America's CupDominanz der Giganten

Jochen Rieker

 · 07.10.2005

America's Cup: Dominanz der GigantenFoto: BOR/G. Martin-Raget

Alinghi und BMW Oracle beherrschten den zweiten Tag der Fleet Races. Team Germany enttäuschte, Shosholoza siegte - moralisch

Die Abstände sind teils schon erstaunlich, die Vorherrschaft der großen Zwei auch. In Act 9, der letzten Vorregatta des America´s Cups in der Saison 2005, demonstrieren Alinghi und BMW Oracle Racing ihre ganze Überlegenheit

Bei rund 15 Knoten Wind startete Alinghi gut in das erste Rennen des Tages, und der Schweizer Cup-Verteidiger eroberte schon sehr schnell die Führung der 12-Boot-Flotte. Das Team von Ed Baird behielt BMW Oracle Racing auf der linken Seite des Kurses unter Kontrolle. Bei der ersten Marke lag Alinghi 12 Sekunden vor BOR.

Bei Windstärken von rund 12 Knoten zeigte Alinghi wenig später ein perfektes Spinnaker-Manöver und erwischte Böen und Winddreher am besten. Nach der zweiten Boje segelte Alinghi vor der Flotte auf die rechte Seite des Kurses, um in der Mitte der dritten Strecke auf Steuerbord zu wechseln. Bei der letzten Rundung lag das Schweizer Team 36 Sekunden vor den Amerikanern. Auf der Vorwindstrecke vergrösserte Alinghi den Vorsprung auf seinen härtesten Konkurrenten weiter auf 50 Sekunden und holte den zweiten Sieg im dritten Fleet Race.

  Enge Starts. Auch wenn sich das Feld immer wieder weit auseinander zieht  - der Auftakt zu den Fleetraces ist stets spektakulärFoto: BOR/G. Martin-Raget
Enge Starts. Auch wenn sich das Feld immer wieder weit auseinander zieht - der Auftakt zu den Fleetraces ist stets spektakulär

Privatrennen zwischen Alinghi und BMW Oracle Racing
Auch im zweiten Rennen segelten Alinghi und BMW Oracle vor dem Rest der Flotte ein “Privatrennen”. Diesesmal ging Alinghi auf der Mitte der Startlinie ins Rennen, zog nach links und kontrollierte Victory Challenge mit einem Schlag nach rechts, bevor die ganze Flotte versuchte, einen frühen Winddreher auf die linke Seite zu nutzen.

Doch die Brise kam auf die rechte Seite zurück, wo sich Alinghi gegen BMW durchsetzte und die erste Marke mit 24 Sekunden Vorsprung rundete. Obwohl der Vorsprung bei der zweiten Boje nur noch 17 Sekunden betrug, war der Sieg von Alinghi nie in Gefahr.

Die Schweizer kreuzten die Flotte auf dem Amwindkurs glatt und vergrösserten den Vorsprung auf 53 Sekunden. Mit dem zweiten Sieg des Tages übernahmen sie auch die Führung im Zwischenklassement — einen Punkt vor BMW Oracle Racing und deutlich vor Emirates Team New Zealand.

Für den Challenger of Record, die von BMW und der Allianz gesponserte Oracle Racing, bedeutet Platz zwei in den beiden heutigen Rennen, dass noch alles drin ist für den Gesamtsieg in Act 9. Das morgige Abschluss-Rennen muss die Entscheidung bringen.

Die Wettfahrten fanden unter strahlend blauem Himmel statt und wurden von einer gewaltigen Zuschauerflotte rund um das Regattafeld verfolgt. Die Windbedingungen waren die mittlerweile gewohnte Mischung aus Drehern und Druckunterschieden, die das Revier zu einer beständigen Herausforderung für die Afterguard machen.

"Dieses Revier ist wirklich nicht einfach zu segeln"
"Manchmal muss man risikoreiche Entscheidungen treffen und darauf hoffen, dass sie sich auszahlen", sagte Bertrand Pacé, Taktiker von BMW Oracle Racing. "Wir machen es so, auch Alinghi hat einen ähnlichen Stil - und diese beiden Teams stehen ganz oben. Emirates Team New Zealand verhält sich etwas konservativer und wendet öfter auf der Kreuz."

Die Luvtonne war heute in der Nähe der großen Insel westlich von Trapani gesetzt, erklärte Pacé. "Um die Insel herum oszillierte der Wind stark, so dass die Entscheidung, auf welchem Bug man die Kreuz beenden soll, eine extrem schwierige war."

Team Germany völlig aus dem Tritt
Wenig Glück mit den Entscheidungen an Bord hatte die deutsche Kampagne. Während an Land der Führungsstreit im Management eskalierte (siehe fürhere Tagesberichte), belegte Jesper Banks Segelmannschaft am Sonnabend auf dem Wasser in den beiden Wettfahrten des Tages den vorletzten und den letzten Rang. Ihr schlechtestes Tagesergebnis bisher — nachdem gestern noch alles so hervorragend gelaufen war.

Im Zwischenklassement rutschte United Internet Team Germany nach vier von fünf Rennen punktgleich mit zwei weiteren Teams auf Platz 7 unter zwölf Yachten zurück. Vorschiffsmann Geordie Shaver (USA) sagte am Abend: „Es gibt solche Tage und sie sind kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Wir haben eine recht junge Afterguard und die haben die Ergebnisse heute etwas schwer genommen. Sie sollten aber nicht zu deprimiert sein.“

Skipper Jesper Bank sagte selbstkritisch: „Ich fühle mich ein bisschen dumm, denn es war nicht nötig, dass wir heute teilweise ziemlich radikale Schläge gemacht haben.“

Mannschaft des Tages war in Trapani erneut die südafrikanischen Shosholoza mit dem Hamburger Boat Captain Tim Kröger. Mit Rang drei in der dritten Wettfahrt im Louis Vuitton Act 9 gelang den Cup-Neulingen der erste Podium-Platz seit Bestehen der Mannschaft.

Damit zahlte sich die harte Arbeit am Boot und mit der Crew aus. Auch im zweiten Rennen lagen die von T-Systems unterstützten Südafrikaner lange in Schlagdistanz zu den Besten hinter Alinghi und Oracle. Am Ende wurden sie Siebte und festigten damit Rang 4 in der vorläufigen Gesamtwertung des Acts.

Shosholozas Ehrengast Andrew Mlangeni, der als Wegbegleiter Nelson Mandelas ebenfalls 26 Jahre im Gefängnis auf Robben Island vor Kapstadt verbrachte, sagte in Trapani: „Dieses Team repräsentiert die Welt, an die ich immer geglaubt habe.“ Seit der 82jährige Shosholoza-Fan auf sizilien ist, stieg die Leistungskurve der Cup-Neulinge steil an. „Ich glaube, ich habe ein bisschen Magie aus Südafrika mitgebracht“, scherzte der sympatische Hobby-Golfer.

Trapani und seine Fans begeistern die Cup-Profis
Am Sonnabend konnten die America´s Cup-Organisatoren den einmillionsten Besucher in einem America´s Cup Park begrüßen, seit die Louis Vuitton Acts 2004 vor Marseille begonnen haben. Erneut strömten mehr als 100.000 Fans in die kleine sizilianische Hafenstadt. Gefeiert wurde an Land wie auf dem Wasser mit italienischer Passion.

Jochen Schümann sagt nicht umsonst: „Italien ist ein tolles Land für den America´s Cup.“

Louis Vuitton Act 9, Zwischenwertung nach Rennen 3 und 4

1 Alinghi - 46 Punkte *
-----------------------------------------------------------
2 BMW ORACLE Racing - 45 Punkte
3 Emirates Team New Zealand - 39 Punkte
4 Team Shosholoza - 32 Punkte
5 Desafio Espanol 2007 - 28 Punkte
6 Luna Rossa Challenge - 25 Punkte
7 United Internet Team Germany - 18 Punkte
8 Victory Challenge - 18 Punkte
9 +39 Challenge - 18 Punkte
10 Mascalzone Latino-Capitalia - 17 Punkte
11 China Team - 13 Punkte
12 K-Challenge - 12 Punkte

  • Als Cup-Verteidiger spielt Alinghi bei der Abschlussbewertung der Herausforderer keine Rolle, damit liegt BMW Oracle Racing in der Tabelle von Act 9 nominell in Führung

Meistgelesene Artikel