America's CupDritter Sieg für Deutschland

Carsten Kemmling

 · 19.06.2005

United Internet Team Germany siegt in Flight 9 mit 44 Sekunden gegen China. Alinghi bleibt nach dem Sieg über Neuseeland als einziges Team ungeschlagen

Das deutsche America’s-Cup-Team mit Steuermann Jesper Bank hat seinen dritten Sieg eingefahren. In einem spannenden Rennen bei auffrischendem Wind übererfüllte die Multikulti-Mannschaft aus sieben Nationen erneut die Erwartungen.

Jesper Bank, der schon während des Match Race Germany am Bodensee bei seinem ersten Einsatz unter dem United-Internet-Banner mit Platz zwei deutlich mehr ablieferte als erwartet werden konnte, überrascht auch in Valencia.

Gegen das chinesische Team gelang erneut ein Sieg, der unerwartet war. Denn hinter den vermeintlichen Neulingen aus Fernost, die wie die Deutschen erst in letzter Minute meldeten, verbirgt sich das französische Team Le Défi, bei dem Tim Kröger an Bord gewesen war.

Le Défi segelte die Acts im vergangenen Jahr mit, obwohl damals noch kein Sponsor in Sicht war. Erst vor wenigen Monaten glückte das vielversprechende Jointventure mit den Chinesen. Bisher sind noch keine Asiaten an Bord, und so trafen die Deutschen auf eine erfahrene Mannschaft, die allerdings geschwächt ist vom Abgang ihres Steuermanns Philippe Presti, der zu Luna Rossa wechselte.

So steht in Valencia der eigentliche Team-Manager Pierre Mas am Steuer, der bisher nur einen Sieg gegen Shosholoza verzeichnen konnte.

Gegen ihn hatte Jesper Bank am Start keine Schwierigkeiten. Er holte sich die rechte Seite und startete in Luv des Gegners mit einem genügend großen Quer-Abstand von etwa zwei Längen.

Danach entwickelte sich ein Geschwindigkeits-Rennen mit Wind von steuerbord. Team China hatte dabei leichte Vorteile und schob den Bug vor. Aber um vor Bank passieren zu können, hätten sie mehr als eine Bootslänge Vorsprung herausholen müssen. Sie schafften aber nur maximal 15 Meter. So konnten die Deutschen mit ihrem Wegerecht-Vorteil den Gegner weit auf die linke Seite hinauszwingen und schließlich mit einem Schrick in den Schoten zur Luvtonne ablaufen.

Für einige Zeit sah es zwar so aus, als könnte China dennoch das langsamere deutsche Boot in Luv überlaufen, aber Bank parierte den Angriff.

Als die Spinnaker gesetzt wurden, zeigte sich erneut, dass das ehemals italienische Schiff vom Team United Internet sich vor dem Wind nicht verstecken muss. Die extrem schmale Konstruktion ist auf dem Kurs ein Renner, obwohl das Großsegel noch nicht die maximal erlaubte Größe hat.

Dennoch sind die Chinesen am Leetor auf acht Sekunden am Gegner dran. Die Deutschen wählen von oben gesehen die linke Marke und die Chinesen die rechte. Diese Option gibt es erst nach den neuen Cup-Regularien.

Dass sie für Spannung sorgen, zeigt dieses Rennen. Die Chinesen können frei nach links segeln, der deutsche Taktiker Markus Wieser wählt die rechte Seite mit dem Wegerecht-Vorteil. Es sieht gut aus, aber für kurze Zeit liegt der Gegner nach einem Linksdreher virtuell fast 30 Meter vorn.

Aber als die Schiffe aufeinander zu segeln, schaffen es die Chinesen nicht, vor dem Gegner zu passieren. Sie werden zur Wende gezwungen. Die Deutschen gehen wieder nach rechts, und dann kommt die erwartete Rechtsdrehung, die sich an der Luvtonne zu einem 18-Sekunden-Vorsprung summiert.

Als den Chinesen kurz vor dem Setzen des Spinnakers das Tuch aus dem Sack rutscht und im Wasser hinterhergezogen wird, ist die Begegnung entschieden — gegen sie. Sie kommen 44 Sekunden nach dem deutschen Team ins Ziel.

Ein weiteres spannendes Rennen lieferte Alinghi im Duell mit den Neuseeländern. Den Kiwis glückte die Revanche für das verlorene Cup-Finale nicht. Sie verloren mit 36 Sekunden, aber immerhin blieb der Mast oben.

Peter Holmberg am Steuer der Schweizer Yacht ließ im Vorstart die Abwesenheit von Russell Coutts vergessen. Er eroberte die rechte Seite, das genügte für einen Vorsprung an der Luvmarke von 31 Sekunden. Dean Barkers Mannschaft verkürzte zwar noch auf 25 und 29 Sekunden, aber es reichte im Ziel nicht mehr für den Sieg.

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