America's CupBleibt BMW an Bord?

Tatjana Pokorny

 · 12.02.2010

America's Cup: Bleibt BMW an Bord?Foto: BMW

Die Bayerischen Motorenwerke prüfen ihre Optionen

Mit ihrem Team BMW Oracle Racing sind die Münchner Autobauer seit 2002 durch dick und dünn gegangen, zuletzt durch ein tiefes Tal juristischer Streitigkeiten. Yacht online sprach nach dem 1:0 und vor dem möglichen Cup-Triumph mit Sportmarketingleiter Ralf Hussmann über BMWs Zukunft im Cup.

Glückwunsch zum ersten Punkt für Ihr Team im 33. Duell um den America’s Cup, Herr Hussmann. Bis hierhin war es ein langer, oft steiniger Weg. Können Sie sich an Ihre Anfänge als Teampartner erinnern?

Hussmann:

Was war damals Ihre Erkenntnis — wie hatten Sie sich den Weg zum 33. America’s Cup vorgestellt?
Hussmann: Wir haben irgendwann erkannt, dass der Rechtsstreit für eine bessere Zukunft des America’s Cup geführt werden muss. Wir haben unser Engagement entsprechend angepasst, denn das müssen wir gegenüber dem Unternehmen und unseren Kunden vertreten können. Wir haben uns mit Ingenieuren wieder an der Konstruktion des Bootes und des Flügelsegels beteiligt und zudem sehr kurzfristig den notwendigen Motor geliefert.

Nun dominiert Ihr Team Titelverteidiger Alinghi auf dem Wasser zum Auftakt eindrucksvoll...
Hussmann: ... trotzdem hat sich mit dem ersten Sieg nicht viel geändert. Natürlich sind wir als Technologiepartner etwas stolz darauf, dass wir zum Erfolg beitragen konnten. Wir sind dem großen Ziel ein bisschen näher gekommen.

Sie selbst haben dem Cup in den letzten Wochen auch „desaströse Zustände“ attestiert. Werden Sie die Partnerschaft fortsetzen, wenn Ihr Team den 33. America’s Cup gewinnt?
Hussmann: Wir können erst dann über die Fortsetzung unseres Engagements entscheiden, wenn die Stabilität des Cups wieder hergestellt ist. Dass der America’s Cup schon immer schwieriger war als Motor- oder Golfsport, hat andererseits auch immer einen Teil seiner Magie ausgemacht. Wir werden dem Team Zeit lassen, eine vernünftige Basis zu schaffen.

Welche Probleme hat der America’s Cup aus Ihrer Sicht?
Hussmann: Was für den 32. America’s Cup zwischen 2004 und 2007 initiiert wurde, hatte viele interessante und richtige Komponenten. Das Hauptproblem ist, dass der Cup zuletzt oft mit der Formel 1 des Automobilrennsports verglichen wurde. Das ist möglicherweise ein Fehler. Viele Beteiligte wähnten sich auf einem Niveau mit der Formel 1. Doch die Formel 1 ist dem Cup in Sachen Reichweite und Wertebildung immer noch weit überlegen. Als der Cup 2003 nach Europa ging, herrschte eine Art Goldgräberstimmung. Dabei hat man vielleicht ein paar Dinge übersehen, und die Entscheidung für eine Live-Übertragungen war sicherlich nicht ideal. Darauf haben wir schon hingewiesen, bevor die Flaute viele Pläne platzen ließ. Die damaligen Rechteinhaber von TWI sind zu den Sendern gegangen, haben Millionen für die Rechte gefordert und sind damit weitgehend gescheitert. Wir hatten im Vorfeld darauf hingewiesen, zunächst den Wert solcher Fernsehrechte aufzubauen. Man kann von den Sendern nicht so viel Geld verlangen, wenn sie darüber hinaus noch selbst für Übertragungen, Personal und die Bereitstellung von Sendeplätzen tief in die Tasche greifen müssen: Rechte kann man erst verkaufen, wenn das Angebot stimmt. Und ich gehe sogar noch weiter: Aus meiner Sicht hätte man zwischen 2004 und 2007 Fernsehzeiten kaufen müssen.

Wer hätte das bezahlen sollen?
Hussmann: Das damalige Management ACM hat im 32. America’s Cup etwa einen hohen zweistelligen Millionengewinn erwirtschaftet und diese Summe nach einem zuvor vereinbarten Schlüssel mit den Teams geteilt. Dafür hätte auch ein Drittel des Geldes genügt. Den Rest hätte man gewinnbringender in die Zukunft investieren können.

Wie muss sich der Cup verändern, um eine breitere Öffentlichkeit anzusprechen?
Hussmann: Der Cup hat als große Veranstaltung eine Chance, wenn er aus der reinen Sportecke herauskommt. Rennen der DTM schauen beispielsweise in der Spitze bis zu 1,8 Millionen Menschen im Fernsehen an. Bei Formel-1-Rennen schauen fünf bis sieben Millionen Menschen zu. Nun ist der America’s Cup noch etwas exklusiver als die Formel 1, aber er muss sich der breiten Öffentlichkeit mit seinen spannenden Charakteren, guten Ideen und dem „Out of the Box“-Denken besser öffnen. Es müssen spannende Highlight-Formate, Personality- und Lifestyle-Stories produziert werden.

Was wünschen Sie sich vom America’s Cup der Zukunft?
Hussmann: Stabilität in Organisation und Veranstaltung. Faire Regeln und Grundwerte. Einen regelmäßigen und verlässlichen Veranstaltungskalender. Vorregatten an den richtigen Orten. Regelmäßige Fernsehberichterstattung, sodass die Menschen wissen, wann sie einschalten können. Eine bessere Ausrichtung der Regattakurse auf die Bedürfnisse des Fernsehens. Man kann so viel aus dem America’s Cup machen. Aber da ist noch die Frage, ob die handelnden Personen auch bereit sind, einen deutlich niedrigeren Level als zuletzt zu akzeptieren? Ohne kommerzielle Partner hat dieser Sport keine Chance. Ohne sie wäre das alles nicht finanzierbar. Es muss also mehr Realitätsdenken einsetzen. Dazu reicht ein Blick auf die Zahlen: Die Berichterstattung zum America’s Cup 2007 hat nicht einmal zehn Prozent der Berichterstattung über die Formel 1 erreicht. Dazu muss man nur den einfachen Dreisatz beherrschen, um die daraus resultierenden Möglichkeiten zu errechnen. Wir konzentrieren uns in der aktuellen Situation darauf, nachhaltig und profitabel zu wirtschaften. Entsprechend müssen alle Engagements dazu passen.

Haben Sie die letzten zweieinhalb Jahre des Cups vor Gericht denn unbeschadet überstanden?
Hussmann: Die letzten zweieinhalb Jahre spielen bei unseren Betrachtungen durchaus eine Rolle. Der Cup hat die eine oder andere Querele über sich ergehen lassen. Natürlich möchte man aus Sicht des BMW-Oracle-Racing-Teams diese Zeit jetzt ausblenden und sich auf die Zukunft konzentrieren. Aber wir müssen uns daran erinnern und sicherstellen, dass sich eine solche Situation nicht morgen wiederholt. Das wird die Aufgabe des Siegers sein: möglichst schnell möglichst stabile Bedingungen herzustellen.

Wäre BMW als potenzieller Sponsor auch für andere Teams, beispielsweise ein auferstehendes Team Germany, ansprechbar?
Hussmann: Man soll ja niemals nie sagen. Wir sind aber nun in der dritten Kampagne mit Oracle unterwegs. Wenn wir ein reiner Sponsor wären, dann wäre es vielleicht einfacher zu sagen: Okay, dann klebe ich mein Logo morgen eben auf ein anderes Boot. Aber so ist es nicht. Wie glaubwürdig wären wir als Technologiepartner, wenn wir morgen das Team wechseln? Außerdem ist es ja möglich, dass unser Team diesen America’s Cup gewinnt. Als Verteidiger hat man klare Vorteile ... Und dann haben wir es aus unserer Sicht auch erfolgreich geschafft, mit BMW Oracle Racing in sieben Jahren eine gute Sportmarke zu etablieren.

Aber entschieden haben Sie noch nicht?
Hussmann: Nein. Die Entscheidungsvorlage für den Vorstand können wir erst vorbereiten, wenn wir die Eckdaten der Zukunft kennen.

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