America's CupDeutscher Cupper getauft

Carsten Kemmling

 · 14.06.2005

Das United Internet Team Germany nennt seinen ersten America’s-Cupper „GER-72“

Majestätisch ragte er hoch über die Köpfe der geladenen Gäste hinaus. Und hatte sich fein herausgeputzt, der erste deutsche America’s-Cupper: schneeweiß mit den strahlenden Logos vom United Internet Team Germany.

Als Kiels Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz das Boot heute (15. Juni) um 10 Uhr auf den Namen „GER-72“ taufte, zerbarst nicht nur eine Magnumflasche Champagner am Bug der 26-Meter-Segelrennyacht. Es war zugleich der Urknall für den Start der ersten deutschen Herausforderung in der 154-jährigen Geschichte der ältesten Sporttrophäe der Welt.

Denn ab Donnerstag (16. Juni) beginnen in der spanischen Hafenstadt Valencia die Qualifikationsregatten zum 32. America’s Cup 2007. „Mast- und Schotbruch und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel“, wünschte die Taufpatin traditionell und stand dabei in luftiger Höhe am aufgebockten Schiff. Kurz zuvor hatte Ralph Dommermuth, Vorstand der United Internet AG, das neue Outfit der Rennyacht enthüllt. „Nur knapp sieben Wochen nach unserem Projektstart in Berlin ist der Traum bereits Wirklichkeit geworden“, sagte der 41-jährige Unternehmer aus Montabaur stolz.

Dazwischen lagen „die kleinen Wunder von Elba und Valencia“. In Rekordzeit war die ehemalige Yacht „Mascalzone Latino“ auf der italienischen Insel umgebaut und nach Spanien verschifft worden, wo das Technikteam von Eberhard Magg das Boot in Tag- und Nachtarbeit segelfertig machte. Skipper Jesper Bank blieben danach nur sieben Trainingstage Zeit, sein 22-köpfiges Segelteam auf die erste große Bewährungsprobe vorzubereiten.

Der Däne aus Apenrade hat eine Crew aus gestandenen Profis mit Cup-Erfahrung und deutschen Aspiranten zusammengestellt, die in den Qualifikationsrennen Act 4 und 5 abwechselnd an Bord sein wird. „Wir haben nichts zu verlieren, denn wir sind die krassesten Außenseiter“, so der 48-Jährige. „Aber wir wollen uns in jedem Rennen so teuer wie möglich verkaufen.“

Das Ziel könne jedoch zunächst nur sein, das Boot sauber über die Bahn zu bringen und vielleicht in den Fleet-Races ab Freitag (24. Juni), wenn alle Boote gleichzeitig starten, nicht immer Letzter zu werden. Das sei kein Understatement und keine taktische Tiefstapelei, betonte Syndikatschef Uwe Sasse (München), „aber wir müssen realistisch bleiben. Das United Internet Team Germany ist an der Startlinie. Das allein ist schon ein Riesenerfolg.“

Am 29. April quasi erst in letzter Minute hatte Willy Kuhweide als Kommodore des Deutschen Challenger Yacht Clubs (DCYC) das deutsche Syndikat als offiziellen Herausforderer beim America’s Cup Management (ACM) gemeldet. Danach wurde in den Bereichen Technik, Sport und Management ein Netzwerk sondergleichen in Gang gesetzt. Sasse: „Ich danke dem gesamten Team für schier übermenschliche Leistungen, durch die wir heute wieder einen historischen Meilenstein in der noch jungen deutschen America’s-Cup-Geschichte setzen dürfen.“

Möglich wurde das durch das Hauptsponsoring der United Internet AG, deren Portale GMX und 1&1 als bekannteste Marken eines umfangreichen Portfolios auch intensiv in die America’s-Cup-Berichterstattung im Internet einsteigen werden. „Segeln als Hightech-Sport und unser Internet-Business passen ideal zusammen. Die Zielgruppen sind weitgehend identisch“, erklärte Dommermuth, der selbst Hobbysegler ist. Sein privates Engagement geht über das Sponsoring hinaus und sichert der Mannschaft um Jesper Bank die finanzielle Grundlage für die angestrebte Halbfinalteilnahme in zwei Jahren.

Bis dahin heißt es Training, Training und nochmals Training. Nach den ersten Regatten in Valencia steht ein bedeutsamer Umzug an: Kiel wird deutscher Heimathafen für das United Internet Team Germany. Anfang/Mitte Juli zieht der Tross in die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt und trainiert dort mit zwei Booten für die Acts 6 und 7 in Malmö/Schweden (25. August bis 4. September) und Act 8 und 9 im italienischen Trapani (29. Oktober bis 9. November) auf Sizilien.

„Das ist eine Riesensache für Kiel-Sailing-City“, so Angelika Volquartz, „das wird ein Sympathie- und Werbeträger für den gesamten deutschen Segelsport.“ Entscheidenden Anteil am Bündnis Kiels mit dem United Internet Team Germany hatte Dr. Klaus Murmann. Der Unternehmer und erfolgreiche Segelsportler ist zugleich Hauptgesellschafter der Knierim Yachtbau GmbH. Auf der Werft wird nicht nur das deutsche Basislager eingerichtet, sondern bis 2006 auch die neue Yacht für den 32. America’s Cup 2007 gebaut. „Eine deutsche Kampagne muss auch in Deutschland einen Platz haben“, betont Dr. Murmann, „und in Deutschland kommt dafür aus meiner Sicht nur Kiel in Frage.“

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