America's Cup"Big Blue" fährt und foilt

Dieter Loibner

 · 24.07.2013

America's Cup: "Big Blue" fährt und foiltFoto: Gilles Martin-Raget/ACEA

Von der Pressestelle als "toller Erfolg” gefeiert, war das erste Outing des Artemis-Kats eher ein Gehversuch als ein Lauf im Renntempo

  Die ersten Flugversuche von "Big Blue"Foto: Gilles Martin-Raget/ACEA
Die ersten Flugversuche von "Big Blue"

Natürlich muss man es dem Team und den Seglern von Artemis Racing hoch anrechnen, zu so später Stunde noch auf diese Cup-Party gehen zu wollen. Ihr gestern gewasserter AC72, "Big Blue", lief früh zu den ersten Testschlägen auf der zahmen South Bay aus. Als der Wind dann auf etwa 15 Knoten zulegte, hob sich der Kat auf den Foils aus dem Wasser. Aber das sah alles eher unbeholfen aus, verglichen mit den eingespielten Neuseeländern und den weit hinter den Kiwis hersegelnden Italienern. Das Boot war oft zu hecklastig getrimmt, die Crew bewegte sich noch sehr vorsichtig, die Abläufe waren nicht eingespielt. Und wie könnte es auch anders sein? Erster Tag am neuen Boot, erstmals auf den Foils. Nichts wächst über Nacht in den Himmel, auch wenn etliche Supersegler am Schiff sitzen.

  Wetter und Kulisse stimmtenFoto: Gilles Martin-Raget/ACEA
Wetter und Kulisse stimmten

Steuermann Nathan Outteridge sprach von einem perfekten Tag und davon, dass es ein Erfolgserlebnis war, das dieses Team so dringend brauchte. Aber er setzte auch ehrlich hinzu: "Wir hoffen, der 6. August ist machbar, wissen aber, dass noch sehr viel Arbeit auf uns wartet und wir wenig Zeit haben. Es war der erste Tag (des Foilens) für uns, während die anderen schon bei Tag 70 oder 80 sind. Ein Schritt nach dem anderen, aber wir werden uns dabei so schnell bewegen wie möglich.”

  Mit "Spinne" unterm Trampolin und Diagonaltraversen ähnelt "Big Blue" dem Boot der NeuseeländerFoto: Gilles Martin-Raget/ACEA
Mit "Spinne" unterm Trampolin und Diagonaltraversen ähnelt "Big Blue" dem Boot der Neuseeländer

Man erwartet, dass die Schweden im Semifinale segeln, was durch den Mangel an Teilnehmern beim Louis Vuitton Cup ohnehin garantiert war. Bloß gegen wen sie antreten werden, ist unklar. Alles sieht nach Luna Rossa aus, aber die Neuseeländer, die die Vorrunde locker und ohne Verlustpunkte für sich entschieden haben, dürfen wählen, ob sie im Semifinale die Beine hochlagern und nur zuschauen oder gegen einen Sparringpartner zum Auflockern antreten wollen. Von den nervösen Veranstaltern, die hinter den Kulissen Druck auf Artemis ausüben dürften, so schnell wie möglich ins Regattageschehen einzugreifen, wurde angedeutet, dass es ein "unerwarteter Bonus" wäre, würden sich die Schweden vor dem 6. August am Parcours zeigen.

Erster Tag auf dem neuen Boot für Artemis

Es wäre nicht der America’s Cup, würde nicht schon wieder an den Regeln manipuliert werden. Das schwedische Boot sei zu schwer, heißt es. Vielleicht deshalb, weil man nach dem Tod von Andrew Simpson "Big Blue” gar zu sehr verstärkt hat? Jedenfalls wäre ein zu schweres Gefährt gegen die Klassenbestimmungen, die in Absatz 5.10 ein Maximalgewicht vorsehen. Das heißt, die anderen Teams müssen zustimmen, dass Artemis trotzdem beim Louis Vuitton Cup mitmachen darf. Vielleicht bunkern die anderen ja freiwillig ein paar Batzen Blei oder ein Fass Bier aus Italien, um sich dem Übergewicht der Schweden anzupassen. Klingt wie ein Scherz, aber von der Hand zu weisen wäre eine derartige Aktion bei diesem America’s Cup nicht.

Laut offiziellem Programm wäre Artemis heute gegen Luna Rossa dran und am Samstag gegen Team New Zealand.

Die ersten Segelstunden von "Big Blue"
Foto: Gilles Martin-Raget/ACEA

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