America’s CupFlauten-Foiling – Kiwis überzeugen, Orient Express überrascht

Tatjana Pokorny

 · 16.09.2023

Die erste Vorregatta zum 37. America's Cup wird auf AC40-Foilern ausgetragen. Die Einheitsklasse kommt bei Seglern und Publikum sehr gut an
Foto: Ricardo Pinto/37. America's Cup
Im Schwachwindpoker von Vilanova i la Geltrú haben bei der ersten Vorregatta zum 37. America’s Cup die Kiwis zum Auftakt überzeugt. Frankreichs Orient Express überraschte mit einem Sieg im ersten Rennen und liegt nach Renntag eins punktgleich hinter dem Emirates Team New Zealand auf Platz zwei

Nach sintflutartigen Regenfällen, Blitz und Donner am Vortag, kam die erste Vorregatta zum 37. America’s Cup am Samstag vor Vilanova i la Geltrú in Fahrt. Sehr langsam nur, weil die Winde äußerst schwach blieben. Doch zwei Rennen konnten zumindest von einem Team beendet werden. Das Emirates Team New Zealand bewies nach dominanten Trainingseindrücken auch in den sehr leichten Winden am Samstag seine souveräne Beherrschung der AC40-Foiler.

Der erste Sieg geht an den “Orient Express”

Im ersten Rennen des Tages aber überraschte vor allem Frankreichs Orient Express die Fachwelt und die Fans. Das von Stéphan Kandler und Bruno Dubois gegründete und geführte Team war als letztes in den laufenden Cup-Zyklus eingestiegen und verfügt kaum über die Hälfte jener Budgets, mit denen die Großmächte im America’s Cup operieren. Auch haben die französischen Segeler kaum mehr als ein paar Wochen AC40-Training absolvieren können.

Weshalb die Freude zum sportlichen Auftakt der Vorregatta am Samstagnachmittag groß war: Gleich im ersten Rennen der Vorregatta führte David die fünf Goliaths vor und zeigte damit, was bei gutem Handling und guter Strategie in der Einheitsklasse der AC40-Foiler möglich ist. Formidable, hieß es aus dem französischen Lager. In grenzwertigen Foiling-Bedingungen von nur einer Handvoll Knoten Wind brachten die beiden Steuerleute Quentin Delapierre und Kevin Pepponet und ihre Trimmer den “Orient Express” im Schlussspurt mit kluger mittlerer Kurspositionierung im “Wettkriechen” als Erste ins Ziel.

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Gründlich verpatzt: zwei letzte Plätze für Luna Rossa Prada Pirelli

Auf die Ränge zwei und drei segelten American Magic mit den Steuerleuten Tom Slingsby und Paul Goodison und die Kiwis, die nicht ideal vom Start weggekommen waren, doch auch daraus noch ein freundliches Ergebnis machten. Ihnen folgten Alinghi Red Bull Racing, Ineos Britannia und Patrizio Bertellis am Samstag unglücklich agierendes italienisches Team Luna Rossa Prada Pirelli. Die Azzurri wurden in der Hitzeschlacht von Barcelona nach guten Trainingsläufen am Samstag gleich zweimal Letzte.

Besonders schmerzhaft war das für die Italiener im ersten Rennen des Tages, als sie erst im Ziel erfuhren, dass sie falsch gestartet waren und deswegen als “nicht gestartet” (DNS) gewertet werden. Auch im zweiten Rennen lief an Bord nicht alles rund. Da kassierte das Team um die Steuerleute Francesco Bruni und Jimmy Spithill einen Penalty dafür, das sein Foil-Radius dem der Franzosen zu nahe gekommen war.

Eine verunglückte Halse bringt Alinghi Red Bull Racing um den Erfolg

Die Anfangsphase des zweiten Rennens dominierte zunächst Alinghi Red Bull Racing. Arnaud Psarofaghis, Maxim Bechelin und ihrer Crew gelangen eine sehenswerte Vorstartphase und eine starke erste Hälfte, in der sie ihren Vorsprung vor dem Rest der Flotte enorm ausbauen konnten. Mit einer verunglückten Halse aber brachten sich die Eidgenossen im sterbenden Wind um die Früchte dieser Leistung.

Wie so oft, nutzten die anfangs hinterher-, dann aber souverän segelnden neuseeländischen Cup-Verteidiger mit den Steuerleuten Peter Burling und Nathan Outteridge die Schweizer Schwäche sofort, überrundeten Alinghi Red Bull Racing und dominierten das Rennen bis ins Ziel. Nach makellosem Flauten-Foiling waren die Kiwis mit ihrer letzten Wende auf dem verkürzten Kurs ebenfalls von den Foils gefallen. Doch retteten sie sich im Zeitlupentempo auch mit vollem Rumpf im Wasser als Sieger ins Ziel. Alinghi holte Platz zwei. Die anderen vier Teams wurden nach abgelaufenem Zeitlimit entsprechend ihrer Position am ersten Tor gewertet.

Welche beiden Teams schaffen es ins Sonntagsfinale?

Nach bislang nur zwei Läufen wird die Wettfahrtleitung in Vilanova i la Geltrú die Teams am Sonntag maximal viele Fleetraces segeln lassen, bevor es für die beiden Top-Crews ins finale Matchrace-Duell geht. In Führung liegen vor dem Schlusstag punktgleich mit jeweils 15 Zählern das Emirates Team New Zealand und das Orient Express Racing Team vor Alinghi Red Bull Racing (10 Punkte), American Magic (9 Punkte), Ineos Britannia (5 Punkte) und dem Luna Rossa Prada Pirelli Team (1 Punkt).

UPDATE, 17. September, 0.05 Uhr: Die Zwischenstände haben sich am späten Samstagabend verändert, weil der gegen das Luna Rossa Prada Pirelli Team verhängte “DNS” nach Ansicht der Jury von Startszenen zurückgenommen wurde. Damit lag vor dem Finaltag Frankreichs Orient Express (15 Punkte) mit zwei Punkten Vorsprung allein in Führung vor dem Emirates Team New Zealand (13 Punkte). Es folgten Alinghi Red Bull Racing (9 Punkte) vor den Italienern (8 Punkte), American Magic (7 Punkte) und dem vorläufigen Schlusslicht Ineos Britannia (4 Punkte).

Die Hohe Schule des Flauten-Foilings! Hier geht’s zur Wiederholung der beiden Tagesrennen und ein paar sehenswerten Manövern:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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