America's Cup"Eine Horrorshow für Neuseeländer"

Tatjana Pokorny

 · 20.09.2013

America's Cup: "Eine Horrorshow für Neuseeländer"Foto: ACEA / Gilles Martin-Raget

Neuseeland hatte die Hand schon am America's Cup, als das Zeitlimit alle Träume platzen ließ. Drama für die Kiwis – die Verteidiger im Glück

  AC-34-Renntag 10, Rennen 13Foto: ACEA / Balasz Gardi
AC-34-Renntag 10, Rennen 13

Etwa vier Minuten fehlten dem Emirates Team New Zealand am Freitag im verflixten 13. Rennen zum dritten America's-Cup-Triumph nach 1995 und 2000. Eine Seemeile nur trennte eine kleine Nation von ihrem großen Traum. Das entspricht, so hat die Tageszeitung "New Zealand Herald" blitzschnell errechnet, der Länge der bekannten Queens Street in Auckland.

  Zwischen Golden Gate Bridge und Alcatraz herrschen vor San Francisco Segelbedingungen wie seit Monaten nicht mehr: Nebel und flaue Winde lassen Neuseelands Cup-Träume platzenFoto: ACAE / Ricardo Pinto
Zwischen Golden Gate Bridge und Alcatraz herrschen vor San Francisco Segelbedingungen wie seit Monaten nicht mehr: Nebel und flaue Winde lassen Neuseelands Cup-Träume platzen

Dominant hatten die Kiwis im 13. Rennen geführt und den Verteidiger an den Cup-Abgrund manövriert. Doch die größte Gefahr drohte in den flauen Winden nicht vom abgemeldeten Gegner Oracle Team USA, der aussichtslos hinter der "Aotearoa" hinterher segelte. Das Rennen war für die Kiwis in extrem leichten Bedingungen von Beginn an ein Kampf gegen die Uhr.

Keine Sekunde mehr als 40 Minuten standen ihnen zur Absolvierung des Kurses zur Verfügung. So will es das Reglement. Doch es war zu flau. Skipper Dean Barker und seine Crew kämpften sicht- und hörbar um jeden Meter, doch es reichte nicht. Als das Ziel und auch der America's Cup schon zum Greifen nahe waren, brach die Wettfahrtleitung das Rennen unbarmherzig ab.

  Hatten zum Auftakt von Renntag 10 alles im Griff, nur den Wind nicht: Emirates Team New ZealandFoto: ACEA / Gilles Martin-Raget
Hatten zum Auftakt von Renntag 10 alles im Griff, nur den Wind nicht: Emirates Team New Zealand

"Eine Horrorshow für Neuseeländer und ein typisches Stück Glücksspiel im Segelsport" sei das gewesen, so formulierte einer der Fernsehreporter am Ende des Tages, der sich aus Kiwi-Sicht nicht mehr besserte. Sie gewannen zwar den Start des noch einmal von vorn beginnenden Rennens 13, wobei Dean Barker auf eindrucksvolle Weise einem erneut aggressiven Hook-Versuch von James Spithill entrann und seinerseits die Amerikaner mit fünf Sekunden Vorsprung an der Startlienie abhängte. Der Reporter war begeistert: "Da zeigt sich, dass Dean Barker sein Geld wert ist."

Doch im Verlauf des Rennens leisteten sich die Kiwis gleich zwei teure Fehler, von denen sie sich nicht mehr erholten: In einem Wendeduell mit Kurs auf Marke 3 erhält Team New Zealand einen Penalty. Der Entscheidung der Schiedsrichter helfen die Amerikaner beim engen Crossing mit Vorteil für Neuseeland mit einem sogenannten "Hollywood"-Manöver nach, in dem sie krass anluven und damit in übertriebener Weise demonstrieren, dass es andernfalls zur Kollision gekommen wäre.

  Im entscheidenden Crossing riskiert das Emirates Team New Zealand zu viel. Die Amerikaner nutzen die enge Situation und beeindrucken die Jury mit einem "Hollywood"-ManöverFoto: ACEA / Gilles Martin-Raget
Im entscheidenden Crossing riskiert das Emirates Team New Zealand zu viel. Die Amerikaner nutzen die enge Situation und beeindrucken die Jury mit einem "Hollywood"-Manöver

Fehler Nummer zwei unterlief der bislang fast makellos agierenden Barker-Truppe bei der Rundung von Marke drei, als die Verfolger den angestrebten Split um jeden Preis realisieren wollten und sich für die linke der beiden Tonnen entschieden, weil die Amerikaner sich im letzten Moment für die rechte entscheiden. Das späte Manöver nahm zu viel Fahrt aus der "Aotearoa", die sich im Schneckentempo mit fünf Knoten Speed um die Tonne quälte, während Spithills Truppe ihren Riesenkatamaran mit 20 Knoten um die Marke peitschte. Anschließend lagen die Neuseeländer so weit zurück, dass sie bis ins Ziel chancenlos blieben.

  Der Boss ist begeistert: Larry Ellison klatscht für sein TeamFoto: ACEA / Gilles Martin-Raget
Der Boss ist begeistert: Larry Ellison klatscht für sein Team

Anteil an der schmerzhaften Niederlage hatte diesem zehnten Tag auch die schwache Vorwind-Geschwindigkeit der Neuseeländer: In inzwischen immerhin zwölf bis 15 Knoten Wind brachten es die Kiwis durchschnittlich nur auf 22, die Amerikaner aber auf 28 Knoten Bootsspeed. Entsprechend verloren sie das Rennen mit einer Minute und 24 Sekunden Rückstand im Ziel.

"Es ist enttäuschend, so nah dran und doch so weit entfernt zu sein", sagte Dean Barker dem Rennen. "Manchmal soll es einfach nicht sein. Das Team ist aber gut drauf. Wir wissen, dass wir gewinnen können. Wir müssen es nur am entscheidenden Tag zusammenbringen."

  Neuseelands kluger Taktiker Ray Davies nachdenklich: So nah dran und doch so weit entferntFoto: ACEA / Balasz Gardi
Neuseelands kluger Taktiker Ray Davies nachdenklich: So nah dran und doch so weit entfernt

Oracle-Steuermann James Spithill war sich des Glücks seiner Mannschaft wohl bewusst: "Was soll ich machen? Manchmal laufen ein paar Dinge einfach in deine Richtung. Wir sind in einer Lage, in der wir solche Dinge gern mitnehmen. Wir glauben daran, dass wir gewinnen können. So einfach ist das. Am Anfang der Regatta habe ich geglaubt, dass alles gegen uns lief. Jetzt glaube ich, dass sich das Blatt wendet."

  Oracle-Fans im Glück: Ihr Team wehrte den zweiten Matchpunkt der Kiwis abFoto: ACAE / Ricardo Pinto
Oracle-Fans im Glück: Ihr Team wehrte den zweiten Matchpunkt der Kiwis ab

Das 34. Duell um den America's Cup wird am Samstagabend deutscher Zeit ab 22.15 Uhr beim Stand von 8:3 für Neuseeland fortgesetzt. Das Emirates Team New Zealand hat weitere sechs Matchpunkte, während das Oracle Team USA noch sechsmal ununterbrochen gewinnen muss, um die wichtigste Trophäe des internationalen Segelsports zu verteidigen.

  Oracle-Skipper Jimmy Spithill: Über so viel Glück muss er lächelnFoto: ACEA / Gilles Martin-Raget
Oracle-Skipper Jimmy Spithill: Über so viel Glück muss er lächeln

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