America's CupCoutts und Bertarelli vor der Scheidung

Carsten Kemmling

 · 20.06.2004

Bei der UBS Trophy zwischen Alinghi und BMW Oracle in Newport bestätigen sich die Gerüchte über ernsthafte Differenzen zwischen Alinghi-Skipper Russell Coutts und Ernesto Bertarelli

Zuerst gab es nur Gerüchte, die keiner glauben mochte. Besonders, weil sie von einer Website namens sailinganarchy aufgebracht wurden. Aber am Wochenende bestätigten sie sich bei der Neuauflage des Louis-Vuitton-Cup-Finales in Newport zwischen BMW Oracle und Alinghi. Russell Coutts steht auf Kriegsfuß mit seinem Arbeitgeber.

Eigentlich sollte er SUI 64 zu einem erneuten Sieg gegen die Amerikaner führen. Und mit dem Hinweis darauf wies Alinghi-Sprecher Bernhard Schopfer am Samstag noch jeglichen Kommentar zum Thema zurück: "Alinghi kommentiert nur Tatsachen und keine Spekulationen. Und es ist eine Tatsache, dass Russell mit dem Team segeln wird." Aber das war falsch. Der vielleicht beste Segler der Welt tauchte zwar auf der Crewliste auf, erschien aber nicht an Bord.

Ernesto Bertarelli sagte dazu: "Wir haben gehofft, dass er steuern würde. Ich fragte ihn, als wir das Dock verließen, und ich fragte ihn erneut, als er auf dem Begleitboot war. Aber schließlich entschied er, nicht steuern zu wollen. Deshalb werden wir in dieser Woche Peter und Jochen vertrauen." Auf die Frage, was das für Russell bedeutet, antwortete Bertarelli: "Das sollte man besser ihn fragen."

Aber der Star-Skipper sagte nur, dass er das Team schon vor einem Monat über seine Abwesenheit auf dem Boot informiert habe. Der Grund: das Cup-Protokoll, das den Wechsel von Seglern zu anderen Teams unterbinde, sobald sie zu sehr in Design-Geheimnisse eingeweiht seien. Offenbar will sich der Neuseeländer nicht der Möglichkeit berauben, zu einem anderen Team zu wechseln.

Die britische Zeitung Sporttelegraph zitiert ihn mit den Worten, er fühle sich "nicht wirklich" an diese Wechsel-Regel des Protokoll gebunden. Sie beziehe sich darauf, dass Mitglieder des Design-Teams nicht wechseln dürfen. "Ich war aber nicht beim Design-Team, sondern ich habe mich vornehmlich mit dem Marketing und der Akquise von Sponsoren beschäftigt."

Über die genauen Gründe für die Differenzen kann nur spekuliert werden, weil beide Seiten bisher nicht offiziell dazu Stellung genommen haben. So hat Coutts nie ein Hehl daraus gemacht, dass er Lissabon als neuen Austragungsort favorisierte, um Starkwindrennen wie 1987 vor Fremantle zu sehen. Außerdem tendierte er für 2007 zu deutlich radikaleren Designs. Er wollte sie durch ein möglichst enges Vermessungs-Konzept erschwinglich machen. Aber nach der Teilung zwischen Alinghi-Segelteam und Americaf's-Cup-Management hatte er mit der Gestaltung des neuen Cups weniger zu tun, als ihm lieb war.

Die Frage ist, ob sein Vertrag eine Möglichkeit zum Ausstieg bietet. Es heißt, dass seine Anwälte alle Möglichkeiten prüfen. So kann es dazu kommen, dass er wie seinerzeit Paul Cayard von Larry Ellison für die Dauer des nächsten Cups kalt gestellt wird. Eine andere Frage ist, wie der Rest seines Teams, das er 2000 vom Team New Zealand in die Schweiz gebracht hat, zu ihm steht.

Sollte es ihm nach wie vor treu ergeben sein, so wäre es das Ende der Alinghi-Erfolgsgeschichte. Brad Butterworth war ebenfalls nicht in Newport auf dem Boot. Das lag allerdings an einem gebrochenen Knöchel, den er sich bei einem Autounfall in Newport zugezogen hat. Mit im Auto saß Dawn Riley, eine der Führungspersönlichkeiten im französischen Team K-Challenge.

Auf der anderen Seite ging BMW Oracle mit einer weiteren erstklassigen Verpflichtung an die Öffentlichkeit. Der ehemalige New-Zealand-Taktiker Bertrand Pacé wird in Zukunft für das Team tätig sein. Damit wird es im Achterschiff von Larry Ellisons Boot langsam eng.

Angesichts dieser Top-Meldungen aus dem America's Cup wurde das Geschehen auf dem Wasser in Newport fast zur Nebensache. Peter Holmberg und Jochen Schümann gingen erst mit zwei Siegen in Führung, mussten dann aber am Sonntag den Ausgleich zum 2:2 hinnehmen. Heute fällt die Entscheidung im Pro Race. Ab Mittwoch treten Larry Ellison und Ernesto Bertarelli gegeneinander an.

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