America’s CupEin Defizit von 5,5 Millionen Dollar?

Lars Bolle

 · 10.12.2013

America’s Cup: Ein Defizit von 5,5 Millionen Dollar?Foto: ACEA/Gilles Martin-Raget
Der America's Cup bei der öffentlichen Siegerehrung im Herbst 2013
550 Millionen Dollar soll der America’s Cup der Stadt San Francisco eingespielt haben – oder doch Schulden von 5,5 Millionen verursacht?

Der Einfluss des America’s Cup auf die Wirtschaft der Stadt San Francisco sei 364 Millionen US-Dollar wert gewesen. Das geht aus einem Bericht des Bay Area Council Economic Institute an den Bürgermeister der Stadt hervor. Zähle man die Auswirkungen des neuen Kreuzfahrtterminals hinzu, dessen Fertigstellung der Cup stark beschleunigt habe, wären es sogar 550 Millionen Dollar. Außerdem seien 3800 neue Arbeitsplätze entstanden.

Die Reaktionen auf den Bericht ließen nicht lange auf sich warten. Russell Coutts, Teamchef des Verteidigers und Architekt des neuen Cup-Formates, der in der Vergangenheit wegen seiner stark überzogenen Versprechen stark in der Kritik stand, nutzte die Chance zum Befreiungsschlag: "Diese Zahlen zeigen, dass der America’s Cup liefern kann", so der Neuseeländer.

"Unsere Investitionen brachten der Stadt erhebliche Einnahmen", sagte Bürgermeister Ed Lee, dessen erneute Bewerbung um die Austragung bis zum 22. Dezember erwartet wird.

Kritiker der Veranstaltung machen jedoch eine andere Rechnung auf. Die direkten Kosten für die Stadt, um die Regatta zu veranstalten, hätten 20,7 Millionen Dollar betragen, so der "San Francisco Chronicle". Um diese Steuergelder gegenzufinanzieren, sei mit 32 Millionen Dollar privater Mittel gerechnet worden, von denen bis heute jedoch nur 8,6 Millionen geflossen seien. Würde man dazu die gestiegenen Nettoeinnahmen aus Steuergeldern während der Veranstaltung in Höhe von 6,6 Millionen Dollar rechnen, bliebe immer noch ein Loch von 5,5 Millionen Dollar.

"Ein 5,5-Millionen-Defizit für eine Regatta der Millardäre?", fragt der "Chronicle".

Der "Chronicle" erinnert zudem an die vielen gebrochenen Versprechen. So sei bei der Präsentation des neuen Formates von 15 Teams, fast 9000 neuen Jobs, 2,7 Millionen Besuchern und einem wirtschaftlichen Einfluss von 1,4 Milliarden Dollar ausgegangen worden.

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Ob San Francisco wieder den Zuschlag bei einer Bewerbung bekommen wird, ist noch offen. Das Protokoll für die kommende Veranstaltung, das unter anderem den Austragungsort sowie den Modus regelt und zwischen dem verteidigenden Oracle Team USA und dem ersten Herausforderer aus Australien verhandelt wird, wird für Ende Januar erwartet.

Gerüchten zufolge wird es wieder eine Art Weltserie geben, deren Austragungsorte in den Nationen der herausfordernden Teams liegen sollen. Diese wären dann auch für die Durchführung verantwortlich. Gesegelt werden soll bereits auf der künftigen Cup-Klasse und nicht wie vorher auf verkleinerten Version. Zudem soll diese Weltserie als Wertung in die Ausscheidung der Herausforderer eingehen.

Neben Oracle Team USA und der Herausforderung aus Australien gelten die Teams Artemis aus Schweden und Luna Rossa aus Italien als sichere Teilnehmer. Auch die Zukunft des Team New Zealand scheint nach positiven Sponsorengesprächen und einer Finanzspritze der Regierung gesichert. Zuletzt meldete auch das Team France mit Franck Cammas, Michel Desyojeaux und Olivier de Kersauson ernsthafte Startabsichten an.

Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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