America's CupGut gebrüllt, Bennett!

Tatjana Pokorny

 · 09.02.2010

America's Cup: Gut gebrüllt, Bennett!Foto: Alinghi

Regattadirektor Harold Bennett hat den schwersten Job

Die Cup-Segler nennen ihn "Gott", seine Freunde einfach nur Harold. Der Neuseeländer Harold Bennett ist zum dritten Mal als Regelwächter im America’s Cup-Einsatz. Zum zweiten Mal als Wettfahrtleiter. Seine Entscheidungen haben die Teams ohne wenn und aber zu akzeptieren.

Das erste Missverständnis räumt Harold Bennett sofort aus: Nein, er sei nicht Angestellter von Alinghis Verein Société Nautique de Genève (SNG) oder deren Wettfahrtleitung für den 33. America´s Cup. Er ist im Auftrag des Weltsegler-Verbandes (ISAF) im Einsatz und wacht als neutrale Entscheidungsinstanz über die ordnungsgemäße Austragung der America’s Cup-Wettfahrten vor Valencia.

Angesichts der bislang erfolgten Absagen könnte man nun meinen, Herr Bennett sei arbeitslos. Doch das Gegenteil ist der Fall. Bennett und sein Team zerbrechen sich jeden Tag den Kopf, unter welchen Bedingungen sie die fragilen Mehrrumpf-Giganten auf die hohe See schicken können. Oder eben nicht. Bislang kamen sie nach intensiven Rücksprachen mit den Wetterteams von Alinghi und BMW Oracle Racing sowie eigenen Analysen am Computer und im 450 Quadratseemeilen riesigen Revier selbst immer zum gleichen Schluss: Zu gefährlich oder zu instabil und damit unfair!

Ob sich die ihm von den Wetterteams beider Mannschaften täglich übermittelten Wetterdaten decken? Bennett lacht: „Nein!“ Das hätte ja auch an ein Wunder gegrenzt. Aber Bennett fährt fort: „Es ist mein Job, die Informationen zu bewerten, sie mit Informationen aus anderen Quellen abzugleichen und Entscheidungen zu treffen.“

Bennetts Hauptproblem besteht darin, dass die von der Cup-Stiftungsurkunde für diese außergewöhnliche Cup-Auflage vorgegebenen Seekurse über eine Länge von 20 (!) und 39 (!) Seemeilen gleich bleibende faire und sichere Bedingungen bieten sollen. Diese Anforderung scheint der Quadratur des Kreises gleich zu kommen. Mal ist der Wind zu stark, mal zu schwach. Mal sind die Wellen zu hoch, mal zu ruppig. Wenn die Bedingungen am Startschiff perfekt sind, können sie an der Wendemarke 20 Seemeilen weiter inakzeptabel sein. Auch Winddreher von mehr als 30 Grad sind nicht zulässig. Doch wer will sie auf 20 Seemeilen ausschließen? Wettfahrten über zwei oder drei Seemeilen lange Up&Down-Kurse wie zuletzt im America´s Cup absolviert, hätten auch vor Valencia längst stattfinden können. Selbst das Absegeln eines Zehn-Seemeilen-Kurses wäre am Mittwoch kein Problem gewesen. Doch 20 Seemeilen waren zuviel!

So erklärt sich das schiefe Bild, dass viele Beobachter und Fans am Mittwoch gewannen. Im America´s Cup-Hafen herrschten seglerische Traumbedingungen. Herrliche 17, 18 Knoten Wind. Der Wellengang vor dem Hafen schien moderat. Da fragten sich viele, warum in aller Welt das Duell aller Duelle erneut verschoben werden musste, wenn doch zur gleichen Zeit kleine Jollen draußen aufkreuzten und ihre Crews die Bedingungen sichtlich genossen. Bennett hatte die Erklärung pparat: „Wir sind selbst hinaus auf See gefahren. Die ersten zehn Seemeilen war es herrlich, dann wurde es echt ungemütlich. Die Boote, mit denen wir es hier zu tun haben, können solchen rigorosen Bedingungen nicht standhalten.“

Auf die Frage, ob die Teams nicht angesichts der abzusegelnden Hochseekurse andere Boote als ihre Formel-1-Boliden hätten bauen sollen, nickt Bennett lächelnd und sagt: „Natürlich!“ Gleichzeitig weiß er, dass niemand die Zeit zurückdrehen und damit rechnen kann, dass Cup-Teams seetüchtige Mehrrümpfer für einen Hightech-Geschwindigkeitswettbewerb bauen. So hat Bennett bei der Entscheidungsfindung stets auch die Sicherheit für Segler und Boote zu bedenken. Seine Prognose für das auf Freitag verschobene Auftaktmatch: „Ich habe noch keine genauen Daten, aber gehört, dass wir es möglicherweise wieder mit extremen Bedingungen zu tun bekommen.“ Das Warten geht in Valencia also voraussichtlich noch eine ganze Weile weiter. Mit jeder Verschiebung wächst der Druck, dem sich Bennett aber bestens gewachsen fühlt: „Ich habe von Beginn an gesagt, dass alle Beteiligten viel Geduld werden mitbringen müssen. Ich treffe alle Entscheidungen so wie ich sie für richtig halte. Das ist das Beste, das ich tun kann.“ Gut gebrüllt, Bennett.

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