America's CupDas war Act 8

Carsten Kemmling

 · 04.10.2005

Analyse der überraschenden Ergebnisse in Trapani

Die Querelen um das Deutsche Team konnten den interessierten Betrachter fast übersehen lassen, dass die vergangenen sechs Tage der bisherige Höhepunkt der Vorregatten zum America’s Cup waren.

Allein die spektakulären Bilder von Cuppern in großen Wellen sind einmalig. Teams berichteten, vor dem Wind nur unter Großsegel 19 Knoten im Surf erreicht zu haben. Man wird sich danach zurücksehnen, wenn die Schiffe vor Valencia wieder auf die verlässliche, aber wenig eindrucksvolle Seebrise warten.

Es wurde deutlich, dass besonders die kleineren Teams mit den teilweise harten Bedingungen Probleme hatten. So dachte +39-Steuermann Ian Percy schon, sein betagtes Schiff — die alte „be happy“ von Alinghi — würde auseinander brechen, als sie beim Abfallen kreischende Geräusche von sich gab. „Wie eine Katze im Todeskampf — so etwas habe ich noch nie gehört. Als wenn irgendwo im Schiff Carbonfasern reißen würden.“

Aber das Schiff brach vorerst nicht auseinander. Dafür rissen insgesamt 15 Spinnaker. Allein drei davon auf dem deutschen Schiff. Spinnakerbäume knickten, Großbäume und unzählige Beschläge versagten die Funktion. Achtmal konnten Teams ihre Rennen nicht beenden.

Auf der anderen Seite gab es aber auch Flautentage mit umlaufenden Winden, die für extreme Spannung sorgten. Mehrfache Führungswechsel und extrem knappe Rennausgänge waren die Folge. Besonders die kleinen Teams bekamen so ihre Chance.

Der größte Nutznießer waren die Franzosen vom K-Challenge-Team mit dem zweitältesten Boot der Flotte. Sie siegten gegen die Neuseeländer, von denen sie die Siegeryacht von 2000 geleast haben, sowie gegen Alinghi. Darüber hinaus gelangen Steuermann Thierry Peponnet fünf weitere Siege und Gesamtplatz fünf.

Ein Ergebnis, das ihnen sicher nicht bei den konstanten Bedingungen in Valencia gelungen wäre. Aber es bewahrte die Acts vor Langeweile.

Der sehr variable Wind ist auch die Erklärung dafür, dass Alinghi am letzten Tag nach 31 Matchrace-Siegen in Folge erstmals zwei Rennen verlor. Das Team um Jochen Schümann hatte bisher wenig Schwierigkeiten mit der Konkurrenz.

Nach dem Wechsel von Cupsieger SUI 64 auf SUI 75 schienen die Schweizer noch schneller geworden zu sein. Die Experten sind sich einig, dass das zur Version 5 umgebaute Design offenbar gelungen ist.

Aber wenn der Wind um 30 Grad dreht, ist es manchmal besser, langsam in die richtige Richtung zu segeln als schnell in die falsche. Ed Baird, der in Trapani erstmals das Ruder übernommen hatte, dürfte wenig Schuld an den beiden Niederlagen haben. Denn die wichtigen Entscheidungen wurden in der Afterguard von Brad Butterworth und Jochen Schümann getroffen.

„Wir sind ziemlich enttäuscht, die zwei Rennen verloren zu haben. Wir machten es wie geplant und wurden trotzdem geschlagen“, sagte Baird, einer der letzten Neuzugänge bei Alinghi. Der erfahrene Matchrace-Weltmeister hatte im Dezember 2004 den Vorzug gegenüber Laser-Star Robert Scheidt bekommen.

Besonders schmerzte die herbe Niederlage gegen BMW Oracle Racing mit einer Minute und neun Sekunden Abstand. Sonst wäre Chris Dickson erneut stark unter Druck geraten. Denn der vermeintliche stärkste Herausforderer überzeugte ein weiteres Mal nicht nach knappen Niederlagen gegen die Schwergewichte Team New Zealand und Luna Rossa. Larry Ellison war diesmal nicht an Bord. Aber mit Platz vier gibt er sich trotz Punktegleichstand sicher nicht zufrieden.

Die Ergebnisliste von Trapani mag täuschen. Sie gibt nicht das tatsächliche Kräfteverhältnis wieder, weil die Windbedingungen stark variierten. Aber so richtig spannend wird es sowieso erst, wenn Anfang nächsten Jahres die ersten neuen Schiffe schwimmen. Dann wird sich zeigen, wer seine Hausaufgaben gemacht hat.

Derweil sind beim Fleetrace von Freitag bis Sonntag weitere Überraschungen möglich. Dann kann auch das deutsche Team noch einmal zeigen, was drin ist. Bei den Segelduellen wurde Jesper Bank deutlich unter Wert geschlagen

Ergebnisse von Trapani, Act 8

1. Alinghi (SUI 75), 9 pts
2. Emirates Team New Zealand (NZL 82), 9 pts
3. Luna Rossa Challenge (ITA 74), 9 pts
4. BMW Oracle Racing (USA 76), 9 pts
5. K-Challenge (FRA 60), 7 pts
6. Victory Challenge (SWE 63), 6 pts
7. +39 Challenge (ITA 59), 4 pts
8. Desafio Español (ESP 67), 4 pts
9. Mascalzone Latino-Capitalia Team (ITA 77), 3 pts
10. Team Shosholoza (RSA 83), 3 pts
11. United Internet Team Germany (GER 72), 2 pts
12. Team China (CHN 69), 1 pt

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