America's Cup

America's Cup: Die Neuseeländer schleifen den Hobel

Dieter Loibner

 · 03.08.2013

America's Cup: Die Neuseeländer schleifen den HobelFoto: Chris Cameron/ETNZ

Während sich Artemis und Luna Rossa ab Dienstag streiten, wer sich von den Kiwis vorführen lassen darf, testen diese ihr modifiziertes Boot

Am Schluss der Vorrunde war echt tote Hose beim Louis Vuitton Cup. Anscheinend wollte keines der drei Teams so richtig segeln. Die Kiwis nicht, weil sie es nicht nötig haben. Die Italiener nicht, weil sie langsam sind, und Artemis nicht, weil sie (noch) nicht können.

  Chris Draper (l.) von Luna Rossa und Nathan Outteridge am Steuer von Artemis wollen ab Dienstag für Unterhaltung sorgenFoto: Gilles Martin-Raget/ACEA
Chris Draper (l.) von Luna Rossa und Nathan Outteridge am Steuer von Artemis wollen ab Dienstag für Unterhaltung sorgen

Larry Ellisons Chef-Cheerleader Tom Ehman, der als Vizekommodore des gastgebenden Golden Gate Yacht Club über Facebook so manches realitätsferne Bonmot in Umlauf setzte, nannte letzte Woche so einen Tag, der mangels Interesse der Beteiligten kein Rennen zuließ, "a low-key day". Das könnte man natürlich auf vielerlei Art übersetzen, aber es reicht anzumerken, dass das von den Veranstaltern erhoffte und versprochene Spektakel immer noch auf sich warten lässt. Vielleicht sind Luna Rossa und Artemis einander im Leistungspotenzial ja ähnlich, womit ein gewisser Hoffnungsschimmer bestünde, dass bei den Semifinalwettfahrten auch so etwas wie Spannung aufkommen könnte. Ob das tatsächlich der Fall ist, wird sich ab Dienstag um 13.15 Uhr Ortszeit (22.15 Uhr MESZ) weisen.

Die Kiwis haben indes ihren Boliden über die vergangenen fünf Tage in alle Einzelteile zerlegt, auf Herz und Nieren geprüft, wohl auch modifiziert und wieder zusammengesetzt. Gestern liefen sie damit bei strammer Brise zum Testen aus. Artemis und Luna Rossa bewegten ihre Fahrzeuge ebenfalls, aber machten den Einkehrschwung Richtung Hafen, bevor der Wind typische San-Francisco-Stärke erreichte. Wie unterschiedlich die drei Teams segeln, zeigen die Bilder der Galerie.

  Artemis simuliert den ersten Bahnschenkel, der Richtung San-Francisco-Ufer führtFoto: Gilles Martin-Raget/ACEA
Artemis simuliert den ersten Bahnschenkel, der Richtung San-Francisco-Ufer führt

Was die Kiwis änderten, binden sie natürlich keinem auf die Nase, doch wenn man sieht, wie sie bei knappen 6 Windstärken ihren AC72 mit Kompetenz und Selbstvertrauen über die Bay peitschen und alles andere am Wasser dabei wie festbetoniert aussehen lassen, muss man in Bewunderung den Hut ziehen. Im Stillen muss man aber auch hoffen, dass sie vom Defekt- und Kenterteufel verschont bleiben, um für die unter normalen Umständen wohl unvermeidliche Begegnung mit Oracle beim eigentlichen Cup im September gerüstet zu sein.

Dieser Artikel wurde am Sonntag, den 4.8., um 18.20 Uhr ergänzt.

Vollgas bei Wind: Man sieht, die Kiwis sind für solche Verhältnisse gerüstetFoto: Chris Cameron/ETNZ
Vollgas bei Wind: Man sieht, die Kiwis sind für solche Verhältnisse gerüstet
Artemis im Hafen vor dem AuslaufenFoto: Sander van der Borch / Artemis Racing
Artemis im Hafen vor dem Auslaufen
ETNZ mit Alcatraz an Backbord. Wenig Gischt, viel GeschwindigkeitFoto: Chris Cameron/ETNZ
ETNZ mit Alcatraz an Backbord. Wenig Gischt, viel Geschwindigkeit
ETNZ rast optimal getrimmt am Friedhof des Presidio vorbei. Die gesamte Crew sitzt in Luv und arbeitet hochkonzentriertFoto: Chris Cameron/ETNZ
ETNZ rast optimal getrimmt am Friedhof des Presidio vorbei. Die gesamte Crew sitzt in Luv und arbeitet hochkonzentriert
Zum Vergleich die Italiener an gleicher Stelle mit Luvkrängung ...Foto: Gilles Martin-Raget/ACEA
Zum Vergleich die Italiener an gleicher Stelle mit Luvkrängung ...
... und Artemis mit guter Schwimmlage, aber am Boot verstreuten SeglernFoto: Gilles Martin-Raget/ACEA
... und Artemis mit guter Schwimmlage, aber am Boot verstreuten Seglern
Kein Red Bull und dennoch ein guter Flügel. Man beachte den Spalt zwischen den Flügelelementen, durch den Luft von der Luv- auf die Leeseite strömtFoto: Chris Cameron/ETNZ
Kein Red Bull und dennoch ein guter Flügel. Man beachte den Spalt zwischen den Flügelelementen, durch den Luft von der Luv- auf die Leeseite strömt
Das Kontrastprogramm der KonkurrenzFoto: Gilles Martin-Raget/ACEA
Das Kontrastprogramm der Konkurrenz
Die Replik des Schoners America, mit dem 1851 alles begannFoto: Gilles Martin-Raget/ACEA
Die Replik des Schoners America, mit dem 1851 alles begann
Vollgas bei Wind: Man sieht, die Kiwis sind für solche Verhältnisse gerüstetFoto: Chris Cameron/ETNZ
Vollgas bei Wind: Man sieht, die Kiwis sind für solche Verhältnisse gerüstet
Artemis im Hafen vor dem AuslaufenFoto: Sander van der Borch / Artemis Racing
Artemis im Hafen vor dem Auslaufen
Artemis im Hafen vor dem Auslaufen
ETNZ mit Alcatraz an Backbord. Wenig Gischt, viel Geschwindigkeit
ETNZ rast optimal getrimmt am Friedhof des Presidio vorbei. Die gesamte Crew sitzt in Luv und arbeitet hochkonzentriert
Zum Vergleich die Italiener an gleicher Stelle mit Luvkrängung ...
... und Artemis mit guter Schwimmlage, aber am Boot verstreuten Seglern
Kein Red Bull und dennoch ein guter Flügel. Man beachte den Spalt zwischen den Flügelelementen, durch den Luft von der Luv- auf die Leeseite strömt
Das Kontrastprogramm der Konkurrenz
Die Replik des Schoners America, mit dem 1851 alles begann
Vollgas bei Wind: Man sieht, die Kiwis sind für solche Verhältnisse gerüstet

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