America’s CupGoldjungs an Bord – neue Superkräfte für Les Bleus

Tatjana Pokorny

 · 17.03.2026

Sportdirektor Philippe Presti (l.) und die Segler für das La Roche-Posay Racing Team.
Foto: Martin Keruzoré/La Roche-Posay Racing Team
Die K-Challenge-Macher Stephan Kandler und Bruno Dubois haben in Lorient ihr Segelteam, den neuen Sportdirektor und den neuen Titelsponsor für den 38. America’s Cup vorgestellt. An Bord sind auch Spaniens 49er-Olympiasieger und SailGP-Asse Diego Botin und Florian Trittel. Aus dem Offshore-Bereich kommt so überraschend wie überzeugend Amélie Grassi ins Spiel. Sportdirektor ist der zweimalige Cup-Gewinner Philippe Presti.

Frankreichs Segler verbindet eine lange Lovestory mit dem America’s Cup. Les Bleus haben zwischen ihrer ersten Herausforderung 1970 in Newport und dem Valencia-Gipfel in 2007 an jeder Edition teilgenommen, danach noch 2017 und zuletzt 2024. Doch haben sie die älteste internationale Sporttrophäe noch nie gewinnen können.

Bislang dreimal war der Deutsch-Franzose Stephan Kandler, Sohn des Airbus-Pioniers und AeroSail-Mitgründers Ortwin Kandler, an französischen Cup-Herausforderungen beteiligt oder als Initiatior mit eigenen Teams aktiv: 2007, 2017 und 2024. Die vierte ist bereits angelaufen.

La Roche-Posay Racing Team trägt Frankreichs Farben in den America’s Cup

Zuletzt hatte Stephan Kandler mit K-Challenge-Partner Bruno Dubois das französische Team Orient Express als Last-Minute-Herausforderer in den 37. America’s Cup in Barcelona geführt. Jetzt hat die neue Cup-Ordnung Kandler und Dubois zum Weitermachen und zur Ausdehnung ihrer Aktivitäten beflügelt. Der Cup-Einsatz ist in Verbindung mit dem SailGP-Engagement der Franzosen langfristig angelegt. Die Weichen dafür sind bereits gestellt.

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Ihr Segelteam für die Cup-Herausforderung stellten die Franzosen am Dienstag in Lorient vor, wo auch gerade ihr neues Teamhauptquartier entsteht. Die Präsentation fand im Les Maison des Skippers in Lorients berühmter Seglerwiege La Base statt. Vom Balkon im zweiten Stock aus waren die am Dock liegende neue “Gitana 18” und viele weitere berühmte Rennyachten zu bewundern. Gleich gegenüber des Maisons des Skippers liegt auch Team Malizias Hauptquartier, wo schon in wenigen Monaten die neue “Malizia 4” in ihr Element gebracht wird.

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Unter dem Dach der K-Challenge mit ihren beiden Bereichen “Racing” für den Sport und “Lab” für Technologie, Forschung und Innovation gibt es künftig neben dem bereits im SailGP aktiven DS Automobiles France auch das La Roche-Posay Racing Team für den America’s Cup. Mit neuem Titelpartner und neuen Seglern, viel Dynamik und Aufbruchsgeist stellten die Franzosen ihre neuformierte Equipe und die Pläne vor. Nicht ohne den Hinweis auf ihre Akademie, wo sie seit 2025 männliche und weibliche Nachwuchstalente sichten und ausbilden.

Erfahrung kann man nicht nur kaufen. Man muss sie auch selbst bilden.” Stephan Kandler

Zum Doppel-Enagagement im America’s Cup und im SailGP sagte Stephan Kandler der YACHT in Lorient: “Der America’s Cup und der SailGP beflügeln sich gegenseitig, sind ohneeinander kaum mehr denkbar. Sie sind wie Fußball-Weltmeisterschaft und Champions League.”

Ohne den historischen Kurswechsel im America’s Cup, so Stephan Kandler, wäre der erneute französische Cup-Aufbruch in eine längerfristige Zukunft nicht möglich gewesen. Doch die Einführung “demokratischer Strukturen” und das gemeinschaftliche Cup-Management der Teams in der America’s-Cup-Partnership (ACP) haben – wenngleich mühsam erkämpft und im Tagesgeschäft nicht immer einfach – dem so oft unwägbarem Segelgipfel “mehr Verlässlichkeit, mehr Planbarkeit und damit auch mehr Überzeugungskraft bei Partnern verliehen”.

Sportdirektor Presti dirigiert das America’s-Cup-Team

Neben Kandler und Dubois, dem im SailGP wie auch auf Kurs America’s Cup aktiven Skipper und Steuermann Quentin Delapierre und weiteren bekannten französischen Gesichtern servierte das La Roche-Posay Sailing Team am 17. März in Lorient auch neue Top-Player für die Jagd auf den America’s Cup.

Angeführt wird das französische Cup-Team vom neuen Sportdirektor Philippe Presti, der künftig alle Regatta-Teams der K-Challenge leitet. Der 60-Jährige bringt viel Erfahrung aus siegreichen Kampagnen wie dem Oracle Team USA im 33. und 34. America’s Cup oder der Arbeit mit Lunas Rossa im 36. und 37. America’s Cup, für die er schon 2007 als B-Boot-Steuermann im Einsatz war, jetzt mit zurück an die Cup-Front in der Heimat.

Für Presti, der die Anfangszeiten des Foilings im America’s Cup ebenso erlebt hat wie er das Jahrhundert-Comeback des Oracle Team USA beim Triumph über das Emirates Team New Zealand 2013 als Chefcoach stark mitprägte, schließt sich mit seiner neuen Aufgabe als Sportdirektor für das La Roche-Posay Racing Team ein Kreis.

Der America’s Cup ist der Inbegriff des Mannschaftssports.” Philippe Presti

Presti war 2001 Steuermann für die französische Cup-Kampagne Le Défi. Er zählte zu jenen unter seinen Landsleuten, die den Hafen von La Base zur Heimat von Hochleistungssport machten und stark entwickelten. “Es war das erste Mal, dass ich ein America’s-Cup-Boot berührt habe”, erinnert sich der frühere Soling-, Starboot- und Matchrace-Steuermann Presti, damals auch Skipper der Franzosen. Jetzt ist er nach einem Vierteljahrhundert wieder zurück in Lorient.

Er beschreibt seine Aufgabe wie die eines Dirigenten einer wachsenden Mannschaft, will der K-Challenge und dem La Roche-Posay Racing Team beim Aufbau für erfolgreiche Cup-Einsätze in der Zukunft helfen. Philippe Presti sagt: “Ich hatte das Glück, viele Erfahrungen in internationalen Teams sammeln zu können. Heute freue ich mich besonders, dieses Abenteuer mit einem französischen Team zu teilen, und vor allem mit diesem Team, zu dem ich seit langem enge Beziehungen pflege.”

Presti sagte: “Heute stellen wir die Segler vor. Die Herausforderung wird darin bestehen, das Potenzial jedes Einzelnen zu koordinieren und freizusetzen, um unsere Grenzen auszudehnen und 2027 in Neapel das höchste Niveau anzustreben.“

Spanier mit Bodenseewurzeln beflügeln Les Bleus

Zu seinem Team zählen jetzt auch zwei berühmte Spanier: Die Franzosen haben für ihre ehrgeizigen Cup-Pläne die SailGP-Saisonmeister von 2024 und amtierenden 49er-Olympiasieger Diego Botin und Florian Trittel verpflichtet. Dass diese beiden ihr Olympia-Gold im französischen Revier von Marseille holten, passt gut zu ihrer neuen Herausforderung.

Flo Trittel ist als Sohn deutscher Eltern aus Konstanz nach seinen ersten drei Lebensjahren am Bodensee mit der Familie nach Barcelona gezogen und dort großgeworden. Seit mehr als fünf Jahren segelt er an der Seite von Diego Botin aus Santander sowohl olympisch als auch im SailGP mit Losa Gallos auf der Erfolgswelle. 2024 wurden sie nach dem Saisonsieg in SailGP und dem Olympia-SIeg zu Weltseglern des Jahres gekürt.

Das ist ein Riesenschritt für uns in unserer Karriere.” Florian Trittel

Schon vor einem Jahr hatten die Gespräche der Spanier mit Bruno Dubois begonnen, die jetzt zur neuen französisch-spanischen Verbindung geführt haben. Für Diego Botin und Flo Trittel hat sich daraus eine dreifache Herausforderung ergeben: Sie geben keine ihrer hochgesteckten Ziele auf, sind weiter olympisch, im SailGP und nun auch im America’s Cup aktiv.

Für Flo Trittel passt das gut zusammen: “Der olympische Segelsport hilft, dass man das direkte Gefühl für den Segelsport weiter beibehält und entwickelt, weil es ein kleineres Boot ist. SailGP ist der Racing-Gipfel, der America’s Cup der Entwicklungsgipfel, ein riesiges Projekt mit vielen Abteilungen, in dem wir uns jetzt erst einmal orientieren müssen.” Nach der Vorstellung am 17. März ging es für die Segler direkt wieder in den teameigenen Simulator. Ab 18. März wird vor Lorient trainiert. Botin und Trittel blicken ihrer AC40-Premiere entgegen.

Amélie Grassi als erste Seglerin verpflichtet

Mit ihrer ersten offiziell fürs America’s-Cup-Team nominierten Seglerin überraschten die Franzosen in Lorient. Da trat plötzlich Offshore-As und Ocean-Race-Europe-Siegerin Amélie Grassi lächelnd ins Rampenlicht. Ihre Verpflichtung ist gerade einmal zwei Tage alt. Überzeugt hatte sie bei Tests am Simulator – im ersten Anlauf als mit Abstand beste aller Kandidatinnen.

Schon “Biotherm”-Imoca-Skipper Paul Meilhat hatte Amélie Grassi auch aufgrund ihrer starken analytischen Fähigkeiten in sein Team geholt. Jetzt nimmt die frühere Mini- und Class40-Seglerin erstmals den America’s Cup ins Visier. Nicht nur ihre Entwicklung und ihr jüngster Karrieresprung zeigten an diesem Tag in Lorient, aus welchem Füllhorn Frankreichs Cup-Jäger zuhause schöpfen können.

Trotzdem sind einige Positionen im America’s-Cup-Segelteam der Franzosen auch mit internationalen Top-Akteuren besetzt. Weitere Mitglieder der Segelcrew sind der Brite Leigh McMillan und die Franzosen Enzo Belanger, Timothé Lapauw und Bruno Mourniac. Zu diesen Koryphäen an Land zählt beispielsweise der deutsche Segeldesigner Micky Ickert. Dass die K-Challenge mit La Roche-Posay auch einen starken Titelpartner gefunden hat, verlieh dem offiziellen Startschuss fürs Team zusätzliche Überzeugungskraft.

​Der Zeitplan auf Kurs America’s Cup

La Roche-Posay ist eine Apothekenmarke der L’Oréal-Gruppe und will die Segelrennen als “wissenschaftliches Labor in Originalgröße” nutzen. Die Marke feierte 2025 ihr 50-jähriges Jubiläum und plant die Entwicklung einer auf den Sport ausgerichtete Pflegeserie, die auf dem Feedback der Segler basieren soll.

​Die erste Regatta auf Kurs America’s Cup 2027 in Neapel findet im Mai dieses Jahres in Cagliari statt. Danach wollen die Franzosen erstmals ihre aktuell noch im Optimierungsprozess befindliche AC75-Yacht zu Tests und Trainings satteln. Der Umzug des Teams nach Italien ist ab September geplant. Die Herausfordererrunde zum 38. America’s Cup und der Cup-Gipfel selbst werden im Sommer 2027 in Neapel ausgetragen.

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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