America's CupDeutsche „Bravehearts" souverän im Flautenpoker

YACHT Online

 · 28.09.2005

Team Germany sichert ersten Sieg in hochanspruchsvollem Rennen gegen Mascalzone Latino

Das Team Germany hat bei den Vorregatten zum America´s Cup den ersten Sieg verbucht. Nach der Auftakt-Niederlage gegen das hochfavorisierte US-Team BMW Oracle Racing am Donnerstag Mittag gelang Skipper Jesper Bank (Dänemark) und seiner Crew am späten Nachmittag ein eindrucksvoller Sieg gegen Mascalzone Latino.

Die Mannschaft auf der GER-72 deklassierte ihre italienischen Gegner mit
9.46 Minuten Vorsprung im Ziel. Bei leichten unsteten Winden und taktisch
höchst anspruchsvollen Bedingungen blieb die italienische Yacht gleich zwei Mal in Flautenlöchern stecken, während die GER-72 die Problemzonen erfolgreich umschiffte.

„Das ist Matchrace", sagte Jesper Bank am Abend in Trapani, „das Rennen gegen Mascalzone war was für Bravehearts, denn plötzlich kämpften zwei Windsysteme gegeneinander. Man musste gut aufpassen, nicht zwischen ihnen zu landen. Den Italienern ist das gleich zwei Mal passiert."

Entsprechend positiv klang die Zwischenbilanz des Doppel-Olympiasieger: „Im ersten Rennen hat uns die Tide knapp über die Linie gedrückt. Insgesamt aber ist das Boot bei diesen leichten Winden sehr gut gelaufen. Derzeit sind wir stark bei unter 10 undüber 20 Knoten. Auch
an Bord haben wir dieses Mal fast alles richtig gemacht. Unser Konzept, vor dieser Serie nichts mehr zu ändern und das Spiel simpel zu halten, war genau richtig. Die Mannschaft hatte gestern sogar einen Tag frei. Das
Selbstvertrauen ist da."

Das bestätigte Jochen Schümanns ehemaliger Soling-Vorschoter Gunnar Bahr, der auf der GER-72 als Runner Grinder im Einsatz ist: "Dieser Sieg war wichtig für uns, denn die Italiener zählen zu jenen, mit denen wir uns aktuell zu messen haben."

Für die Überraschung des Tages sorgte die französische K-Challenge, der ein Sieg über das favorisierte Emirates Team New Zealand gelang. Ungeschlagen beendeten die Schweizer Cup-Verteidiger vom Team Alinghi, die italienische Luna Rossa Challenge, BMW Oracle Racing (USA) und die schwedische Victory Challenge den ersten Renntag, während die Deutschen und das Emirates Team New Zealand einen Sieg holten. Die fünf anderen Teams blieben sieglos.

Als die Cup-Yachten am Abend von ihren Bahnen zurückkehrten, standen wieder rund 1000 Fans an den Ufern, um sie zu begrüßen. Die achte Vorregatta zum America´s Cup wird am Freitag mit zwei weiteren Matchrace-Durchgängen fortgesetzt.

Das Team Germany trifft am Mittag auf das heute angeschlagene Emirates Team New Zealand, am Nachmittag auf die südafrikanische Shosholoza. „Wenn wir drei Punkte haben wollen", so Jesper Bank, „dann brauchen wir den gegen Shosholoza auch. Das ist die rein statistische Sichtweise. Für Shosholoza gilt natürlich das Gleiche."

Der Hamburger Segelprofi Tim Kröger, Boat Captain auf Shosholoza und guter alter Soling-Bekannter Banks, gab die „Liebesgrüße" prompt zurück: „In Valencia haben wir einen sicheren Sieg gegen die Deutschen durch einen dummen Fehler kurz vor dem Ziel verschenkt. In Malmö konnten wir gar nicht erst gegen Team Germany antreten, weil wir das Großsegel nicht setzen konnten. Ich habe viele Freunde an Bord der GER-72, doch das wird morgen auf dem Wasser ausgeblendet. Wir sind wirklich heiß auf den Punkt im Duell mit Team Germany."

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