America's CupDer Flügel ist der Schlüssel

Tatjana Pokorny

 · 11.02.2010

America's Cup: Der Flügel ist der SchlüsselFoto: Guilain Grenier

Jubel im US-Lager – BMW Oracle Racing deklassiert Alinghi im Auftaktmatch

Die Masken sind gefallen, die Vorherrschaft auf dem Cup-Kurs sicherte sich zum Auftakt Herausforderer BMW Oracle Racing. Die Amerikaner "flogen" über den 40-Seemeilen-Kurs, gewannen das erste Match mit 15 Minuten, 28 Sekunden und knapp vier Kilometern Vorsprung.

Die Zahlen sprechen für sich: Nach verpatztem Start ging der Trimaran "USA" bei mäßiger Brise um sechs bis zehn Knoten mit 660 Metern Rückstand auf Alinghis Katamaran ins Rennen. Die Wendemarke rundeten die Amerikaner nach eindrucksvoller Aufholjagd und elegantem Überholmanöver bereits mit eineinhalb Kilometern Vorsprung. Im Ziel trennten die Siegerin "USA" und "Alinghi" schließlich knapp vier Kilometer. Erst 15 Minuten und 28 Sekunden nach den Siegern konnten auch die Eidgenossen die Ziellinie kreuzen, die zunächst noch ihren Strafkringel zu absolvieren hatten, diesen aber richtig beendeten und erst im zweiten Anlauf das Rennen korrekt beendeten.

Die zuvor zweimal abgesagte erste Begegnung zwischen dem Katamaran «Alinghi 5» und dem Trimaran «USA» mit seinem kraftvollen Kohlefaserflügel hatte spektakulär begonnen. Weil sie sich nicht korrekt freigehalten hatten und der gegnerische Steuermann James Spithill die Schweizer gekonnt zum Fehlmanöver zwang, kassierten die Schweizer bereits in der Vorstartphase einen Strafkringel. "Der war nicht gerade zwingend", kommentierte der zweimalige America's Cup-Sieger Jochen Schümann die aus seiner Sicht überzogene Maßnahme, "schließlich war es sowohl für die Schiedsrichter als auch für die Segler das erste Aufeinandertreffen zweier solcher Boote..." Als der Startschuss fiel, patzten jedoch auch die Amerikaner, blieben wie ein gestrandeter Wal jenseits der Linie liegen und konnten keine Fahrt aufnehmen. Erst nach einer Minute und 45 Sekunden startete die Mannschaft von «USA»-Eigner Larry Ellison ihre unwiderstehliche Aufholjagd.

Mit wesentlich besserer Geschwindigkeit egalisierte das US-Team den Rückstand schnell, ging in Führung und baute diese bis ins Ziel konsequent aus. Die Eidgenossen dagegen wirkten im Verlauf des Rennens chancenlos, absolvierten ihren Strafkringel kurz vor dem Ziel und verloren ihr erstes America’s Cup-Rennen in der zehnjährigen Alinghi-Erfolgsgeschichte.

Das Ergebnis dieses Duells nach den Regeln der Cup-Stiftungsurkunde erinnert an das letzte „Deed of Gift“-Match 1988. Damals gewann mit der US-Yacht „Stars & Stripes“ ebenfalls ein Mehrrümpfer, der als erste Cup-Yacht mit einem Kohlefaserflügel in das ungleiche Duell gegen den neuseeländischen Monohull „KZ 1“ startete und 2:0 gewann. Dabei erreichte der kleine Katamaran „Stars & Stripes“ die Ziellinie einmal mit 18:15 Minuten, einmal mit 21:10 Minuten Vorsprung.

Die überlegene Vorstellung der Amerikaner vor Valencia kommt für viele Beobachter nicht überraschend. Auch Jochen Schümann hatte vor dem Rennen ein klares 2:0 prophezeit — für eines der beiden Teams. „Nun ist das Ergebnis vielleicht nicht nach meinen persönlichen Wünschen ausgefallen, aber wie vorhergesagt. Da werden heute im Team Alinghi einige Köpfe hängen, dass sie ausgerechnet in ihrer Schokoladendisziplin auf Mehrrümpfern so geschlagen werden. Die Amerikaner haben ganz offensichtlich einfach zehn Prozent mehr Horsepower zu bieten.“

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