America's CupDas Aus für San Francisco?

Tatjana Pokorny

 · 09.06.2014

America's Cup: Das Aus für San Francisco?Foto: AC / G. Martin-Raget

Die Verteidiger haben die Liste möglicher Austragungsorte für den 35. America's Cup auf drei reduziert. Das Aus für den eigenen Heimathafen?

  Bleibt es beim Einmal-Einsatz in der Bucht von San Francisco?Foto: americascup.com
Bleibt es beim Einmal-Einsatz in der Bucht von San Francisco?

War's das schon für San Francisco? Die Verteidiger haben ihre Kandidatenliste möglicher Austragungsorte für den 35. America's Cup von vier auf drei Reviere reduziert. Das bestätigte America's-Cup-Gewinner Russell Coutts der amerikanischen Presseagentur Associated Press (AP). Nach AP-Informationen hat es in der Elimination ausgerechnet den Heimathafen von Larry Ellisons Rennstall Oracle Team USA und dessen Golden Gate Yacht Club erwischt. AP wähnt San Francisco aus dem Rennen. Eine große Überraschung ist diese Entscheidung allerdings trotz der am Ende der 34. Cup-Auflage gesehenen spektakulären Cup-Duelle nicht.

Noch im Rennen sind der Geheimfavorit Chicago, das ehemalige und für flaue Windbedingungen bekannte Cup-Revier vor San Diego und die entlegenen Bilderbuch-Gewässer Bermudas. Zwei der Kandidaten äußerten sich bislang nicht zur aktuellen Entscheidung der Verteidiger. Chicago berief sich dabei auf ein Geheimhaltungsabkommen mit den Cup-Inhabern. Lediglich San Diego bestätigte, auch weiterhin zum geschrumpften Kreis der hoffnungsfrohen Kandidaten im Poker um die Cup-Rechte zu zählen.

  Mit den kleineren Katamaranen vom Typ AC45 hatten die Cup-Verteidiger im Vorwege der 34. Auflage im Rahmen der America's Cup Weltserie schon einmal zum Tanz vor San Diego gebeten. War es damals schon ein Test für heute?Foto: Gilles Martin-Raget/ACEA
Mit den kleineren Katamaranen vom Typ AC45 hatten die Cup-Verteidiger im Vorwege der 34. Auflage im Rahmen der America's Cup Weltserie schon einmal zum Tanz vor San Diego gebeten. War es damals schon ein Test für heute?

San Francisco war 2013 Gastgeberstadt der 34. Cup-Auflage, deren Verlauf von zu wenigen Teilnehmern (ursprünglich waren bis zu 15 erhofft, drei traten schließlich an), mangelndem Zuschauerinteresse über weite Strecken, der Tragödie um den bei einem Trainingsunfall ertrunkenen Olympiasieger Andrew Simpson und erst am Ende vom zweiwöchigen spektakulären Duell zwischen den Verteidigern und Emirates Team New Zealand geprägt war. Schon damals hatte nicht nur das Stadtmagazin San Francisco Weekly die Beziehungen zwischen der Stadt und Oracle-Team-USA-Rennstallbesitzer Larry Ellison als "asymmetrisch" bezeichnet.

Wirtschaftsexperten, Stadtvertreter und Cup-Verteidiger hatten sich im Vorwege des 34. Duells um die wichtigste Silberkanne im internationalen Segelsport und während der Verhandlungen zwischen San Francisco und den Rechteinhabern allerlei verlockene Szenarien ausgemalt. Geträumt wurde von einem warmen Geldregen in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar für die Region. Etwa 8800 neue Jobs sollten entstehen und bis zu 2,6 Millionen Besucher in die kalifornische Hafenstadt strömen. Nichts davon hat sich bewahrheitet. Am Ende des 34. America's Cup stand die Stadt mit einem Minus von etwa 11 Millionen US-Dollar da, von denen die Steuerzahler knapp die Hälfte zu tragen hatten. Es ist also nachvollziehbar, das San Francisco eine Neuauflage des nervenaufreibenden Spektakels zwischen Alcatraz und Golden Gate Bridge nicht um jeden Preis anstrebt. Lange schon gehen Cup-Experten davon aus, dass San Franciscos Angebot deutlich unter dem der Mitbewerber liegt.

  Hier feiern Francesco Bruni und sein italienisches Team Luna Rossa den Sieg beim Bermuda Gold Cup. Segler lieben das Traumrevier, das näher an Europa liegt als andere amerikanische Austragungsorte. Es wäre allerdings eine Premiere, wenn die Amerikaner den Cup nicht in US-Gewässern verteidigen würden. Bermuda ist ein britisches Überseegebiet, über dessen Wahl sich einer vermutlich ganz besonders freuen würde: Englands Segelsuperstar Ben Ainslie führt ein britisches Cup-Team in den Kampf um die SilberkanneFoto: onEdition/WMRT2013
Hier feiern Francesco Bruni und sein italienisches Team Luna Rossa den Sieg beim Bermuda Gold Cup. Segler lieben das Traumrevier, das näher an Europa liegt als andere amerikanische Austragungsorte. Es wäre allerdings eine Premiere, wenn die Amerikaner den Cup nicht in US-Gewässern verteidigen würden. Bermuda ist ein britisches Überseegebiet, über dessen Wahl sich einer vermutlich ganz besonders freuen würde: Englands Segelsuperstar Ben Ainslie führt ein britisches Cup-Team in den Kampf um die Silberkanne

Bis Ende Juni – auch das bestätigte Russell Coutts – soll die Kandidatenliste um einen weiteren Bewerber auf zwei mögliche Austragungsorte zusammengestrichen werden. Das Revier mit den erprobt herausragenden Segelbedingungen aber ist offenbar bereits aus dem Rennen.

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