America's Cup"Flohzirkus statt Raubtiere?"

Tatjana Pokorny

 · 25.03.2015

America's Cup: "Flohzirkus statt Raubtiere?"Foto: OTUSA/Balasz Gardi

Die Verteidiger überraschen mit einem Vorstoß: Das 35. Cup-Duell soll nicht auf neuen AC62-, sondern auf AC45-Katamaranen ausgetragen werden

Fast hätte man meinen können, es sei schon der 1. April, und die amerikanischen Cup-Verteidiger hätten sich mit ihrem jüngsten Vorschlag einen krachenden Scherz erlaubt. Doch es ist der 26. März, und Chefvermarkter Harvey Schiller meint es tatsächlich ernst. Die Idee: Statt 2017 vor Bermuda wie geplant auf futuristischen Katamaran-Prototypen namens AC62 zu segeln, wollen die Verteidiger nicht nur die vorgeschaltete Weltserie, sondern auch das Cup-Duell selbst auf kleineren und bereits erprobten AC45-Boliden austragen. Schillers Argumentation: "Wir haben genauso die Verantwortung, darüber nachzudenken, was für den America's Cup langfristig am gesündesten ist, wie auch jene, den Werbewert der Veranstaltung für die Teameigner und ihre Partner zu erhöhen. Das Segeln kleinerer Boot im Jahr 2017 und darüber hinaus ist ein großer Schritt in die richtige Richtung."

  Bermudas Vision für den America's Cup 2017: Die eingezeichneten Yachten könnten schon bald kleiner werdenFoto: ACEA
Bermudas Vision für den America's Cup 2017: Die eingezeichneten Yachten könnten schon bald kleiner werden
  Weiß, was er will: Ben AinslieFoto: BAR/Lloyd Images
Weiß, was er will: Ben Ainslie

Hauptmotivation für den ungewöhnlichen Vorschlag ist eine Reduzierung der Kosten. Schiller sagt: "Die existierenden operativen Kosten der Teams sind mit einem Boot wie dem AC62 zu hoch. Wir haben diese Veränderung bereits Anfang des vergangenen Jahres bei einem Teilnehmer-Meeting in London diskutiert. Doch zu dem Zeitpunkt haben sich nur das Oracle Team USA und das Emirates Team New Zealand für den Wechsel ausgesprochen."

Inzwischen, so Vermarkter Schiller, hätten die Teams die neuen Boote in Aktion gesehen und erlebt. Schiller behauptet, dass eine Mehrheit der Cup-Herausforderer für den Wechsel auf die kleineren Boote sei. Allerdings räumt er auch ein, dass es keine uneingeschränkte Unterstützung für den Vorstoß im Herausforderer-Lager gäbe.

  BARs AC45: Die Briten trainieren seit Monaten intensiv auf den kleineren KatamaranenFoto: BAR/Lloyd Images
BARs AC45: Die Briten trainieren seit Monaten intensiv auf den kleineren Katamaranen

Pro Rückschritt auf das kleine Katamaran-Format äußerte sich Sir Ben Ainslie. Der Skipper und Teamchef der starken britischen Cup-Kampagne Ben Ainslie Racing sagte: "Diese Boote werden zu einer signifikanten Kostenreduzierung führen, für die Segler und Designer gleichermaßen aber eine echte Herausforderung sein." Dass sich das finanzschwache Team France über die Aussichten drastisch sinkender Kosten freut, ist nur logisch. Kampagnenchef Franck Cammas sagte: "Für uns würde es das Spiel total verändern. Wir wären imstande, für die Hälfte der Kosten ein sehr wettbewerbsfähiges Team zu formieren. Mit Blick auf die kleineren Boote können wir uns vorstellen, dass der America's Cup mit einem Budget zwischen 15 und 20 Millionen Euro zu gewinnen wäre."

Die Regeländerungen würden, so hieß es in einer Pressemitteilung der America's-Cup-Organisatoren, aktuell gerade niedergeschrieben und sollen den Teams bis Ende des Monats zur Abstimmung vorgelegt werden. Nach ersten Informationen haben sich zwar BAR, Team France und auch das schwedische Team Artemis unterschiedlich enthusiastisch für den Umstieg auf die kleineren Boote ausgesprochen. Keinen Kommentar jedoch gab es zunächst seitens Team New Zelands und vom italienischen Team Luna Rossa. Im Gegenteil: Team New Zealands Boss Grant Dalton wies darauf hin, dass die Designer inzwischen mit ihrer Arbeit weit vorangeschritten seien.

Im Ringen um die Finanzierbarkeit des millionenteuren Cup-Geschäfts bei gleichzeitiger Bewahrung des America's Cup als Elite-Event und Hightech-Schau des Segelsports müssen Verteidiger und Herausforderer nun überlegen, ob sie nur nach eigenen Interessen oder auch anderen Kriterien entscheiden. Sicher ist: Die AC45-Katamarane sind einen Fuß länger als das von der Cup-Stiftungsurkunde vorgeschriebene Minimalmaß für Cup-Yachten. Fraglich bleibt, ob die finanziell potenten Teams tatsächlich bereit sind, diesen im Cup stets hilfreichen Vorteil zugunsten der weniger gut finanzierten Teams aufzugeben. Und fraglich bleibt auch, ob der Cup mit der Nutzung von AC45-Yachten nicht zu gewöhnlich wird, denn ähnliche Katamarane werden längst schon in Serien wie der Extreme Sailing Series oder der GC32 Racing Tour eingesetzt. Der zweimalige America's-Cup-Teilnehmer Tim Kröger sagte: "Der Vorschlag wirkt erst einmal, als sollten die Raubtiere im America's Cup durch einen Flohzirkus ersetzt werden. Es mag sein, dass der America's Cup durch diese Maßnahme billiger wird. Aber möglicherweise auch bedeutungsloser."

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