America's CupDer Ursprung des neuen Unmuts

Tatjana Pokorny

 · 19.06.2014

America's Cup: Der Ursprung des neuen UnmutsFoto: YACHT/Jen Edney

Der America's-Cup-Verteidiger hat – nicht zum ersten Mal – ein Glaubwürdigkeitsproblem. Mit dem neuen Protokoll widerspricht man sich selbst

  Not amused, aber immer noch kampflustig: Team New Zealands Boss Grant DaltonFoto: Gilles Martin-Raget/ACEA
Not amused, aber immer noch kampflustig: Team New Zealands Boss Grant Dalton

Natürlich ist es an vorderster Front die neuseeländische Tageszeitung New Zealand Herald, die den ungeliebten amerikanischen Cup-Verteidigern wie in einer Beweisaufnahme Schritt für Schritt ein hohes Maß an Unglaubwürdigkeit nachweist. Team New Zealand kämpft in diesem Monat ums Überleben im Cup-Geschäft. Teamchef Grant Dalton und seiner Mannen wollen unbedingt das im so bitter knapp verlorenen 34. Cup-Duell erworbene Wissen in die Folgeauflage tragen und die Trophäe ins Land der langen weißen Wolke zurückbringen. Doch das wird ihnen und allen anderen Herausforderern schwerer denn je gemacht. Anstoß des Ärgers ist das aktuelle Cup-Protokoll, in dem die Grundregeln für den 35. America's Cup festgelegt sind. In der internationalen Segelwelt wird nicht nur dessen Einseitigkeit zugunsten der Herausforderer heftig diskutiert, sondern auch die gedankliche Kehrtwende der Protokoll-Urheber attackiert.

Um den aktuellen Unmut in der Cup-Welt zu verstehen, ist ein Rückblick auf die Zeit nach Alinghis Sieg im 32. Jubel-Cup 2007 in Valencia mit damals zwölf Teams aus neun Ländern notwendig. Die Freude über die neue internationale Strahlkraft des Cups endete damals jäh, als das auf dem Wasser geschlagene Team BMW Oracle Racing und sein Golden Gate Yacht Club die siegreichen Eidgenossen vor Gericht zerrten. Ein Blick auf die damals von den Amerikanern vorgeschobenen Gründe für das jahrelange Lahmlegen des Cups zeigt, warum die Verärgerung über die Verteidiger in der Cup-Welt derzeit groß ist und weiter wächst. Coutts und Co. hatten damals angeboten ihre Klage zurückzuziehen, wenn Alinghi einigen grundlegenden Forderungen und damit Änderungen des Protokolls für den 33. America's Cup entsprechen würde.

  An den Schalthebeln der Macht im Cup: Russell CouttsFoto: ACEA
An den Schalthebeln der Macht im Cup: Russell Coutts

So wollten die Amerikaner zwar dem Verteidiger die geplanten zwei Boote zugestehen, sie dann aber auch allen Herausforderern erlaubt wissen. Der Verteidiger (Alinghi) sollte durchaus an der Herausfordererserie teilnehmen dürfen, doch die Ergebnisse sollten nicht zählen. Entscheidungen, die das Regattageschehen der Herausforderer betreffen, sollten nicht nur vom Challenger of Record, sondern von allen Herausforderern gemeinsam getroffen werden. Der Regattadirektor und zwei weitere Gremiumsmitglieder sollten in Übereinstimmung von Verteidiger und allen Herausforderern ausgewählt werden. Alinghi hatte diese Forderungen der Amerikaner damals abgelehnt und unterlag ihnen in der Folge erst vor Gericht, später im ungleichen Trimaran-Katamaran-Duell auch auf dem Wasser.

Sechs Jahre später verlangen nun dieselben amerikanischen Verteidiger mit ihrem neuseeländischen CEO Russell Coutts unter ihrem aktuellen Namen Oracle Team USA im Rahmen ihres neuen Protokolls für den 35. America's Cup eben jene Zugeständnisse, die sie Alinghi damals partout nicht einräumen wollten. So schnell kann sich die Cup-Welt drehen. Und ebenso schnell kann die Faszination am America's Cup einer Negativhaltung weichen, die für die ohnehin nur wenigen interressierten Teams existenzbedrohende Folgen hat. Nicht nur in Neuseeland wird bezweifelt, dass der 35. America's Cup Siegchancen für Herausforderer bietet. Neuseelands Premierminister John Key ließ gar verlauten, er habe das Gefühl, dass das Interesse in der Öffentlichkeit seines Landes abflaue. Den Grund dafür nannte er in einem Gespräch mit dem New Zealand Herald: "Ich glaube, es gibt so einige Leute, die sagen 'Wir mögen die Tatsache nicht, dass es ein Sport ist, in dem der Gewinner die Regeln bestimmt"." Nun war Letzteres im America's Cup historisch schon immer der Fall.

  Cup-Kritiker Jochen SchümannFoto: YACHT / N. Krauss
Cup-Kritiker Jochen Schümann

Doch nicht nur Jochen Schümann sagt: "So schlimm wie die Amerikaner jetzt hat es noch keiner mit dem Cup getrieben." Die Meldefrist für den 35. America's Cup läuft bereits am 8. August ab. Voraussichtlich werden bis dahin weder der Austragungsort für das Cup-Duell noch viele andere essentielle Informationen bekannt sein. Die Zahl der Meldungen wird ein Hinweis darauf sein, wie populär und wie machbar ein Cup-Engagement mit siegfähigen Budgets von 100 Millionen Euro und mehr den interessierten Cup-Jägern in aller Welt noch erscheint.

  Glaubt trotz allem an eine historische Chance für sein britisches Team: Englands Segelstar Sir Ben AInslie und sein Herausforderer-Team Ben Ainslie Racing – hier mit der Herzogin von Camebridge als UnterstützerinFoto: BAR/Lloyd Images
Glaubt trotz allem an eine historische Chance für sein britisches Team: Englands Segelstar Sir Ben AInslie und sein Herausforderer-Team Ben Ainslie Racing – hier mit der Herzogin von Camebridge als Unterstützerin

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