America's CupFarce mit Fortsetzung

Uwe Janßen

 · 29.07.2008

Berufungsgericht kippt die Entscheidung zum America's Cup! Spanier sind wieder Herausforderer – dabei ist das Team längst aufgelöst worden

Eigentlich war alles klar: Nach monatelanger Schlammschlacht vor Gericht bereiteten sich Titelverteidiger Alinghi und Herausforderer BMW Oracle auf ein Duell mit Riesen-Kats vor, trainierten, bauten ihre Schiffe. Alles vergebens, die Farce beginnt von vorn.

Die Berufungsdivision am New York Supreme Court hat das Urteil von Herman Cahn mit 3:2 Stimmen gekippt. Der Richter hatte nach zermürbendem und zeitraubendem Hickhack das von Alinghi entwickelte Protokoll für den 33. America's Cup zurückgewiesen und dem Kläger BMW Oracle das Recht zugesprochen, in einem Duell gegen den Titelverteidiger um die älteste Sporttrophäe der Welt zu segeln. Daraus wird wohl nichts.

Nun hat die Berufungsinstanz den ursprünglichen Challenger of Records, den spanischen Club Nautico Espanol de Vela (CNEV), erneut als federführenden Herausforderer installiert. Allerdings: Der existiert nicht mehr. Wie viele andere Kampagnen — darunter das Team Gemany — wurde auch diese nach Cahns erstem Urteil aufgelöst. Gleichwohl wurde ihr in der gestrigen Verhandlung eine zehnmonatige Frist für die Vorbereitung der Regatta zugestanden.

Alinghi-Chef Ernesto Bertarelli sagte in einer ersten Stellungnahme, er sei „erfreut über dieses Ergebnis“. Die Schweizer könnten nun ihre „Vision von einem Event mit mehreren Herausforderern“ umsetzen. Sein Anwalt Lucien Masmejan gab sich „sehr zufrieden“ und bezeichnete die vorangegangene Prozess-Arie, die BMW Oracle angestrengt hatte, als „Zeitverschwendung“. Beide äußerten ihre Hoffnung, die Amerikaner mögen darauf verzichten, gegen den Spruch abermals Revision einzulegen, man wolle endlich auf dem Wasser gegeneinander kämpfen.

Die Chancen dafür stehen indes schlecht. Nach Auskunft von Sprecher Tom Ehman („Wir sind überrascht und enttäuscht“) wird sich BMW Oracle zunächst „rechtlichen Rat einholen“ und anschließend „über den nächsten Schritt beraten“. Nach der Vorgeschichte erwarten Insider nicht, dass sich der milliardenschwere und für sein ausgeprägtes Ego bekannte Oracle-Chef Larry Ellison mit dieser Niederlage abfinden wird.

Bis zu diesem Sensationsurteil — es schien bis dato nur noch um Austragungstermin und -ort zu gehen — hatten sich beide Duellanten mit exorbitantem Aufwand vorbereitet und Multihull-Experten von Weltrang als Trainer angeheuert. Geradezu eupohrisch trat Cup-Ikone Russell Coutts, der neue Skipper der Amerikaner, unlängst in München vor die Presse und schwärmte von den neuen 90-Fuß-Mehrrumpfern für den Cup. Unter höchster Geheimhaltung, auf einem fast militärartig abgeschimten Gelände, entsteht für Alinghi in der Schweiz ein solches Hightech-Monstrum, optimiert für Stark- beziehungsweise Schwachwind — das Revier sollte von dem zweimaligen Cup-Gewinner erst im September bekannt gegeben werden. BMW Oracle hat derweil mit entsprechend noch größerem Aufwand für beide Optionen Strategien und Schiffe entwickelt.

Die Szene gibt sich in ersten Reaktionen bestürzt, nachdem das Duell zunächst zähneknirschend akzeptiert worden war, Hauptsache endlich Ruhe in der Diskusskion. Manche vermuten deshalb nun zunächst einen verspäteten „Aprilscherz“, America's-Cup-Veteran Robbie Doyle spricht vom „Todesstoß“ für das Ansehen des Cups, und der vormalige Präsident des Weltsegler-Verbands, Paul Henderson, sagte: ”Die beteiligten Egos haben totale Schande über den wichtigsten Event des Segelns gebracht.“

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