen

Der Wind, der Wind - ist er wieder einmal das böse Kind? Nein, ist er nicht! Der Wind trägt nicht ursächlich die Schuld an der zermürbenden Warterei auf den ersten Startschuss im 33. America´s Cup-Duell vor Valencia. Das wahre Problem: Kurse und Boote passen nicht zusammen.

In Valencia prallen viele Welten aufeinander. Das sind beispielsweise die futuristischen Gebäude des spanischen Architekten und Künstlers Santiago Calatrava, die extravagante Stadt der Künste und Wissenschaften, auf der anderen Seite aber auch gotische Kulturschätze wie die Seidenbörse oder die Kathedrale von Valencia mit ihren romanischen Einflüssen. In etwa so krass darf man sich den Gegensatz zwischen den Hightech-Booten der America’s Cup-Teams und den Kursen vorstellen, auf denen sie segeln sollen.

Beispielsweise den Kurs für das Auftaktrennen: Er ist 20 mal 20 Seemeilen lang, deckt eine Fläche von etwa 450 Quadratseemeilen ab. Damit ist er 44 (!) mal so groß wie ein Kurs im 32. America´s Cup vor drei Jahren. Vor allem deshalb kommt Harold Bennetts Aufgabe der Quadratur des Kreises nah. Der neuseeländische Wettfahrtleiter muss ein Zeitfenster finden, innerhalb dessen die Segelbedingungen überall auf dem Kurs durchgehend fair und sicher sind. Aber ist das wirklich möglich?

Vor rund eineinhalb Jahrhunderten für seegängige Schoner ersonnen, die Sturm und hohem Seegang trotzen konnten, verströmen die langen Kurse im heutigen America´s Cup-Gewand eher antiquen Charme. Sie passen nicht zu den fragilen Hightech-Boliden, die auf ihnen einmal zur Wendemarke und zurück rasen sollen. Anders herum formuliert: Sowohl Alinghi als auch BMW Oracle Racing haben die ihnen gestellte Aufgabe absichtlich falsch gelöst. Sie haben Grenzgänger statt grundsolider Yachten konstruiert, weil sie den Geschwindigkeitswettbewerb sonst nicht gewinnen können. Dafür haben sie ihre Seetauglichkeit opfern müssen.

Es wäre nur gerecht, wenn Bennett keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Extrembauten nehmen würde und Katamaran und Trimaran bei jedem Wetter zum Duell auf See jagen würde. Das aber kann der Wettfahrtleiter nicht riskieren, weil Mensch und Material zu großer Gefahr ausgesetzt wären. Seine Aufgabe wird deswegen bis zum Ende des 33. America´s Cup einer täglichen Gratwanderung mit vielen Frusterlebnissen gleich kommen. So auch am Freitag: Um 12.25 Uhr wehte der Wind am Startboot mit fünf Knoten (185 Grad), an der Wendemarke mit drei Knoten (135 Grad). Ein Rennen schien möglich.

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